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EU-Parlamentarier segnen eCall ab

23.04.2014 - 14:52

Die EU-Parlamentarier in Straßburg haben den eCall-Sack am Dienstag vergangener Woche zugemacht und den verbindlichen Einbau des automatischen Notrufsystems in allen Neuwagen ab Oktober 2015 beschlossen. Das Ob stand eigentlich nicht mehr zur Debatte, dazu waren die Signale in den vergangenen Monaten zu eindeutig. Lediglich beim Wie gab es noch Klärungsbedarf.

Automatischer Notruf nach schwerem Unfall - eCall
Die Abgeordneten der EU-Mitgliedstaaten sprachen sich für einheitliche Standards und eine Zertifizierung für die Notrufgeräte aus. Nun geht der Spielball an die einzelnen Staaten zurück. Auf nationaler Ebene muss dafür gesorgt werden, dass
  • die entsprechende Infrastruktur für eCall geschaffen wird
  • der Dienst allen Fahrern kostenlos zur Verfügung gestellt wird
  • die Autobauer entsprechende Geräte in ihre Neuwagen einbauen

eCall-Boxen kosten Autobauer je rund 100 Euro

Die Blackbox im Auto wird die Automobilhersteller Medienberichten zufolge rund 100 Euro kosten. Das Thema Datenschutz beschäftigte die EU-Parlamentarier bis zuletzt. Wie viele und vor allem  welche konkreten Informationen brauchen die Retter künftig? In Straßburg sprachen sich die Volksvertreter für eine Minimallösung aus. Künftig sollen den Leitstellen nach einem Verkehrsunfall per eCall lediglich diese Daten übermittelt werden:
  • Fahrzeugtyp
  • Position
  • Fahrtrichtung
  • Treibstoffart
  • Unfallzeitpunkt
  • Anzahl der angelegten Sicherheitsgurte

Automatischer Notruf soll nur nach einem Autounfall Daten senden

Alarm schlagen soll das automatische Notrufsystem auch nur im Notfall – etwa wenn Airbags ausgelöst wurden. Damit wollen die Abgeordneten verhindern, dass Unbefugte – beispielsweise die Autohersteller oder Kfz-Versicherungen – permanent auf die Fahrzeugdaten zugreifen können und sie für ihre Zwecke und im Zweifel gegen den Verbraucher oder zumindest zu seinem Missfallen verwenden.

 

Neben Pkw soll eCall künftig auch in landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen, Lieferwagen und Motorrädern verbaut werden. Lkw sind davon ausgenommen. Hintergrund der Einführung des automatischen Notrufsystems ist das Kalkül, die Zahl der Unfalltoten deutlich zu reduzieren.

Angepeilt wird eine Halbierung der 2012 rund 28.000 Verkehrstoten innerhalb der EU bis zum Jahr 2025. Dies soll vor allem durch die mit eCall erreichbare starke Verkürzung der Zeitspanne zwischen Unfall und Rettungsmaßnahmen möglich werden. Denn bei einem schweren Verkehrsunfall sendet das System in Zukunft die notwendigen Daten via Funk automatisch an eine Leitstelle, deren Mitarbeiter sogleich  Hilfsmaßnahmen einleiten und koordinieren.

Viele Automobilhersteller bieten bereits heute eigene Notrufsysteme an

Für Modelle zahlreicher Automarken bieten die Autobauer den Kunden vergleichbare Systeme bereits aktuell als Fahrzeugausstattung an. Dazu gehören laut einem Onlinebericht der Süddeutschen Zeitung etwa die deutschen Autohersteller BMW und Mercedes, aber auch Ford, Volvo, Peugeot, Citroën, und General Motors (GM) haben eigene Notrufsysteme im Programm.

 

Meist sind diese bisher standardmäßig jedoch nur in den Top-Modelllinien verbaut – und ansonsten nur gegen Aufpreis als Sonderzubehör zu bekommen. Zudem kann das Notrufsystem in den meisten Fällen auch als Pannenservice genutzt werden und dient als Peilsender im Fall eines Autodiebstahls.

Bei Volvo kann sogar per Fernzugriff der Motor des Wagens abgeschaltet werden. Bei Modellen aus dem Hause GM lässt sich der Dienst auch für „Sesam öffne dich“ einsetzen: Hat sich der Fahrer ausgesperrt, kann er eine Hotline anrufen – deren Mitarbeiter öffnen die Autotüren aus der Ferne.

(srh)

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