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Neuer Lack - neuwertiges Auto?

26.06.2013 - 12:00

Grundsätzlich kommt eine Vollkaskoversicherung für Vandalismusschäden auf - dies ist in den Vertragsbedingungen geregelt. Doch manche Unternehmen zieren sich und versuchen, ihren finanziellen Anteil so gering wie möglich zu halten. Ein solcher Fall wurde etwa im August 2012 vor dem Amtsgericht Solingen verhandelt.

Unbekannte hatten den Lack am Wagen eines Vollkaskoversicherten zerkratzt. Das Auto musste daraufhin neu lackiert werden. Kostenpunkt: knapp 3.200 Euro. Diese Summe wollte sich der geschädigte Autofahrer von seiner Vollkaskoversicherung erstatten lassen. Doch diese weigerte sich zunächst mit der Begründung, zerkratzter Lack falle nicht unter die versicherten Schäden.

 Abzug „Neu für Alt" greift bei Neulackierung nicht

Nach einigem Hin und Her erklärte sich die Versicherungsgesellschaft dazu bereit, den Schaden anzuerkennen. Doch auch dann zeigte sich die Assekuranz noch knauserig. Sie berief sich auf die Vertragsklausel des Abzugs „Neu für Alt" und kürzte die Forderungen des Versicherten um 680 Euro, da das Auto zum Zeitpunkt des Schadens bereits 46 Monate alt gewesen war und über 71.000 Kilometer auf dem Tacho gestanden hatten. Das wollte der Kunde nicht akzeptieren - der Fall landete vor Gericht.

 

Ein Abzug „Neu  für Alt" kommt in Betracht, wenn im Zuge einer Reparatur alte Fahrzeugteile ausgebaut und durch Neuteile ersetzt werden. Muss zum Beispiel nach einem Unfall ein neuer Motor eingebaut werden, weil das alte Aggregat nicht mehr funktioniert, ist der Wagen hinterher durch den jungfräulichen Austauschmotor mehr wert als vorher. Der Versicherungskunde hat somit einen "Vermögensvorteil" - dies darf die Kfz-Versicherung berücksichtigen und kann die Schadensumme entsprechend kürzen. Doch gilt diese Regel auch bei Lack?

Kfz-Versicherung ist in der Beweislast

Nein, besagt das inzwischen rechtskräftige Urteil des Amtsgerichts Solingen. Der Versicherer hätte beweisen müssen, dass die Neulackierung einen "messbaren Vermögensvorteil" für den Halter gebracht hätte. Doch den Beweis konnte die Kfz-Versicherung nicht erbringen. Außerdem, so das Gericht, sind Fahrzeuglackierungen heutzutage qualitativ so hochwertig, dass sie ein ganzes Autoleben halten, ohne aufgefrischt werden zu müssen. Deshalb entschied das Urteil zugunsten des klagenden Versicherten. Die Gesellschaft musste den Schaden in voller Höhe begleichen.

 

(srh)

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