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Mietwagenkosten: Taxi statt Porsche

03.08.2012 - 15:57

Wer schuldlos in einen Unfall verwickelt wird, muss nicht auf einen fahrbaren Untersatz verzichten, solange der eigene Wagen in der Werkstatt wieder flott gemacht wird. Die gegnerische KFZ Versicherung übernimmt die Kosten für einen Mietwagen. Dabei gilt die Regel, dass das Unfallopfer aus dem Fuhrpark eines Autovermieters einen gleichwertigen mobilen Ersatz wählen kann. Einige Einschränkungen und Pflichten hat der Geschädigte aber zu beachten, wie sich an einem aktuellen Fall zeigen lässt.

So wies das Landgericht Wuppertal in einem Urteil vom Mai 2012 die Klage einer Mietwagenfirma auf Übernahme der Restmietkosten in zweiter Instanz ab. Hintergrund: Ein Porsche Cabrio war bei einem Verkehrsunfall beschädigt worden und musste repariert werden. Die Halterin, eine Firma, mietete für den Zeitraum der Reparatur – insgesamt sechs Tage – mit einem Porsche einen gleichwertigen Mietwagen. Die Kosten beliefen sich auf über 1700 Euro. Zu viel, befand die KFZ Versicherung des Unfallverursachers, und bezahlte lediglich gut 800 Euro.

Gericht: Taxi viel billiger als Luxus-Leihwagen

Aus abgetretenem Recht klagte daraufhin die betroffene Mietwagenfirma auf Zahlung der ausstehenden Summe. Doch wie bereits die erste Instanz wies auch die zweite gerichtliche Instanz die Klage zurück. Die Begründung: Die Anmietung eines so teuren Sportwagens stehe im offensichtlichen Missverhältnis zu den Vergleichskosten eines Taxis. Während der Mietdauer war der Porsche 241 Kilometer gefahren worden. Das seien rund 40 Kilometer pro Tag, so die richterliche Rechnung. Aufgrund der hohen Mietkosten sei die Grenze, ab der Ersatz verlangt werden könne, noch nicht erreicht.

Hätte das Unternehmen für die anstehenden Fahrten jedes Mal ein Taxi gerufen, hätten lediglich rund 500 Euro zu Buche gestanden, argumentierte das Gericht. Grundsätzlich hat der Geschädigte die Pflicht, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Wer seinen Mietwagen beispielsweise im Schnitt täglich nur 20 Kilometer fährt, hat keinen Anspruch auf die Erstattung der Mietwagenkosten, entschied das Landgericht Baden-Baden. Die Rechtsprechung verlangt auch, dass der Verkehrsunfallgeschädigte die Mietwagenpreise vergleichen und eine günstige Variante wählen muss.

Vorsicht vor hohen Unfallersatztarifen der Autovermieter

Diese Aufforderung geschieht nicht ohne Grund. Viele Autovermieter berechnen einen speziellen Unfallersatztarif, der den Normalpreis um 100 Prozent oder mehr übersteigen kann. Die KFZ Versicherung muss die überhöhten Preise nur bezahlen, so ein Urteil des Bundesgerichtshofs, wenn der Autovermieter den höheren Tarif im Einzelfall begründen kann.

Wer nach einem Unfall auf einen Mietwagen verzichtet, kann auch Bargeld in Form des sogenannten Nutzungsausfalls erhalten. Abhängig vom eigenen Wagen leisten die Assekuranzen dann einen festen Tagessatz nach Schwacke. Ist das Auto nur noch Schrott wert, wird trotzdem entweder Mietwagen oder Nutzungsausfall bezahlt – so lange, wie durchschnittlich der Kauf eines gleichwertigen Fahrzeugs dauert.

(srh)

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