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Leistung bei grober Fahrlässigkeit: Musterquoten für Versicherer

08.03.2010 - 21:54

Wer als Autofahrer aufgrund von grob fahrlässigem Verhalten einen Unfall verursacht, wird alles andere als eine unkomplizierte Schadenregulierung durch seinen Kfz-Versicherer erwarten können. Je nach Grad seines Verschuldens muss der Versicherte einen Teil des Schadens aus eigener Tasche bezahlen. Nun hat der Deutsche Verkehrsgerichtstag Musterquoten eingeführt, um den Kfz-Versicherern eine Orientierung bei der Regulierung zu geben.

Vor der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (2008) konnten Autofahrer beim Tatbestand der groben Fahrlässigkeit nicht mit der Leistung ihrer Kfz-Versicherung rechnen. Diese Zeiten sind vorbei. Im Zuge der Reform wurde das “Alles-oder-Nichts-Prinzip” abgeschafft. Nun wird zwischen Fahrlässigkeit, grober Fahrlässigkeit und Vorsatz unterschieden. Hat der Versicherte fahrlässig gehandelt, ist seine Kfz-Versicherung zu voller Leistung verpflichtet. Beim Vorwurf des Vorsatzes ist der Versicherer nach wie vor leistungsfrei. Die grobe Fahrlässigkeit des Versicherungsnehmers unterliegt einer Quotenregelung. So hängt die Leistung der Versicherungsgesellschaft von der Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers ab.

Ein Versuch in Richtung Objektivität

Aber genau diese Regelung führt immer wieder zu erheblichen Konflikten zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer und endet nicht selten vor Gericht. Wie hoch ist die Leistung des Versicherers und welchen Anteil muss der Versicherte selbst tragen? Das Problem: Bislang fehlte es an der Einigung auf eine einheitliche Quote. Daher hat der Deutsche Verkehrsgerichtstag nun Musterquoten festgelegt, die die Regelung bei grober Fahrlässigkeit transparenter machen sollen. Sie sind jedoch lediglich eine Empfehlung für die Leistungshöhe bei solchen Schadenfällen.

Musterquoten als Richtschnur

Ausschlaggebend ist der Grad der groben Fahrlässigkeit. Kommt es zu einem Unfall, weil der Versicherungsnehmer bspw. ein Stop-Schild missachtet hat, muss die Versicherung laut Musterquote 75% des Schadens bezahlen. Überfährt er hingegen eine rote Ampel und verursacht einen Crash, muss seine Kfz-Versicherung nur 50% des Schadens übernehmen. Von grober Fahrlässigkeit ist auch die Rede, wenn der Versicherte es Autodieben allzu leicht macht. Die ist z.B. der Fall, wenn er den Autoschlüssel stecken lässt und das Fahrzeug entwendet wird. Hier wird der Versicherungsnehmer mit ganzen 75% zur Kasse gebeten.

Überhaupt keinen Spaß verstehen die Versicherer bei Drogen und Alkohol. Für Vergehen mit einem Blutalkoholwert von 0,3 bis 0,5 Promille gibt es keine einheitliche Regelung. Bei 0,5 bis 1,1 Promille schlägt die Musterquote den Versicherern eine 50 prozentige Leistung vor, ab 1,1 Promille kann die Kfz-Versicherung die Leistung vollständig verweigern. Für Fahrten im Drogenrausch gilt entsprechendes.

“Ausschluss des Vorwurfs der groben Fahrlässigkeit” ist kein Freibrief

Viele Versicherungsunternehmen haben auf die Neuerungen im VVG reagiert und bieten gegen eine höhere Prämie ihren Kunden Tarife an, in denen der “Vorwurf der groben Fahrlässigkeit” ausgeschlossen ist. Eine derartige Verankerung in der Police soll dabei aber nicht als Freibrief für unvorsichtiges Verhalten im Straßenverkehr verstanden werden. Das Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss sowie ein mitverschuldeter Diebstahl ziehen nach wie vor eine verminderte oder gar verweigerte Leistung der Versicherungsgesellschaft nach sich.

(sg)

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