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Problem Alkoholfahrt - strengere Bestimmungen in Polen

16.02.2014 - 12:00

In Polen gilt für Autofahrer eine strenge Alkoholobergrenze  von 0,2 Promille. Das hält viele Polen jedoch nicht davon ab, trotzdem tief ins Glas zuschauen und sich dann betrunken hinters Steuer zu klemmen - teils mit fatalen Folgen. Nach einem dramatischen Verkehrsunfall, der die Öffentlichkeit aufrührt, handelt die Politik und greift in Sachen Alkohol am Steuer hart durch.

Alkohol am Steuer
Sechs Tote, zahlreiche Verletzte, die in Krankenhäusern behandelt werden mussten: Das ist die Bilanz eines schweren Unfalls, den ein betrunkener Autofahrer im polnischen Ort Kamién Pomorski an der Ostsee zu verantworten hat. Er raste mit seinem Fahrzeug in eine Gruppe Spaziergänger. Sie hatten keine Chance.

Das Alkoholproblem im Straßenverkehr ist bekannt, immer wieder wird auch lokale Prominenz mit ordentlich Standgas erwischt. War es früher vor allem der billige Wodka, steigen laut Süddeutsche Online immer mehr Polen auf Bier, Wein und Whisky um. Auch in Deutschlands Nachbarstaat ist vor allem unter jungen Erwachsenen Komasaufen angesagt - die Alkohol-Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch, das hochprozentige Nass vergleichsweise billig zu haben.

Polens Ministerpräsident Donald Tusk reagierte auf den jüngsten Alkohol-Vorfall und strengte schärfere Gesetze an. Das Kabinett beschloss daraufhin unter anderem höhere Strafen für Alkohol-Sünder, den rascheren Führerscheinentzug sowie die Veröffentlichung der Alkoholfahrer.

Ab 2015 ist ein Alkomat im Auto Pflicht

In jedem Auto muss außerdem ab 2015 ein Alkomat mit an Bord sein. Mit dem Schnelltest sollen die Fahrer vor Fahrantritt ermitteln, ob sie laut Gesetz überhaupt noch den Zündschlüssel umdrehen dürfen. Zwingend vorgeschrieben ist das künftige Blasen vor jeder Fahrt bis dato aber nicht.

Das Thema Alkohol am Steuer ist auch in anderen Ländern immer wieder ein Aufreger. So sorgte beispielsweise die irische Grafschaft Kerry Anfang 2013 international für Schlagzeilen. Die dortige Bezirksverwaltung initiierte damals eine Gesetzesänderung an das Justizministerium in Dublin, die den einsamen Einwohnern der Region das Autofahren nach dem Saufen im Pub erlaubt hätte.

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Begründung: Der Pub sei das Zentrum dörflichen Lebens in den irischen Weiten. Und zu einem Pub-Besuch gehörten ein paar Pints Guinness einfach dazu. Problem nur: In Irland gilt eine Promillegrenze von 0,5. Die Kneipenbesucher könnten deshalb nach dem fröhlichen Zechen nicht mehr legal mit dem Wagen zurück auf ihre entlegenen Bauernhöfe fahren - sie blieben deshalb zu Hause und würden vereinsamen. Doch die Entscheider in der Hauptstadt blieben stur - die Obergrenze von 0,5 Promille gilt weiterhin für alle Autofahrer auf der grünen Insel.

Promillegrenzen auch in Deutschland

Auch in Deutschland gilt bei Alkohol am Steuer eine 0,5-Promillegrenze. Seit 2007 müssen Fahranfänger in der Probezeit sowie alle Fahrer unter 21 Jahren sogar ganz sauber bleiben. Wen die Polizei mit zu viel Alkohol im Blut erwischt, hat Sanktionen zu fürchten.

Eine Blutalkoholkonzentration über 0,5 Promille gilt als Ordnungswidrigkeit, was mit einem Bußgeld, Punkten in Flensburg  und Fahrverbot geahndet wird. Spätestens ab einem Wert von 1,1 Promille ist der Fahrer absolut fahruntüchtig. Er macht sich wegen Trunkenheit im Straßenverkehr strafbar, die Fahrerlaubnis wird unter anderem entzogen und für mehrere Monate gesperrt. Ab 1,6 Promille ordnen die zuständigen Behörden zudem eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) an.

Kfz-Versicherung haftet bei Schaden unter Alkoholeinwirkung nicht

Kommt es betrunken zu einem Unfall, ist zudem der Versicherungsschutz der Kfz-Versicherung eingeschränkt. Die Kfz-Haftpflicht übernimmt zwar Schäden, die der Versicherte unter Alkoholeinfluss mit dem Fahrzeug verursacht hat - kann ihn aber hinterher bis 5.000 Euro in Regress nehmen. Der Kaskoversicherer kann hingegen ganz von der Haftung befreit sein.

(srh)

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