0800 - 24 24 123 Hilfe und Kontakt
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

EU-Gremium will ab 2017 strengere Ermittlung des Kraftstoffverbrauchs

15.06.2013 - 12:00

Wer sich ein Fahrzeug zulegt, ist oft nach den ersten Kilometern und dem Besuch der Tankstelle überrascht: Auch bei "normaler" Fahrweise schluckt der Wagen deutlich mehr als vom Hersteller angegeben. Sind wir alle Möchtegern-Schumis, die nur eines kennen: Bleifuß? Nein, die Werte der Hersteller sind unter Alltagsbedingungen in vielen Fällen einfach nicht realisierbar. Denn sie wurden unter Idealbedingungen im Labor erzeugt.

Ermittelt werden die Traumwerte seit 1996 auf Grundlage des Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ), den jedes neue Modell durchlaufen muss. In knapp 20 Minuten meistert das Auto auf dem Prüfstand einen City-Parcours (780 Sekunden) sowie eine Überlandfahrt (400 Sekunden). Aus den hierbei ermittelten Abgaswerten wird dann der Kraftstoffverbrauch errechnet. Dabei kommen zum Beispiel spezielle rollwiederstandsarme Reifen mit enormem Luftdruck zum Einsatz, die Kraftstoff ziehende Lichtmaschine wird für den Test abgekoppelt und der Wagen wird solange "gestripped" (entkernt), bis er nur noch das Minimalgewicht hat.

Weitere beliebte Methoden, um den Kraftstoffverbrauch so gering wie möglich zu halten: Alle Lufteinlässe und sonstigen "Gefahrenquellen" wie Türschlitze, die die Aerodynamik negativ beeinträchtigen können, werden sorgsam abgeklebt. Nun jedoch regt sich in Brüssel Widerstand gegen das Verfahren sowie die Tricks der Automobilhersteller und die daraus abgeleiteten Sprithochrechnungen.

Verbrauchszyklus WLTP soll Auto-Realität besser abbilden

Wie das Branchenmagazin Automobilwoche berichtete, schlägt der Umweltausschuss des EU-Parlaments vor, den Autoherstellern ab 2017 einen realitätsnäheren Verbrauchszyklus vorzuschreiben. Zum Einsatz soll danach das sogenannte World Light Duty Test Procedure (WLTP) kommen. Das alternative Verfahren zur Bestimmung des Spritverbrauchs beinhaltet im Vergleich zum bisherigen Standard mehr Beschleunigungsphasen. Auch der Autobahnanteil mit höheren Geschwindigkeiten ist umfangreicher. Dies soll helfen, den realen Kraftstoffbedarf für den Autofahrer besser abzubilden.

Auch der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zufolge weichen die Herstellerangaben seit Jahren immer stärker von der Realität ab. Sie hat auf Basis des ADAC-Eco-Tests bei Fahrzeugen Abweichungen zwischen Norm- und Realverbrauch von bis zu 42 Prozent festgestellt. Die DUH fordert deshalb die Politik auf, zu handeln und die Treibstoffangaben der Autobauer bei Bedarf behördlich unter realen Bedingungen nachmessen zu lassen.

Automobilverband ist dagegen, ADAC dafür

Noch ist in Sachen neuer Testzyklus nichts in trockenen Tüchern, der Europäische Rat muss dem Vorschlag aus dem EU-Umweltausschuss noch zustimmen. Doch schon kommt Gegenwind aus den Reihen der Autobauer. Dem Verband der Automobilindustrie (VDA) geht das Ganze viel zu schnell. Grundsätzlich hat der VDA gegen eine Umstellung zwar nichts einzuwenden, plädiert jedoch für eine spätere Umstellung auf WLTP.

Der ADAC als Interessenvertretung der Fahrzeuglenker befürwortet hingegen einen baldigen Wechsel bei der Ermittlung des Spritverbrauchs. Die Autofahrer hätten ein Recht darauf zu erfahren, was ihr Auto tatsächlich verbrauche, sagte der Vizepräsident des Clubs, Thomas Burkhardt, gegenüber dem Blatt.

Während der Kraftstoffverbrauch in Form des CO2-Ausstoßes bei der Berechnung der Kfz-Steuer von Bedeutung ist, spielt er bei der Kfz-Versicherung keine direkte Rolle. Doch auch  bei der Versicherungspolice können Autofahrer durch geschicktes Vergleichen viel Geld sparen. Schnell, unkompliziert und unverbindlich gelingt dies mit dem Kfz-Versicherungsrechner von CHECK24.

(srh)

Weitere Artikel: