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Gut gegurtet - 40 Jahre Anschnallpflicht in Deutschland

22.01.2014 - 14:00

Er ist ein echter Lebensretter, von den meisten akzeptiert, von wenigen gehasst oder konsequent ignoriert: der Gurt. In jedem Neufahrzeug ist er heute Standard, ohne ihn darf kein Wagen ausgeliefert und zugelassen werden.

Anschnallen im Auto ist Pflicht.
Seit 1976 ist das so. Erst seit den Siebzigern? Jawohl! Auch wenn Deutschland die Autofahrer-Nation ist oder sein will - angurten wurde lange Zeit als unanständig betrachtet. Seit 40 Jahren müssen Neufahrzeuge mit dem Haltesystem ausgestattet sein, zwei Jahre später kam dann die generelle Anschnallpflicht. Zu Beginn war die Bevölkerung nicht besonders begeistert von der neuen Regel. Sie wurde von vielen als Freiheitsberaubung betrachtet.

Psychologen hatten schnell eine Antwort parat. Der Gurt fördere durch seine Präsenz die Angst der Autofahrer vor den schlimmen Folgen von Unfällen - die wolle man doch aber gerade verhindern, fanden die Initiatoren der Studie Psychologische Forschung zum Sicherheitsgurt und Umsetzung ihrer Ergebnisse heraus.

Viele Verkehrsopfer in den 70er Jahren sorgen für Gurtpflicht

Die Verpflichtung zum Angurten der Autoinsassen kam damals nicht von ungefähr. Auf deutschen Straßen gab es 1970 insgesamt 21.300 Verkehrstote - Höchststand. Die Maßnahme hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. 2013 kamen laut Kraftfahrt-Bundesamt nur noch 3.290 Personen im Straßenverkehr ums Leben - und dies, obwohl das Verkehrsaufkommen in den vergangenen 40 Jahren nahezu um das Neunfache angewachsen ist.

Sicher, die positive Bilanz ist nicht allein dem Gurt zuzuschreiben. Airbag, verbesserter Aufprallschutz für Passanten und eine immer sicherere Fahrgastzelle sowie zahlreiche technische Sicherheitssysteme an Bord aktueller Autos tragen ihr Scherflein dazu bei. Dennoch ist der Sicherheitsgurt sicher die Nummer eins der konstruktiven Maßnahmen für die passive Sicherheit der Autoinsassen.

Sicherheitsgurt dämpft Folgen eines Aufpralls

Unfälle verhindern kann er zwar nicht, sehr wohl jedoch deren Folgen für die Betroffenen. Ohne Gurt würden die Passagiere unkontrolliert durch den Fahrgastraum und durch die Scheiben ins Freie geschleudert werden. Neben bösen Schnittwunden bedeutet das in vielen Fällen Genickbruch und Tod. Schon früh in der Automobilgeschichte war den Pionieren deshalb klar: Eine Gurtsicherung ist ein wirksamer Schutz bei Unfällen.

1903 erfanden sowohl Louis Renault (Fünf-Punkt-System) als auch Gustave-Désiré Leveau (Vier-Punkt-System) ein Gurtsystem fürs Auto. Auf Basis von Renaults Gurt entwickelte Nils Ivar Bohlin nach dem Zweiten Weltkrieg für Volvo den heute bekannten Drei-Punkt-Gurt. Als Luftfahrtingenieur machte er sich die Erfahrungen von Kampfpiloten zunutze. Diese verwendeten standardmäßig bereits während des Kriegs bei Lufteinsätzen in ihren Maschinen Gurte, die sie bei den schnellen Manövern fest in die Sitze pressten.

Erster serienmäßiger Einbau von Drei-Punk-Gurten bei Volvo

1959 verbaute Volvo den Gurt erstmals serienmäßig in einem Automodell. 1974 wurde der Einbau von Gurten für Fahrer und Beifahrer in Europa Pflicht, 1979 folgten die Gurte auch für den Fond von Fahrzeugen. 1976 setzte Deutschland die Gurtpflicht um. Allerdings war das Nicht-Tragen lange Zeit noch straffrei. Erst seit dem 1. August 1984 müssen Gurtmuffel ein Bußgeld berappen. Teuer wird es für sie jedoch auch aktuell nicht: 30 Euro kostet der Verstoß derzeit.

Aktuell liegt die Anschnallquote in Deutschland bei 95 Prozent. Damit sind die Deutschen Weltmeister im Gurtanlegen. Heute können in den Autos Gurte verschiedener Schutzklassen verbaut sein. Los geht es mit dem Zwei-Punkt-Gurt, der oft auf den hinteren Plätzen Anwendung findet. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich aber auch einen Sechs-Punkt-Gurt installieren.

Gurtgewebe muss extrem belastbar sein

Der Sicherheitsgurt besteht aus einem speziellen textilen Gewebe aus Polyesterfasern. Er ist extrem reißfest und zugleich elastisch, um das Körpergewicht bei einem Aufprall bestmöglich abzufangen. Denn: Schon bei einem Aufprall mit 50 km/h wirkt sich die Massenträgheit eines Körpers um das Zehnfach aus - bei einem 75 Kilogramm schweren Passagier muss der Gurt 750 Kilogramm auffangen. Damit dabei keine Organe gequetscht oder Knochen gebrochen werden, muss der Gurt optimal anliegen und möglichst sowohl die Bauch-und Beckenregion als auch den Brustbereich fixieren. Dafür sind die Gurte sowohl mit der Karosserie (zum Beispiel der B-Säule) als auch mit dem Sitz verbunden.

Oldtimer mit Baujahr vor 1970 brauchen keine Sicherheitsgurte. Der Grund: Bei ihnen ist die Karosserie in der Regel nicht dafür ausgelegt. Lkw-Fahrer müssen sich erst seit 1992 verpflichtend anschnallen, Passagiere in Reisebussen sogar erst seit 1999.

(srh)

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