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Tierische Smartphone-App petzt Regelverstöße von Fahranfängern

03.02.2013 - 13:00

Eine neue Kfz-Überwachungssoftware sorgt in den USA einerseits für Entzückung, andererseits für lange Gesichter. Schuld ist ein Kanarienvogel – oder besser gesagt die Spionage-App Canary. Das Programm können sich beispielsweise Mama und Papa auf ihr Smartphone laden, wenn sie ihrem Nachwuchs nicht zutrauen, regelkonform mit ihrem Auto zu fahren. Der Piepmatz meldet jede unerlaubte Nutzung des Handys während der Fahrt direkt aufs Mobiltelefon der Eltern.

In den USA dürfen Jugendliche bereits mit 16 Jahren hinters Steuer, die Fahrprüfung ist für deutsche Verhältnisse ein Klacks. Da die jungen Autofahrer noch nicht volljährig sind und somit unter der Aufsicht der Eltern stehen, ist die Entwicklung von Apps wie Canary durchaus nachvollziehbar. In Deutschland sieht dies etwas anders aus. Im Normalfall wird der Führerschein erst ab 18 Jahren ausgegeben, die Fahranfänger sind dann bereits volljährig und müssen sich von den Eltern nicht mehr beim Autofahren gängeln lassen – auch wenn es gut gemeint ist.

Der gefiederte Spion meldet dank GPS jeden Fehltritt

Die App funktioniert über GPS und schaltet sich etwa bei einer Geschwindigkeit von 20 km/h ein. Sobald der Überwachte telefoniert, eine SMS verschickt, twittert, googelt oder sich bei Facebook herumtreibt, zwitschert ein Vöglein dies den Eltern. Doch die App kann noch mehr: Sie meldet Überschreitungen des vorgeschriebenen Tempolimits, singt, wenn der Nachwuchs das Auto zu verbotener Stunde nutzt und petzt, falls sich die Kinder mit dem Wagen zu weit vom Elternhaus und damit dem vorgegebenen maximalen Radius fortbewegen. Das Handy abschalten bringt übrigens nicht viel – auch das gibt Canary sofort - gewissermaßen mit dem letzten Atemzug - noch an die besorgten Eltern durch.

Die Einführung der App in den USA hat einen ernsten Hintergrund. Dort steigt laut einem Bericht von Spiegel Online mit der zunehmenden Anzahl der mobilen Geräte die Zahl der Unfälle, die durch abgelenkte Fahrer verursacht werden. So gab bei einer Umfrage des amerikanischen Verbrauchermagazins ConsumerReports unter Fahranfängern bis 21 Jahren über die Hälfte der Teilnehmer an, während der Autofahrt ihr Handy zu benutzen. Und dies im Bewusstsein, dass dieses Verhalten absolut gefährlich für sie und andere Verkehrsteilnehmer ist.

Handy am Steuer ist auch in Deutschland weit verbreitet

Auch in Deutschland nutzen vor allem jüngere Autofahrer Handy und Co. während der Fahrt. Dies belegt eine Studie des Forsa-Instituts von November 2012. Danach gaben 24 Prozent der bis 29-Jährigen an, regelmäßig bei der Fahrt ihr Handy zu benutzen. Eine TNS Infratest-Befragung von Dezember 2012 ergab sogar, dass rund drei Viertel der Smartphone-Besitzer bei Autofahrten ihre Hände nicht vom Handy lassen können.

Dabei ist das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung bei der Autofahrt seit 2004 verboten. Trotzdem wurden laut dem Kraftfahrt-Bundesamt beispielsweise im Jahr 2011 rund 450.000 Autofahrer mit dem Mobiltelefon am Ohr erwischt. Die Bußgelder für solche Verstöße sind gering: 40 Euro und ein Punkt in Flensburg schrecken nicht wirklich ab. Daher will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) den Bußgeldkatalog entsprechend verschärfen.

Bei Unfall haften notorische Auto-Telefonierer mit

Auf den Kfz-Haftpflichtschutz des Fahrers kann sich die ständige Telefoniererei am Steuer ebenfalls negativ auswirken. Wer sein Handy während der Fahrt nutzt und in einen Unfall gerät, den ein anderer verursacht, haftet unter Umständen mit, so Stiftung Warentest. Dies bestätigten verschiedene Gerichtsurteile. Verursacht ein Autofahrer beim unerlaubten Telefonieren selbst einen Unfall, kann die Kfz-Versicherung dies auch als grobe Fahrlässigkeit werten. Es hängt dann vom jeweiligen Tarif ab, ob der eigene Kfz-Kaskoversicherer den Schaden ausgleicht oder nicht. Viele Tarife zahlen zwar auch bei grober Fahrlässigkeit, einige Angebote schränken diesen Schutz jedoch im Falle von Telefonaten während der Fahrt ein.

Mit Canary an Bord wäre es für die deutschen Kfz-Versicherer einfacher, Unfallfahrern nachzuweisen, dass sie zum Unfallzeitpunkt mit dem Handy zu Gange gewesen sind. Noch wird die App hierzulande nicht offiziell vertrieben, über Umwege kann die Ami-App laut Spiegel Online dennoch auch von deutschen Eltern angewendet werden. Setzt sich das Überwachungsprogramm durch, müssen Fahranfänger künftig wachsamer sein, wenn sie sich einmal das elterliche Auto für eine Spritztour ausleihen. Denn wenn die Macht des Autoschlüssels mit ihnen ist, bestimmen immer noch Mama und Papa die Regeln - frei nach dem Motto „solange du deine Füße aufs Gaspedal meines Autos stellst, bestimme ich, wo und wie du fährst“.

(srh)

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