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Kfz Versicherung: Beifahrer muss Müdigkeit des Fahrers abschätzen

15.02.2011 - 12:22

In vielen Fällen lassen sich Verkehrsunfälle auf die Müdigkeit des Fahrers zurückführen. Sollten bei dem Unglück auch Beifahrer zu Schaden kommen, ist in Hinblick auf eventuelle Schadenersatzforderungen an die gegnerische Kfz Versicherung die Frage zu klären, ob die Mitfahrer von der Ermüdung des Fahrers wussten.

Hatten diese Kenntnis vom Schlafmangel des Autofahrers, begaben sie sich damit aus Sicht der Kfz Versicherung wissentlich in eine Gefahrensituation – und haben entsprechend auch keinen Anspruch auf Schadenersatz von der Haftpflicht des Fahrers. Waren sich die Beifahrer über den Zustand des Fahrzeugführers hingegen nicht im Klaren, muss dessen Kfz Versicherung auch für die Schäden der Beifahrer aufkommen. Dies geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts in Frankfurt am Main vom November 2010 hervor.

Im konkreten Fall verursachte ein Autofahrer auf dem Heimweg von einem Musikfestival einen Autounfall, bei welchem sich sein Beifahrer schwere Verletzungen zuzog. Die Kfz Versicherung des Unfallverursachers weigerte sich jedoch, dem geschädigten Beifahrer ein Schmerzensgeld zu zahlen. Die Assekuranz argumentierte dahingehend, dass der Beifahrer sich der akuten Müdigkeit des Fahrers bewusst gewesen wäre und er somit einen eventuellen Verkehrsunfall in Kauf genommen hätte. Da der Mitfahrer somit eine Teilschuld an seinen Verletzungen habe, wollte die Kfz Versicherung auch nur eine anteilige Ersatzleitung erbringen.

Die Richter des OLG Frankfurt urteilten jedoch anders: Eine selbstverschuldete Gefährdung des Beifahrers liegt nach Ansicht des Gerichts nur dann vor, wenn er in ein Fahrzeug einsteigt, trotzdem der Fahrer offensichtlich fahruntüchtig ist beziehungsweise er von dessen Beeinträchtigung durch Müdigkeit weiß. Hier muss vom Schadenverursacher respektive von dessen Kfz Versicherung bewiesen werden, dass der Beifahrer diesen Umstand hätte erkennen müssen. Im vorliegenden Fall kamen die Richter nach der Zeugenbefragung zu der Überzeugung, dass bei dem Beifahrer kein Mitverschulden an den erlittenen Verletzungen vorliegt.

Jedoch gab das Gericht auch zu bedenken, dass es sich bei solchen Rechtsstreitigkeiten immer um Einzelfälle handelt, die entsprechend einzeln zu bewerten seien. Beispielsweise gäbe es keine objektiven Richtwerte dazu, wann ein Fahrer aufgrund von Müdigkeit nicht mehr fahrtüchtig ist. Zumal das individuelle Schlafbedürfnis von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. In diesem Fall musste die Kfz Versicherung den vollen Schadenersatz für den Beifahrer leisten.

(tei)

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