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Pkw-Energieeffizienz: KBA zieht erste Jahresbilanz

01.07.2013 - 12:49

Gerade erst hat die EU versucht, strengere CO2-Ausstoßwerte für Autos auf den Weg zu bringen, da veröffentlicht auch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Energiebilanz der in 2012 zugelassenen Neufahrzeuge. Die sieht auf den ersten Blick ganz passabel aus - entpuppt sich jedoch bei genauerem Hinsehen als Augenwischerei. Verbraucherfreundlichkeit sieht anders aus.

Die meisten neu auf den Asphalt gebrachten Fahrzeuge liegen danach im Mittelfeld der Energieeffizienz-Skala, die - angelehnt an das Schulnotensystem der USA - von A beziehungsweise A+ (sehr gut) bis G (sehr schlecht) reicht.  Rund 31 Prozent der Neufahrzeuge erreichten die Effizienzstufe C, weitere  knapp 22 Prozent Klasse D. Ein "gut" respektive B erhielten 20,5 Prozent der Fahrzeuge.

Skala reicht von A+ bis G

Im tiefgrünen Bereich A und A+ und damit besonders effizient waren immerhin noch 17,2 Prozent aller neuen Pkw. Als richtige Energieverschwender wurden dagegen in den Klassen E bis G insgesamt lediglich 8,6 Prozent eingestuft.

Doch was ist wirklich von diesen Zahlen zu halten? Werden unsere Autos wirklich immer effizienter und „grüner“? Nicht wirklich. Zumindest kann das Effizienz-Label für Kfz dies nicht abbilden. Es war politisch gewollt. Zum 1. Dezember 2011 wurde es verpflichtend eingeführt. Seitdem muss jeder Neuwagen ein entsprechendes Merkblatt aufweisen, aus dem seine Energieeffizienzklasse hervorgeht.

Pkw-Label orientiert sich an Kennzeichnung zum Energieverbrauch von Haushaltsgeräten

Das Label orientiert sich dabei an der bekannten Einteilung bei Haushaltsgeräten, etwa Kühlschränken oder Spülmaschinen. Wie effizient ein Pkw ist, wird durch seine CO2-Emissionen bestimmt. Doch hier kommt der Haken, den viele Umwelt- und Verkehrsverbände wie etwa der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bereits im Vorfeld der Label-Einführung kritisierten: Der Schadstoff-Ausstoß wird in Verhältnis zum Leergewicht des Fahrzeugs gesetzt.

Das bedeutet in der Praxis: Leichte Kleinwagen mit einer eigentlich vernünftigen CO2-Bilanz landen durch diese Verhältnisrechnung nur bei einem Effizienzwert im Mittelfeld. Schwere Geländewagen (SUV), die deutlich mehr Kohlenstoffdioxid pro Kilometer in die Atmosphäre blasen, können da locker mithalten oder die Kleinwagen sogar übertrumpfen.

Tatsächliche Umweltverschmutzung intransparent dargestellt

Spinnen wir doch einmal den Gedanken weiter: Wie schneidet wohl ein Leopard-2-Panzer der deutschen Bundeswehr ab? Der ist gut und gerne - je nach Ausführung und Modell - 62 Tonnen schwer. Tja, dank seiner Masse kann der Kraftprotz da trotz seines 1.500-Ps-12-Zylinder-Dieselaggregats über den Daumen gepeilt in der Effizienzklasse locker mit einem VW Golf mithalten.

Was von der deutschen Politik als Entscheidungshilfe für den Kunden beim Neuwagenkauf angepriesen wurde und wird, sagt somit im Grunde nichts über die tatsächliche Öko-Bilanz eines Neuwagens aus. Wer Böses dabei denkt, dem kommen hier schnell die Worte "Augenwischerei" in den Sinn.

(srh)

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