0800 - 24 24 123
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Nach über 50 Jahren: Kuba plant die Auto-Revolution

23.12.2013 - 18:00

Kuba: Die Insel steht für Ringer, Rum, Zigarren - und amerikanische Oldtimer. Nirgendwo sonst sehen Besucher heute wohl noch so viele der Dickschiffe „made in USA“ herumkurven wie auf dem karibischen Eiland. Der Grund ist einfach und wenig romantisch.

Oldtimer stehen in Havanna am Straßenrand.
Nach der erfolgreichen Revolution Fidel Castros und Che Guevaras verbot die neue Führungselite im Jahr 1959 den Import und freien Handel von Neufahrzeugen. Dieses Gesetz währte über 50 Jahre. Doch nun bröckelt das selbstauferlegte Embargo. Staatschef Raúl Castro, der Bruder Fidel Castros, bereitet sein Land schrittweise auf die Neuzeit vor. Dazu gehört auch, dass Kubaner und in Kuba lebende Ausländer ab 2014 Neufahrzeuge auf die Insel verschiffen dürfen - und diese auch frei an jedermann mit genügend Kleingeld im Portemonnaie verkaufen dürfen.

Erlaubt werden soll die Einfuhr von neuen Motorrädern, Pkw, Lieferwagen, Kleinlastern und Kleinbussen. Das berichtet Granma, die Zeitung der Kommunistischen Partei Kubas. Für Insider kommt die Öffnung nicht überraschend. Raúl Castro liberalisiert seit seinem Amtsantritt langsam, aber stetig die restriktive Gesetzgebung und öffnet das Land in wirtschaftlicher Hinsicht.

Nur wenige Neuwagen haben es in den vergangenen Jahrzehnten nach Kuba geschafft

Bereits seit 2011 ist es Kubanern gestattet, ausländische Fahrzeuge ins Land zu holen. Die Personengruppe ist jedoch stark beschränkt. Vor allem Mitarbeiter der Verwaltung und des Militärs können entsprechende Bescheinigungen beantragen. Auch griff die Staatsführung in der Vergangenheit gerne auf Fahrzeuge aus russischer Bruder-Produktion zurück.

Der Großteil der Bevölkerung hingegen musste bisher mit Autos zurechtkommen, die vor der Revolution gebaut und ins Land gekommen waren. Auf über 60.000 Kilometer Straßennetz fahren deshalb heutzutage noch immer vor allem die robusten amerikanischen Straßenkreuzer der 40er und 50er Jahre. Die Kubaner machen aus der Not eine Tugend. Jedes Blechteil wird aufgehoben und bei Bedarf solange umgearbeitet, bis es an einen der alten Ami-Schlitten passt.

Oldtimer prägen das Stadtbild Havannas

Die Oldtimer machen einen großen Teil des Flairs der Hauptstadt Havanna aus. Touristen fühlen sich sofort in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. Original sind die beliebten Fotomotive jedoch schon lange nicht mehr. Aus Mangel an adäquaten Ersatzteilen haben ihre Besitzer alle möglichen Fahrzeuge ausgeschlachtet. So schnurrt heute häufig unter der Motorhaube eines alten Chevys ein Isuzu-Motor, kommt ein Plymouth auf der Achse eines Ladas daher.

Gehandelt werden die Oldies auf der Insel dennoch weit über ihrem tatsächlichen Wert. Denn bei den Touristen sind sie beliebt - und bringen ihren Besitzern heiß begehrte Devisen. Eine kurze Fahrt in den historischen Wagen lassen sich Urlauber gerne 15 Dollar beziehungsweise den Gegenwert in konvertiblen Peso kosten. Das ist mehr, als ein durchschnittlicher Kubaner in einem Monat verdient.

Ende des Auto-Importverbots: Schwere Zeiten für alte Straßenkreuzer?

Es ist schwer zu sagen, wie sich die Aufhebung des Importverbots von Neufahrzeugen auf die Auto-Kulisse in Havanna und auf der restlichen Insel auswirken wird. Vielleicht werden sich Sammler aus aller Welt über die oft doch ziemlich heruntergekommenen und verbastelten Schätzchen hermachen und sie von der Insel wegschaffen. Die Jugend Kubas träumt auch eher von modernen Autos mit funktionierender Klimaanlage und Airbags.

Bleibt zu hoffen, dass zumindest in Kubas Hauptstadt auch weiterhin viele der Oldies wenigstens als Touristenattraktion unterwegs sein werden, um gegen die kommende Fahrzeug-Flut von Opel, Fiat, Toyota, Peugeot und Co. einen nostalgischen Kontrapunkt zu setzen.

(srh)

Weitere Artikel: