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Luftnummer: PSA will ein Druckluft-Hybridauto für die Massen bauen

03.07.2013 - 12:30

Benzin, Diesel, Rapsöl, Gas, Wasserstoff und Strom - gibt es nicht noch mehr Möglichkeiten, ein Auto anzutreiben? Das mögen sich die Entwickler bei PSA (der Zusammenschluss der Automarken Peugeot und Citroën) gedacht haben, als sie die Hybrid-Technologie neu erfinden wollten. Und siehe da: Es gibt noch was ─ Druckluft beziehungsweise Hydraulik.

Das ist kein Scherz, die Franzosen wollen Ernst machen. Der Druckluft-Hydraulikantrieb soll aus der Konzeptphase herauswachsen und ab 2016 als "Hybrid Air" in die Serienproduktion gehen. Dies gab der PSA-Konzern jüngst bekannt.

Technik ist leicht, günstig und CO2-freundlich

Die Technik soll - im Gegensatz zur verbreiteten Batterie-Lösung, sowohl günstig als auch leicht sein. Daher könnte sie auch in günstige Stadtflitzer des Konsortiums wie den Citroën C3 oder den Peugeot 208 integriert werden. In dieses Horn posaunte denn auch PSA-Projektentwickler Karim Mokaddem laut dem Branchenmagazin Automobilwoche: "Der Hybrid wird damit auch für Kleinwagen attraktiv und bezahlbar", so sein Statement zum neuesten PSA-Hybridbaby.

Doch was verbirgt sich konkret hinter "Hybrid Air"? Nur heiße Luft? Nun, das System hört sich ganz vernünftig an. Die wichtigsten Zutaten sind

·         ein Drucklufttank - gut und platzsparend verborgen im Mitteltunnel des Fahrzeugs ,

·         eine Hydraulikpumpe und

·         ein Hydraulikmotor, der über ein normales Getriebe mit einem herkömmlichen Verbrennungsmotor verbunden ist.

Wie funktioniert das Ganze? Beim Bremsen presst die Hydraulikpumpe Öl in den Drucktank. Die dortige Luft wird verdichtet. Soll der aufgebaute Druck freigesetzt werden - etwa beim Beschleunigen - dehnt sich der komprimierte Stickstoff wieder aus und drückt das Öl in einen Hydraulikmotor. Er ist mit einem konventionellen Verbrennungsmotor gekoppelt und treibt über das Getriebe den Wagen an. Wie bei Hybriden üblich soll der Fahrer drei Fahrmodi zur Auswahl haben : Antrieb mittels des verbauten Benziners, reiner Vorwärtsdrang durch Hydraulik sowie einen Mischbetrieb, bei dem die E-Maschine den Benzinmotor helfend unterstützt.

Eine "Druckladung" reicht nur für wenige Meter

Bevor nun die Pessimisten schreien: Ja, die freigesetzte Energie, so PSA, reicht immer nur für ein paar hundert Meter Fahrtstrecke. Doch der Druck lasse sich binnen zehn Sekunden erneut aufbauen, das Spiel beginnt von vorne. Der Hilfsmotor würde damit den normalen Verbrennungskumpanen ständig unterstützen können.

Die kurzen "Ladezeiten" sind auf alle Fälle Musik in den Ohren all jener, die sich über die lange Betankung bisheriger E-Hybride mokieren. Lästige Stecker und die Suche nach der nächsten E-Tanke wären ebenfalls nicht vonnöten. Neben den Preis- und Gewichtsvorteilen würde das Druckluft-System im Auto - wie es sich für einen Hybriden gehört - gegenüber vergleichbaren Fahrzeugen mit reinem Verbrennungsmotor-Antrieb nach Herstellerangaben jede Menge CO2 einsparen. Im Mischbetrieb soll der Hybrid nur 2,9 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern verbrauchen. Das entspräche einer CO2-Emission von lediglich 69 Gramm pro Kilometer. Insgesamt könnten im Stadtverkehr laut PSA bis zu 45 Prozent Kraftstoff eingespart werden.

Technik schont Umwelt, spart Kfz-Steuer und Sprit

Das freut die Umwelt - und spart Kfz-Steuer. Was hat der Autokäufer sonst noch davon? Er würde auch Sprit sparen. Und der wird wahrscheinlich in den kommenden Jahren eher teurer als billiger. Da zählt jeder Tropfen. Kleinwagen ließen sich laut PSA mit "Hybrid Air" an Bord im Normzyklus auf Verbrauchswerte unter drei Liter auf 100 Kilometer drücken. Auch beim Thema Kfz-Versicherung könnte der Hybride dem Besitzer Freude machen. Denn oft sind Hybrid-Modelle günstiger als vergleichbare, rein mit fossilen Brennstoffen betriebene Fahrzeuge.

Den Hybridantrieb entwickelt der Autokonzern gemeinsam mit Bosch. Das in Stuttgart gegründete, heute weltweit operierende Unternehmen, hat langjährige Erfahrung in der Konzeption von hydraulischen Antrieben - die Kooperation mit dem Autobauer bietet sich daher an. Die Technik ist nicht neu, lediglich die Kombination der verschiedenen Komponenten in einem Pkw. Bereits um die Jahrhundertwende wurden beispielsweise die Straßenbahnen mit Pressluft vorangetrieben. In Baumaschinen und Müllfahrzeugen ist Hydraulik ebenfalls seit langem bewährt im Einsatz.

(srh)

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