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Navi löst Geisterfahrt aus

11.03.2014 - 10:00

In Autos zieht immer mehr Technik ein. Sie soll Autofahren für alle sicherer machen. Doch nicht immer ist auf die Technik Verlass. Wer hinter dem Steuer einfach das Gehirn ausschaltet und ihr blind vertraut, kann böse überrascht werden. Diese Erfahrung musste dieser Tage ein 75-jähriger Fahrer machen.

Geisterfahrer auf der Autobahn
Medienberichten zufolge ließ er sich von seinem Navi leiten. Doch das Gerät war offenbar nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, wie Versicherungswirtschaft heute berichtet. Der Mann war in Niederbayern nahe Steinach unterwegs, als die freundliche Navi-Stimme ihm empfahl, sich links einzuordnen. Der Fahrer tat, wie im geraten - und raste in den Gegenverkehr.

Einer der entgegenkommenden Autofahrer konnte dem Falschfahrer nicht mehr ausweichen - es kam zum Frontal-Crash. Die fünf Insassen beider Fahrzeuge überlebten den Zusammenstoß, wurden jedoch alle verletzt und mussten in umliegenden Krankenhäusern behandelt werden. Der Unfallort war für mehrere Stunden voll gesperrt.

Polizei vermutet veraltetes Kartenmaterial als Ursache

Ein Sprecher der zuständigen Polizeistelle stellte die Vermutung an, das veraltete Navigationsgerät habe zu dem katastrophalen Fahrfehler des 75-Jährigen geführt. Dennoch kann der Fahrer die Schuld nicht auf die Technik schieben. Denn jeder Autofahrer trägt die Hauptverantwortung für sein Handeln im Straßenverkehr und kann daher bei einem Fehlverhalten auch entsprechend zur Verantwortung gezogen werden.

Lediglich rund 80 Unfälle pro Jahr gehen auf das Konto von Falschfahrern. Das geht aus einem Bericht des Bundesverkehrsministeriums aus dem Jahr 2012 hervor. Doch wenn es kracht, sind die Folgen für die Beteiligten meist verheerend. Daher wird seit längerem darüber diskutiert, mit welchen Maßnahmen Falschfahrten künftig verhindert werden können.

An Vorschlägen zur Abwehr von Geisterfahrern mangelt es nicht

Anti-Falschfahrer-Plakat

Vorschläge gibt es genügend: Warnschilder an den Auf- und Abfahrten der Autobahnen, Metallkrallen im Asphalt, Überwachung des Straßennetzes mittels Radar. Doch diese Lösungen sind teuer, ihr Wirkungsgrad unklar. Einen weiteren Schutz-Ansatz haben Studenten der Technischen Universität Clausthal in Zusammenarbeit mit Software-Ingenieuren entwickelt.

Die Idee: eine Geisterfahrer-Warn-App. Sie könnte auf jedem Smartphone installiert werden. In der Theorie sendet das Programm in kurzen Intervallen die Position von Fahrer und damit Fahrzeug per GPS in die Welt. Eingefangen werden sollen die Positionsdaten von den Notrufsäulen.

Idee Falschfahrer-App: Das Handy als Aufpasser und Warner

Davon stehen über 16.000 Stück entlang deutscher Autobahnen. Sie könnten, so der Projektverantwortliche Andreas Rausch, kostengünstig mit einem Funksystem ausgestattet werden und die empfangenen Daten an eine Zentrale weiterleiten, wo die gesammelten Informationen ausgewertet werden. Wird anhand der eingehenden Daten ein Falschfahrer erkannt, würde das System Alarm schlagen - und alle Autofahrer im Umkreis von 50 Kilometern über die App warnen - inklusive des Geisterfahrers.

Das ist eine schöne Idee - zumal die Zahl der Smartphone-Nutzer permanent steigt. Doch setzt sie unter anderem voraus, dass der Großteil der Fahrer die App installiert und die Handys ständig empfangsbereit geschaltet sind. Außerdem ist die Zukunft der Notrufsäulen fraglich. Ihre Zahl nimmt seit Jahren ab. Denn mit zunehmender Verbreitung von Mobiltelefonen können Autofahrer in Not auch über das Smartphone Hilfe holen.

Zudem soll ab 2015 in ganz Europa eCall in alle Neuwagen Einzug halten. Das automatische Notrufsystem greift bei Unfällen und alarmiert selbstständig eine Rettungsleitstelle mit allen wichtigen Fahrzeugdaten. Denkbar wäre jedoch, eCall auch für die Geisterfahrerabwehr zu nutzen. Dafür müssten die in den Pkw verbauten Geräte jedoch permanent Fahrzeugdaten übermitteln - und dies ist nach den derzeitigen Plänen unter anderem aus datenschutzrechtlichen Bedenken nicht vorgesehen.

(srh)

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