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Stiftung Warentest greift Thema Telematik in der Kfz-Versicherung auf

29.04.2014 - 10:00

Seit Jahresbeginn hat mit der Sparkassen DirektVersicherung der erste Kfz-Versicherer in Deutschland versuchsweise einen Telematik-Tarif im Programm. Grund genug für die Verbraucherschützer von Stiftung Warentest, sich dem Thema Telematik in der neuesten Ausgabe ihrer Zeitschrift ausgiebig zu widmen.

Das Fachpublikum sollte sich von dem Artikel allerdings nicht zu viel versprechen: Neuigkeiten hat Stiftung Warentest nicht zu verkünden. Ohne allzu sehr in die Tiefe zu gehen, werden die grundlegenden Funktionen der Technik und die Auswirkungen auf den Kfz-Versicherungskunden erörtert.

Der Artikel zeigt zudem durch den Blick über den großen Teich auf, welche Ausmaße das Thema Telematik in der deutschen Autoversicherungsbranche zukünftig annehmen könnte. In den USA basiert rund jeder siebte Neuabschluss auf dem Prinzip der Fahrzeugüberwachung. Dort heißt das Konzept „Pay as you drive“, was ins Deutsche übersetzt so viel wie „Zahle, wie du fährst“ bedeutet.

Fahrprofil für Beitragshöhe entscheidend

Beim Telematik-Tarif der S-Direkt sind fünf Prozent Rabatt drin.
Dies beschreibt das Prinzip Telematik sehr treffend – ist doch das aufgezeichnete und in einen Punktewert übertragene Fahrverhalten des Versicherten ausschlaggebend für die positive oder negative Risikoeinschätzung durch die Kfz-Versicherungsgesellschaft. In den USA winken Telematik-Kunden laut Frank Sommerfeld vom Beratungsunternehmen Towers Watson bei umsichtiger Fahrweise Rabatte von bis zu 30 Prozent.

Da kommen die fünf Prozent Beitragsrabatt der S-Direkt eher kleinlich daher – zumal die Kfz-Versicherten dem bisher einzigen deutschen Telematik-Anbieter derzeit pro Jahr über 70 Euro für den frei gewählten Überwachungsdienst berappen müssen.

Allein um diese zusätzlichen Kosten durch den Rabatt wieder reinzuholen, müsste die Jahresprämie für den versicherten Pkw bei 1.400 Euro liegen. Gut, dass die Verantwortlichen der S-Direkt die Telematik-Kosten bei einem Jahresbeitrag über 600 Euro auf moderate 18,95 Euro absenken.

Telematik-Daten sind vielseitig nutzbar

Die gewonnenen Telematik-Daten können vielseitig genutzt werden. Der Fahrer kann sich sein Fahrprofil online detailliert ansehen. Der Chef kann den Mitarbeiter in seinem Firmenwagen jederzeit orten. Eltern bietet die Technik die Chance, Fahrstil und Verbleib des Nachwuchses zu kontrollieren. Auch als Ortungsmöglichkeit nach einem Diebstahl des mit der Technik ausgerüsteten Autos taugt der Dienst.

 

Nicht zuletzt profitiert selbstverständlich auch der Kfz-Versicherer von Telematik-Tarifen. Bereits aktuell fragen die Kfz-Versicherungen im Zuge der Beitragsbemessung von den Kunden zahlreiche persönliche Daten ab. Mithilfe der Fahrzeugdaten ist es ihnen möglich, noch genauere Risikoeinschätzungen vorzunehmen und dem Kunden tatsächlich eine maßgeschneiderte Police mit individuellem Beitragssatz anzubieten.

Datenschützer fordern hierzulande seit dem Aufkommen des Themas Telematik in der Kraftfahrzeugversicherung vehement, die Daten sowohl sicher zu übertragen, anonymisiert auszuwerten und vor Zugriffen Unbefugter sicher zu verwahren. Sie sollen keineswegs in die Hände Krimineller fallen.

Datenschützer warnen vor Gefahren der Datensammelwut

Auch der sonstigen Weiterverwertung – etwa durch die Autohersteller, Reifenhändler oder andere Kfz-affine Unternehmen – soll von Beginn an ein Riegel vorgeschoben werden. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft fordert, dass allein der Versicherte entscheiden soll, ob und welche Fahrzeugdaten er wem zu welchen Zwecken preisgibt.

Dies sichert die S-Direkt als Pionier zu. Die Fahrzeugdaten der Kunden gehen an den Dienstleister Telecitygroup nach London. Dieser wertet die Details aus und bereitet sie für die Kfz-Versicherung in einem sogenannten Score-Wert auf. Die Identität der Versicherten erfährt der Dienstleister aber nicht. Laut dem S-Direkt-Vorstand Jürgen Cramer werden die erhobenen Daten dann am 30. Juni des nächsten Jahres gelöscht.

Fraglich ist, ob diese Grundsätze in der Zukunft noch Bestand haben werden. Das greift auch Stiftung Warentest auf. Könnten Gerichte künftig die Herausgabe der Telematik-Daten erzwingen, um beispielsweise die Schuldfrage bei einem Verkehrsunfall mittels der Fahrzeugdaten der Beteiligten zu klären?

Telematik-Tarife bieten für manche Kfz-Versicherte durchaus Vorteile

Grundsätzlich können Telematik-Tarife für bestimmte Fahrergruppen sinnvoll sein. Dazu zählen Fahranfänger, die derzeit besonders zur Kasse gebeten werden, und vorsichtige Fahrer, die von den Rabatten profitieren können, ohne eine langjährige weiße Weste bei den Schadenfreiheitsklassen vorweisen zu müssen. Die Verlierer hingegen wären Fahrer mit erhöhtem Unfallrisiko – und alle Verbraucher, die ihre Daten nicht preisgeben wollen und daher in den normalen Kfz-Versicherungstarifen bleiben.

 

(srh)

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