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Autocorso während der Fußball-WM-2014: nicht alles ist erlaubt

17.06.2014 - 18:00

Am gestrigen Montag war das Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien. Souverän fegten die deutschen Kicker die portugiesische Elf mit 4:0 vom Platz. Den Erfolg feierten hernach 100.000 Fußballfans in der Heimat. Hupend ging es vielerorts im Autocorso durch die Innenstadt. Doch ist das überhaupt erlaubt? Was sagen Polizei und Kfz-Versicherung zum motorisierten Fußball-Feiern?

Grundsätzlich verboten sind Autocorsos nicht. Die Polizei bezeichnet dies als Kraftfahrzeugverband. Allerdings muss der Veranstalter so eine Ausfahrt im Vorfeld bei der zuständigen Verkehrsbehörde anmelden. Das schreibt die Straßenverkehrsordnung (StVZO) in § 29 vor. Eine spontane Ausfahrt von Fußballfans nach einem gewonnenen Match ist demnach illegal. Die Gesetzeshüter drücken bei Großereignissen wie einer Fußball-WM aber ein Auge zu.

Das trifft auch auf das Hupkonzert zu, das zu einem Autocorso einfach dazugehört. Die Hupe ist eigentlich nur als Warnsignal gedacht – und nicht dazu da, die Freudenschreie von Fußballfans noch zu übertönen.

Zahlreiche Fußball-WM-Artikel für das Auto

Feiernde Fußballfans im Auto.
Wer ein echter Fan seiner Fußballmannschaft ist, hat seinen Wagen derzeit auch entsprechend in den Landesfarben „eingekleidet“. Angesagt sind Überzieher für die Außenspiegel. Die sind aber nur gesetzeskonform, wenn der vordere Blinker dadurch nicht verdeckt ist. Denn: In modernen Fahrzeugen ist die Blinkanlage oft in den Außenspiegeln verbaut.

 

Auch Fahnen gehören zur Fan-Grundausstattung. Im Auto stellen sie beispielsweise auf dem Armaturenbrett und der Hutablage kein Problem dar. Sie dürfen nur nicht die Sicht des Fahrers während der Fahrt versperren. Wer sich als Fahnenschwenker betätigen will, sollte auch einiges beachten: Über dem Auto stört das Banner den Gesetzgeber nicht. Auch nach hinten darf der Stoff bis zu einem Meter über das Heck des Fahrzeugs hinausragen. Tabu ist es hingegen, wenn die Fahne über die seitlichen Abmessungen des Autos hinaushängt oder geschwenkt wird.

Fähnchen in den Seitenscheiben ab 50 km/h abnehmen

Allgegenwärtig sind zudem Ansteckfähnchen für die Seitenscheiben. Ausgelegt sind die Gadgets jedoch nur für Fahrgeschwindigkeiten bis 50 km/h, so der TÜV Süd. Bricht eine Fahne beispielsweise bei zu schneller Fahrt ab, haftet der Fahrer beziehungsweise Halter für etwaige Schäden.

 

Schluss mit lustig ist es beim Kfz-Versicherer, wenn der Fahrer neben einer Fahne im Auto auch selbst eine solche hat. Die Kasko ist in einem dadurch bedingten Schadensfall haftungsbefreit, die Kfz- Haftpflichtversicherung kann den Schuldigen in Regress nehmen.

Die Kfz-Versicherer sehen den Fahnen-Trend nicht gerne. Der Grund: Die Seitenscheiben schließen aufgrund der eingesteckten Fähnchen nicht mehr vollständig. Wird dadurch der Fahrzeugdiebstahl erleichtert, kann die Teilkasko dies dem Versicherten als grobe Fahrlässigkeit auslegen. Und dies kann Leistungsabzüge bei der Schadensregulierung nach sich ziehen. Auf der sicheren Seite hingegen sind Kaskokunden, die vertraglich den sogenannten Einwand der groben Fahrlässigkeit ausgeschlossen haben.

Vollkasko haftet bei Autoschäden durch unbekannte Fußballfans

Abgesichert gegen Fahrzeugschäden sind Inhaber einer Vollkaskoversicherung. Die Versicherung greift auch, wenn der Halter im Rahmen des Autocorsos Schrammen oder Beulen in sein Fahrzeug macht. Kann der Schuldige für die Beschädigung im WM-Fieber nicht ausfindig gemacht werden, reguliert eine Vollkasko auch diese Schäden. Doch Vorsicht: Dann kann es zu einer Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse  und entsprechend höheren Kfz-Versicherungsbeiträgen im folgenden Versicherungsjahr kommen.

 

Werden Mitfahrer beim Autocorso verletzt, haftet normalerweise die Kfz-Haftpflicht für den Wagen. Aber:  Hat sich der Fan dabei nicht an die Verkehrsregeln gehalten (zum Beispiel nicht angeschnallt, aus dem Seiten- oder Dachfenster gelehnt, auf der Motorhaube mitgefahren), trägt er eine Mitschuld an seinen Verletzungen – und die Versicherung reduziert den Schadensersatzanspruch entsprechend.

(srh)

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