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Schwammige Diebstahlgeschichte: Leasing-Kunde muss Schadensersatz zahlen

18.06.2014 - 12:00

Im Normalfall ist ein Leasing-Fahrzeug vollkaskoversichert. Die Gap-Deckung verhindert zudem, dass der Versicherungskunde etwa bei einem Totalschaden die finanzielle Lücke zwischen Rest- und Leasingwert zahlen muss. Doch in manchen Fällen zahlt der Leasingkunde doch drauf - wie ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Hamm zeigt.

Autodieb
Der Streitfall liegt bereits einige Jahre zurück. 2006 leaste ein Autofahrer einen Audi A3. Die Laufzeit des Leasingvertrags lief bis 2010. Doch der Mann aus Bielefeld gab den Wagen zum vereinbarten Zeitpunkt einfach nicht ab. Das Leasingunternehmen hakte nach – und bekam zur Antwort, das fragliche Auto sei just wenige Tage zuvor in Berlin gestohlen worden.

Die Vollkaskoversicherung wurde eingeschaltet. Doch die Gesellschaft lehnte die Übernahme ab. Sie hatte starke Zweifel an der Geschichte des Bielefelders. Dieser gab lapidar an, er sei mit dem Audi nach Berlin gefahren, um dort ein Visum zu beantragen. Er habe den Wagen geparkt – und ihn nach dem Gang aufs Konsulat am Abstellort nicht mehr vorgefunden.

Kunde informiert weder Kfz-Versicherung noch Leasingfirma über Autodiebstahl

Damit hatte sich die Sache für den Autofahrer. Eine Anzeige? Warum denn? Leasingfirma und Kfz-Versicherung informieren? Ist dass denn wirklich notwendig? Seine Diebstahlgeschichte konnte der Mann in keiner Weise untermauern, auch Zeugen für seinen Ausflug in die deutsche Hauptstadt gab es nicht.

Stutzig wurden die Experten der Autoversicherung auch, als sie vom Versicherungskunden – wie bei Diebstahlsfällen üblich – alle ihm überlassenen originalen Fahrzeugschlüssel anforderten. Der vermeintlich Bestohlene kam der Aufforderung zwar nach – nur wollte einer der Autoschlüssel partout nicht ins Schloss passen. Die Nachfrage seitens der Kaskoversicherung bestätigte: Der Schlüssel gehörte nicht zu dem geleasten Audi A4.

Kfz-Versicherung verweigert nach Prüfung des Falls die Zahlung

Diese Indizien reichten der Kfz-Versicherung aus, ihre sogenannte Einstandspflicht gegenüber dem Versicherten abzulehnen und keinen Cent zu bezahlen. Seine Möglichkeit, gegen die Entscheidung gerichtlich vorzugehen, nahm der Mann nicht wahr. Der Leasingfirma brachte dies alles nichts. Sie beharrte auf Schadensersatz und verklagte den Autofahrer auf 13.000 Euro.

Im Urteil gab das OLG Hamm dem Leasinggeber Recht. Der ehemalige Audi-Fahrer muss den Schaden aus eigener Tasche bezahlen, da er das Unternehmen nicht umfassend über den Diebstahl informiert hatte. Doch dies wäre nach Ansicht des Gerichts seine Pflicht gewesen. Das Urteil ist rechtskräftig.

(srh)

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