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Verzögerte Schadenregulierung kommt Kfz-Versicherung teuer zu stehen

03.03.2014 - 12:00

Ewig Zeit lassen darf sich eine Kfz-Versicherung mit der Prüfung eines Versicherungsschadens nicht. Dauert das Ganze doch mal länger und ein geschädigter Autofahrer bemüht Justitia, um der Gesellschaft Dampf zu machen, muss der Kfz-Versicherer auch die anfallenden Gerichtskosten des Klägers zahlen. Zu diesem Urteil ist das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart im Herbst des vergangenen Jahres gekommen.

Aufnahme Kfz-Schaden
Nachdem der klagende Autohalter schuldlos in einen Unfall verwickelt worden war, ließ sich die gegnerische Kfz-Haftpflichtversicherung viel Zeit mit der Bearbeitung des Falls - zu lange für den Geschmack des Geschädigten. Er forderte die Gesellschaft wiederholt auf, den Schaden endlich zu regulieren - vergeblich.

Der Autoversicherer begründete seine Weigerung mit ausstehenden Ermittlungsakten zu dem Verkehrsunfall. Diese seien für die Einschätzung des Versicherungsfalls notwendig, lägen der Assekuranz aber nicht vor. Doch das war dem Mann egal. Nach sechs fruchtlosen Wochen des Wartens und Mahnens zog er gegen den Versicherer vor Gericht.

Nach Klageerhebung bezahlt die Autoversicherung den Schaden

Das wirkte offenbar, denn die Assekuranz beglich kurz nach der Klageeinreichung den geltend gemachten Schaden. Offen waren nun nur noch die Kosten für den angestrengten Rechtsstreit. Diese wollte das Unternehmen jedoch nicht auch noch tragen.

Die Parteien trafen sich also doch noch vor Gericht, um auch diesen Streitpunkt zu klären. Die Richter beider angerufenen Instanzen gaben dem klagenden Autobesitzer Recht und halsten die Kosten der Autoversicherung auf.

Kfz-Versicherer muss Informationen selbst besorgen

Der Kfz-Versicherer sei nach sechs Wochen im Verzug gewesen, so die Urteilsbegründung aus Stuttgart. Daran ändere auch die fehlende Einsicht in die Ermittlungsunterlagen der Polizei nichts. Es sei Sache der Versicherung, sich möglichst zügig genug Informationen über den Sachverhalt zu beschaffen, um eine Entscheidung hinsichtlich der Schadenregulierung treffen zu können.

Eine kleine Lehrstunde in der Informationsrecherche gab das Gericht gleich noch mit auf den Weg: Die Mitarbeiter der Versicherung hätten zum Beispiel ihren Versicherungskunden als Unfallverursacher über den Hergang befragen oder einfach zum Hörer greifen und die zuständigen Polizeibeamten um eine Einschätzung bitten können. Das sei unterblieben und somit dem Interesse des Geschädigten an einer schnellen Regulierung des Vorfalls zuwidergehandelt worden, so die Urteilsbegründung weiter.

Ergo: Der Haftpflichtversicherer ist selbst schuld an seiner Misere und muss die Gerichtskosten zu Recht tragen. Eine Revision ließen die Stuttgarter OLG-Richter nicht zu.

(srh)

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