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BGH: Kfz-Versicherung darf auf günstigere Werkstatt verweisen

07.08.2013 - 12:00

Das Vorgehen ist gängige Praxis: Nach einem unverschuldeten Unfall verlangt der Autofahrer die theoretisch anfallenden Reparaturkosten auf der Grundlage eines Kfz-Gutachtens von der gegnerischen Versicherung. Ob der Unfallschaden tatsächlich instand gesetzt wird und von wem, spielt keine Rolle. Strittig ist in solchen Fällen jedoch oft die Höhe der veranschlagten Werkstattkosten. Der Bundesgerichtshof hat nun in einem Urteil die Position der Kfz-Versicherungen gestärkt.

Konkret mussten die Bundesrichter entscheiden, wann eine Assekuranz den geforderten monetären Ausgleich mit einem Verweis auf günstigere Kfz-Werkstätten kürzen darf. Darüber hatten sich ein Autofahrer und die zuständige Versicherung des Unfallverursachers weder außergerichtlich noch über alle rechtlichen Instanzen hinweg einigen können.

Was war geschehen? Nach einem Unfall reparierte der klagende Autofahrer den Schaden an seinem Wagen selbst. Auf der Grundlage eines Sachverständigengutachtens machte er den Unfallschaden dann gegenüber der gegnerischen Kfz-Versicherung geltend. Diese fiktive Abrechnung ist durchaus üblich. Allerdings war der Gesellschaft die in der Expertise genannte Schadenssumme zu hoch.

Gegengutachten kommt auf niedrigere Reparaturkosten

Die Assekuranz ließ ein eigenes Gutachten anfertigen. Dieses kam unter anderem auf geringere Stundensätze bei der Kfz-Werkstatt und somit auch auf insgesamt günstigere Instandsetzungskosten. Deshalb kürzte die Kfz-Versicherung den verlangten Betrag entsprechend.

Der Autofahrer fühlte sich geprellt und zog vor Gericht. In der ersten Instanz konkretisierte die beklagte Versicherung ihre zuvor vage Aussage der günstigen Werkstatt-Stundensätze - und nannte Namen geeigneter Werkstätten, die den Unfallschaden auch tatsächlich zu den im Gutachten der Gesellschaft ausgewiesenen Preisen repariert hätten.

Klagender Autofahrer bereits in den Vorinstanzen erfolglos

Dies reichte dem angerufenen Amtsgericht Bremerhaven aus, es wies die Klage des Autofahrers ab. Dieser klagte weiter - ohne Erfolg. Sowohl das Landgericht Bremen als auch der Bundesgerichtshof bestätigten das Vorgehen der Versicherung. Gerade bei der fiktiven Schadenabrechnung, der keine konkrete Rechnung einer Werkstatt zugrunde liegt, reicht es danach aus, wenn die Kfz-Versicherungsgesellschaft noch während eines Rechtsstreits Vergleichswerkstätten nennt, die die Reparatur theoretisch zum Bezugspreis ausführen würden.

Dies bedeutet vereinfacht: Da sich der Autofahrer auf ein Gutachten stützt, dass die Kosten einer fiktiven Reparatur beziffert, muss er auch ein ebenfalls objektives, günstigeres  Gegengutachten akzeptieren.

Wer dagegen einen Unfallschaden tatsächlich in einer Werkstatt reparieren lässt und die Rechnungen einreicht, sollte dagegen auch künftig keine Probleme haben, das Geld von der Kfz-Versicherung erstattet zu bekommen.

(srh)

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