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Kfz Versicherung: Schadenregulierung muss nach sechs Wochen erfolgen

07.02.2011 - 12:30

Über zwei Millionen Unfälle ereigneten sich im vergangenen Jahr auf Deutschlands Straßen. Jeder Unfall verursacht nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft einen durchschnittlichen Schaden von 3.600 Euro. Viele Unfallopfer müssen jedoch teilweise mehrere Monate warten, bis die gegnerische Versicherung den Schaden reguliert. Laut den geltenden Rechtsvorgaben ist das deutlich zu lang.

Maximal vier bis sechs Wochen dürfe eine Assekuranz einen Schadenfall prüfen, so Frank Häcker, Fachanwalt für Verkehrsrecht, gegenüber Welt Online. Nur wenn die Kfz Versicherung bei der Polizei die vorliegenden Ermittlungsakten anfordert, kann diese Frist um bis zu drei Wochen verlängert werden. In den letzten Jahren seien diese Zeiträume von verschiedenen Gerichten als angemessen definiert worden. Wer länger auf eine Schadenregulierung der Kfz Versicherung des Unfallverursachers warten muss, der kann sein Recht einklagen, so Häcker.

Kfz Versicherung darf bei Schadenregulierung keine Werkstatt festlegen

Auch an anderer Stelle sollten sich Fahrzeughalter nichts vorschreiben lassen, wozu sie nicht rechtlich verpflichtet sind. Beispielsweise darf die regulierende Kfz Versicherung nicht darauf bestehen, dass der entstandene Schaden in einer ihrer Partnerwerkstätten repariert wird. Vielmehr kann das Unfallopfer selbst bestimmen, bei welcher Werkstatt der Schaden behoben werden soll.

Wichtig ist es jedoch, die ausgesuchte Werkstatt erst dann mit der Reparatur zu beauftragen, wenn die Assekuranz eingewilligt hat, die veranschlagten Kosten zu übernehmen. Andernfalls besteht die Möglichkeit, dass der Geschädigte einen Teil der Reparatur aus eigener Tasche zahlen muss. Denn die Assekuranz hat das Recht einen Sachverständigen anzufordern, sofern sie den Kostenvoranschlag der Werkstatt in Zweifel zieht. Dies ist meist bei unklarem Unfallhergang oder einer Schadensumme ab etwa 1.800 Euro der Fall.

Auch hier muss sich der Geschädigte nicht auf einen von der Kfz Versicherung vorgeschlagenen Gutachter einlassen, denn das Recht, einen Sachverständigen auszuwählen, liegt beim Fahrzeughalter. Ein Gutachten kann sich nämlich für Autofahrer dahingehend lohnen, dass ein Sachverständiger eine Wertminderung des Fahrzeuges bestätigt – etwa dann, wenn das Auto nur noch als „Unfallwagen“ weiterverkauft werden kann. Dieser verringerte Wert und der Kostenaufwand für das Gutachten müssen von der Kfz Versicherung des Unfallverursachers im Zuge der Schadenregulierung ersetzt werden.

Lieber Rechnung einreichen als Reparatursumme auszahlen lassen

Der Geschädigte hat nun die Wahl, entweder die Werkstattrechnung bei der Versicherung einzureichen oder sich die fällige Summe für die Reparatur auszahlen zu lassen. Hier sollten Autofahrer jedoch genau überlegen, für welche Variante sie sich entscheiden. Denn die Assekuranz darf die Mehrwertsteuer von der Schadenersatzsumme abziehen, da diese nur anfällt, wenn eine Werkstatt tatsächlich die Reparatur durchführt. Einige Richter vertreten sogar die Meinung, dass der finanzielle Aufwand sowohl für den Versand diverser Ersatzteile als auch den Transport zum Lackieren abgezogen werden könne.

Wer sein Fahrzeug reparieren lässt, kann für den Zeitraum, in dem er sei Auto nicht nutzen kann, einen Mietwagen in Anspruch nehmen. Auch diese Kosten übernimmt die Kfz Versicherung. Laut Herbert Engelmohr, Rechtsexperte vom Automobilclub von Deutschland (AvD), müssen Verbraucher dabei aber zwei Grundregeln einhalten. Erstens sollte ein Mietwagen nicht größer sein als das eigene Fahrzeug, zweitens muss der Geschädigte darauf aus sein, den Schaden so gering wie möglich zu halten. In der Praxis heißt das: Der Mietwagen sollte weder zu teuer noch zu lange geliehen werden. Anderenfalls kann es sein, dass sich die gegnerische Versicherungsgesellschaft weigert, für die gesamten Kosten aufzukommen.

Wer kein Auto anmietet, kann von der Kfz Versicherung einen „Nutzungsausfall“ erstattet bekommen. Dieser richtet sich immer nach dem jeweiligen Wert des sich in Reparatur befindlichen Fahrzeuges. Unfallopfer können darüber hinaus eine allgemeine Kostenpauschale von der regulierenden Versicherungsgesellschaft verlangen. Diese ersetzt durch Fahrten in die Werkstatt und etwaige Telefonate angefallene Kosten. Im Normalfall leistet die Assekuranz hier eine Pauschale von 25 Euro.

Bei Problemen mit der Schadenregulierung einen Anwalt einschalten

Sollte die Versicherung den entstandenen Schaden nicht regulieren wollen, ist es in einigen Fällen durchaus sinnvoll, sich einen Rechtsbeistand ins Boot zu holen. Denn wenn die Assekuranz den Schaden ersetzen muss, ist sie auch verpflichtet den Anwalt zu bezahlen, sagt Paul Kuhn, Rechtsexperte vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC). Entscheidet das Gericht jedoch anders, muss der Kläger für den Anwalt und entsprechende Gutachten zahlen. Wer infolge eines Unfalls auf ärztliche Behandlung angewiesen ist, sollte sich jedoch für einen Anwalt entschieden, so Kuhn. Immerhin können hier Ansprüche auf Behandlungskosten oder gar Schmerzensgeld angemeldet werden.

Wenn eine Kfz Versicherung dem Geschädigten anbietet, schnell und ohne bürokratischen Aufwand ein Schmerzensgeld zu erstatten, sollten Verbraucher jedoch vorsichtig sein. Vor allem dann, wenn die Assekuranz als Ausgleich eine vom Unfallopfer unterzeichnete „Abfindungserklärung“ verlangt. Dadurch werden weitere Ersatzansprüche abgetreten, was letztlich zur Folge hat, dass die Kfz Versicherung nicht für später auftretende gesundheitliche Folgen belangt werden kann.

(tei)

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