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Wenn die Schadenregulierung mal wieder länger dauert

06.03.2013 - 13:00

Unschuldig in einen Unfall verwickelte Autofahrer haben Anspruch auf Entschädigung. Diese leistet die Kfz-Versicherung des Unfallverursachers. So weit, so gut. Doch allzu oft dauert die Schadenregulierung eine gefühlte Ewigkeit und die Nerven des Unfallopfers werden arg strapaziert. Doch es gibt zeitliche Grenzen für die Bearbeitung eines Versicherungsfalles, an die sich die Versicherung halten muss. Ansonsten kann der Geschädigte vor Gericht seinem Anspruch Nachdruck verleihen – in der Regel mit Erfolg.

Doch einen gewissen zeitlichen Spielraum sollte der geschädigte Autofahrer der gegnerischen Assekuranz schon lassen. Wer seinen bissigen Anwalt zu früh von der Kette lässt, muss dessen Kosten ansonsten selbst tragen. So war es auch bei einem vor dem Oberlandesgericht Köln verhandelten Fall. Einem geschädigten Autofahrer war der Kragen geplatzt, nachdem er knapp einen Monat nach dem Unfall noch immer nichts von der Gegenseite gehört hatte. Kurzerhand beauftragte er einen Anwalt mit der Wahrnehmung seiner Interessen.

Anwaltskosten muss die Kfz-Versicherung nicht zahlen

Das beschleunigte zwar den Prozess ─ die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallfahrers erkannte die Forderungen des Unfallopfers an. Die Gesellschaft weigerte sich aber, die Anwaltskosten zu übernehmen. Das ließ der Mann nicht auf sich sitzen und zog vor Gericht. Hier wurde er jedoch von den Kölner Richtern zurechtgestutzt.  Einem Haftpflichtversicherer müsse schon eine Prüfungsfrist von vier bis sechs Wochen zugestanden werden, so das Urteil. Im vorliegenden Fall waren jedoch noch nicht einmal vier Wochen ins Land gezogen.

Den Versicherungen wird in der Praxis zugebilligt, einen Schaden sorgfältig untersuchen zu dürfen. Das braucht eben seine Zeit. Die Zeitspanne von bis zu sechs Wochen kann sich sogar noch einmal um drei Wochen verlängern, wenn die Experten des Versicherers beispielsweise Polizeiakten zum Unfall einsehen möchten. Ist auch diese Frist verstrichen, kann der Geschädigte mit Aussicht auf Erfolg gegen die Verschleppung des Versicherungsfalls klagen.

Lange Bearbeitungsdauer: Unfallopfer steht Entschädigung für Wartezeit zu

Dann steht ihm meist neben einer Erstattung des Nutzungsausfalls seines Wagens für die Zeit der Reparatur zusätzlich auch eine Entschädigung seitens der Versicherung für die unnötig lange Wartezeit zu. So zumindest lautet ein Urteil des Landgerichts Hamburg. Hier hatte eine Frau der gegnerischen Versicherung unverzüglich nach einem unverschuldeten Unfall mitgeteilt, dass sie die Instandsetzungsarbeiten an ihrem Wagen finanziell nicht vorstrecken könne. Da sich die Versicherung trotzdem über einen Monat mit der Zusage der Kostenübernahme Zeit ließ, sprachen die Richter der Klägerin eine Entschädigung für die Wartezeit zu, in der sie das kaputte Auto nicht nutzen konnte.

Eine weitere Möglichkeit, vorab zumindest einen Teilbetrag von der Kfz-Versicherung zu erhalten, ist die Forderung an die Gesellschaft, Abschlagszahlungen auf Grundlage der voraussichtlich zu leistenden Gesamtsumme zu tätigen. Darauf weist der Bund der Versicherten (BdV) hin. Allerdings setzen diese Maßnahmen immer voraus, dass der Versicherte alles getan hat, um seinerseits den Regulierungsprozess zu beschleunigen. Fehlen von ihm etwa noch Unterlagen, kann er die Autoversicherung nicht für die schleppende Bearbeitung verantwortlich machen.

Tarifrechner zeigt leistungsstarke Kfz-Versicherungen auf

Außerdem muss das Unfallopfer im Rahmen der sogenannten Schadenminderungspflicht alles dafür tun, um den Schaden für die Kfz-Versicherung gering zu halten. Mieten Sie sich zum Beispiel für die Warte- und Reparaturzeit einen überteuerten Mietwagen, kann die Kfz-Versicherung die Übernahme der Kosten teilweise ablehnen und Leistungen kürzen.

(srh)

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