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Plötzlich ist der Wagen weg: Was tun nach einem Autodiebstahl

27.03.2013 - 13:00

Steht der eigene Wagen nicht mehr an der Stelle, an der er zuvor friedlich parkte, schießt bei Autobesitzern ganz schnell das Adrenalin ein. Waren Autodiebe am Werk oder war die großzügige Parkplatz in Wahrheit doch eine Feuerwehrzufahrt – und das geliebte Auto wurde nur abgeschleppt? In jedem Fall bricht nun eine hektische und bürokratische Zeit an. Wer nun Fehler macht, kann sich einigen Ärger einhandeln.

Nur die Ruhe bewahren und schrittweise vorgehen

Der erste Schritt auf der Suche nach einem vermissten Auto ist der Anruf bei der Polizei, rät der Bund der Versicherten (BdV). Über den Notruf 110 wird einem auf jeden Fall weitergeholfen. Haben Sie das amtliche Kennzeichen Ihres Wagens im Kopf, können sie so schnell abfragen, ob das Auto lediglich umgesetzt wurde. Wer in der Aufregung nicht mehr weiß, wie das Auto „heißt“, findet die Antwort im Fahrzeugschein.

 

Kann auch die Polizei nicht weiterhelfen, erhärtet dies den Verdacht eines Autodiebstahls. Nun führt der Weg schnurstracks zur nächsten Polizeiwache – eine Strafanzeige gegen Unbekannt will gestellt werden. Gegenüber den Beamten müssen alle Fragen zum Fahrzeug wahrheitsgemäß beantwortet werden. Wichtig sind hier etwa der Kilometerstand, die Fahrzeugausstattung und die Anzahl der Autoschlüssel.

Falsche Angaben können den Versicherungsschutz kosten

Wer hier Ungereimtheiten zu Protokoll gibt, kann später Probleme bei der Abwicklung des Schadens mit seiner Kfz-Kaskoversicherung bekommen. Im Raum stehen dann schnell Versicherungsbetrug oder zumindest eine grobe Fahrlässigkeit seitens des Versicherten. Der Kilometerstand lässt sich vielleicht anhand der letzten Inspektion ermitteln, teure Einbauten ins Auto mit entsprechenden Rechnungen belegen. Auch aktuelle Fotos vom Fahrzeug können helfen.

 

Doch erst einmal geht die wilde Fahrt weiter zur Zulassungsstelle. Mit im Gepäck sollten sein: Der Fahrzeugschein (die Zulassungsbescheinigung Teil I). Den behält die Behörde ein und legt den Wagen still. Bei Leasing oder einer Finanzierung des Autos sollten auch der Leasingpartner und die Bank über den Diebstahl informiert werden.

Nur die optionale Kfz-Kaskoversicherung zahlt bei Autodiebstahl

Der Kreis schließt sich bei der Kfz-Kaskoversicherung. Nur ein optional abgeschlossener Teil- oder Vollkaskoschutz beinhaltet die Haftung nach einem Autodiebstahl. Wer lediglich die gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflichtversicherung besitzt, geht leer aus.

 

Am besten wurde die Gesellschaft bereits nach der Meldung bei der Polizei kurz telefonisch über den mutmaßlichen Autodiebstahl in Kenntnis gesetzt. Nun sind weitere Schritte notwendig. Der Versicherer benötigt nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für die Regulierung des Schadenfalls den Kfz-Brief, das Diebstahlprotokoll der Polizei, alle Fahrzeugschlüssel und die Abmeldebestätigung der Kfz-Zulassungsstelle.

Gut Ding will Weile haben: Bis zur Erstattung können Wochen vergehen

Machen Sie sich zuvor Kopien von allen Dokumenten. So haben Sie einen Plan B in der Hinterhand und können nachlegen, wenn die Originale etwa auf dem Postweg verschwinden. Nun sind von Ihrer Seite aus alle notwendigen Schritt unternommen – und die Zeit des Wartens beginnt. Denn bis die Kaskoversicherung den Verlust finanziell ausgleicht, dauert es meist einige Wochen. Normal ist laut GDV eine Bearbeitungszeit von vier Wochen. Danach vergehen gut und gerne noch einmal zwei Wochen, bis das Geld auf dem Konto des Versicherungsnehmers eingeht.

 

Für ein gestohlenes Fahrzeug erstatten die Kfz-Versicherer in der Regel den sogenannten Wiederbeschaffungswert. Den legt ein Sachverständiger fest. Für diesen Betrag sollte ein vergleichbar ausgestatteter Gebrauchtwagen gleichen Baujahrs mit ähnlicher Laufleistung zu bekommen sein.

Bei neuwertigen Autos wird unter Umständen sogar der volle Kaufpreis erstattet. Geregelt ist dies durch die sogenannte Neuwertentschädigung. Wie lange nach dem Autokauf diese besteht, hängt vom Versicherer und dem gewählten Tarif ab. Von 0 Tagen bis zu zwei Jahren ist alles drin. In der Regel zeigen sich Premiumangebote in diesem Punkt spendabler als preisgünstige Versicherungspolicen.

Späte Konsequenz: Versicherungskunde steigt in der Schadenfreiheitsklasse

Nach der Schadenregulierung bewertet die Kfz-Versicherung das Schadenrisiko des Versicherten neu – und wird ihn im darauffolgenden Jahr in der Schadenfreiheitsklasse zurückstufen, mit den entsprechenden negativen Konsequenzen hinsichtlich des Versicherungsbeitrags.

 

Doch was passiert, wenn der gestohlene Wagen nach einiger Zeit wieder auftaucht? Wem gehört dann das Schätzchen – Halter oder Versicherung? Das kommt auf die Zeitspanne zwischen Verlustmeldung und Auffindung an. Taucht der Wagen innerhalb eines Monats wieder auf, muss ihn der Halter zurücknehmen. Deshalb ist es nicht unbedingt ratsam, sich sofort am nächsten Tag nach einem entdeckten Autodiebstahl im erstbesten Autohaus einen neuen Wagen zu kaufen.

Wiedergefundene automobile Schätzchen werden meist versteigert

Für alle Schäden, die die Diebe am, im oder mit dem Fahrzeug angerichtet haben, haftet die Kfz-Kaskoversicherung beziehungsweise die Auto-Haftpflicht ein. Nach Ablauf der Monatsfrist gehört der Wagen jedoch der Versicherung. Sie kann dann damit machen, was sie will. Meist werden wiedergefundene Fahrzeuge versteigert.

 

Der Grund ist einfach: Wenn die Versicherung den Wagen direkt an den früheren Besitzer verkaufen würde, müsste die Assekuranz wie jeder Autohändler auch eine Gewährleistung geben. Das ist den Gesellschaften zu heiß. Bei einer öffentlichen Auktion existiert die Hürde der Gewährleistungspflicht nicht – die Käufer kaufen die Katze im Sack.

(srh)

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