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Autofahren ohne Sicherheitsgurt: bei Unfall droht Mithaftung

06.07.2013 - 12:00

Die generelle Anschnallpflicht im Pkw besteht in Deutschland seit 1976 für alle Insassen. Ab August 1984 wurde der Verzicht auf den Gurt auch geahndet: 40 D-Mark wurden fällig. Die Pflicht ist in §21a der Straßenverkehrsordnung festgeschrieben. Doch noch immer gibt es sie: unverbesserliche Gurtmuffel. Unpraktisch, einschneidend, freiheitsberaubend - wer ohne fährt, hat viele Ausreden. Doch die zählen nicht.

Denn die Sicherheitsgurte im Wagen kommen nicht von ungefähr. Sie sorgen maßgeblich dafür, dass die Zahl der Unfalltoten - gemessen an den zugelassenen Autos - seit Jahren zurückgeht. Ist der Gurt nicht angelegt und es kracht, bedeutet das für die Insassen auch heute noch meistens: Game over. Und dies, obwohl die Karossen immer sicherer werden und immer mehr Sicherheitstechnik im Fahrzeug verbaut wird.

Fahren ohne Gurt kostet 30 Euro

Wer heutzutage von der Polizei ohne Gurt erwischt wird, kann was erleben. Die Standpauke gibt es gratis. Außerdem kostet der Spaß 30 Euro. Einen Punkt in Flensburg spendieren die Ordnungshüter dagegen nur, wenn Kinder nicht vorschriftsmäßig angeschnallt sind oder der Kindersitz fehlt. Dann fällt auch das Bußgeld mit bis zu 50 Euro noch ein wenig üppiger aus. Ein Fahrverbot droht dem Pkw-Lenker aber nicht.

Doch damit nicht genug. Auch der Kfz-Versicherungsschutz ist für Gurtverweigerer gefährdet. Werden sie unverschuldet in einen Unfall verwickelt, haftet normalerweise die Kfz-Haftpflicht des Unfallverursachers für alle Schäden. Doch das gilt nicht, wenn beispielsweise anhand der Verletzungen des Unfallopfers nachgewiesen wird, dass dieses zum Unfallzeitpunkt nicht angeschnallt gewesen war.

 Wer gurtlos fährt, haftet mit

Sind die Verletzungen umfangreicher, weil der Sicherheitsgurt nicht helfend eingreifen konnte, geht die Rechtsprechung von einem Mitverschulden des Geschädigten aus. Das kann dazu führen, dass die gegnerische Kfz-Versicherungsgesellschaft dessen Ansprüche - etwa Schmerzensgeld oder ein Verdienstausfall - nicht voll anerkennt und ihre Leistungen um bis zu 50 Prozent kürzen darf.

Unter bestimmten Umständen können sich Autofahrer jedoch von der allgemeinen Anschnallpflicht befreien lassen. Liegen zum Beispiel gesundheitliche Gründe vor, kann ein entsprechendes ärztliches Attest bei der jeweiligen Gemeinde vorgelegt werden. Diese stellt dann nach Prüfung eine Befreiung aus. Erwachsene, die kleiner als 1,50 Meter sind, können sich ebenfalls befreien lassen.

(srh)

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