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Deutsche Hundegesetze: Rechte und Pflichten des Hundehalters

26.07.2013 - 12:28

Da von Hunden eine Gefahr für Mensch und Tier ausgehen kann, ist die Hundehaltung in Deutschland gesetzlich geregelt. Die Gefahrenabwehr gehört zum Kompetenzbereich der Bundesländer. Dies ist der Grund, warum jedes Land seine eigenen Gesetze für das Führen und Halten von Hunden besitzt. Somit hängen die Rechte und Pflichten eines Hundehalters von seinem Wohnsitz ab. Doch selbst innerhalb eines Bundeslandes kann es Unterschiede geben.

Denn auch die Kommunen können in der Regel im Rahmen der Landes-Hundegesetze eigene Verordnungen erlassen, um die öffentliche Sicherheit zu erhöhen. Die Hundehalterpflichten hängen jedoch nicht nur vom Wohnort, sondern auch von der Hunderasse ab. Die meisten Landes-Hundegesetze unterscheiden zwischen Rassen, die von ihrem natürlichen Wesen her als aggressiv gelten (sogenannte Kampf- beziehungsweise Listenhunde) und gefährlichen Hunden.

Manche Hundeverordnungen differenzieren sogar nochmals zwischen Hunderassen, die unwiderlegbar als gefährlich gelten und Rassen, deren Gefährlichkeit so lange vermutet wird, bis der Hundehalter durch die Erbringung eines positiven Wesenstest das Gegenteil beweist. Kann ein Hundehalter eine bestandene Wesensprüfung nachweisen, finden die strengen Haltungsregeln (zum Beispiel Anlein-, Maulkorb- und Versicherungspflicht) für gefährliche Hunde keine Anwendung. Dies gilt zum Beispiel für Personen, die in Bayern oder Nordrhein-Westfalen einen American Bulldog halten. In Hessen hingegen gilt diese Rasse pauschal als gefährlich.

Gefährliche Hunde

Wann ein „normaler“ Hund als gefährlich gilt, definiert und entscheidet der Gesetzgeber. Gemäß den meisten Hundeverordnungen gelten Hunde als gefährlich, wenn sie bissig und angriffslustig sind, Menschen bedrohlich und grundlos anspringen oder andere Tiere unkontrolliert hetzen, beißen oder reißen. Auch Hunde, die auf „über das natürliche Maß hinausgehende Kampfbereitschaft, Schärfe oder auf andere gleich wirkende Zuchtmerkmale gezüchtet, ausgebildet oder abgerichtet wurden“, gelten meist als gefährlich. Für diese Tiere greifen spezielle Haltungsvorschriften. So wird in der Regel für die Haltung eine behördliche Erlaubnis und eine Hundehaftpflichtversicherung benötigt.

 

Außerdem ist häufigein Sachkundenachweis seitens des Halters zu erbringen. Vermeintlich gefährliche Hunde müssen zudem normalerweise per Chip gekennzeichnet und zentral registriert werden. Es gibt jedoch auch Bundesländer, in denen die Versicherungs-, Sachkundenachweis-, Kennzeichnungs- und Registrierpflichten für alle Hunde gelten – zum Beispiel Niedersachsen. Doch auch die Gemeinden können zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit eigene Verordnungen erlassen und Hunde als gefährlich einstufen.

Gerichtsurteil: Leinen- und Maulkorbpflicht zum Schutz der Allgemeinheit

Die Verbandsgemeinde Kell am See hatte einen Hundehalter dazu verpflichtet, seinen Schäferhundmischling inner- und außerorts anzuleinen. Zudem muss das Tier innerhalb einer Ortschaft einen Maulkorb tragen. Diese Maßnahmen seien notwendig, da der Hund Medienberichten zufolge zwei Personen auf der Straße gebissen hatte. Der Hundebesitzer empfand die Vorgehensweise der Behörden als unverhältnismäßig und klagte.

 

Ein vom Verwaltungsgericht Trier veranlasstes Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Mischling nicht prinzipiell um eine gefährliche Hunderasse handelt. Dennoch sei der Hund im Sinne des rheinland-pfälzischen Hundegesetzes als gefährlich einzustufen, da er bei Unterschreiten der kritischen Distanz mit Körperkontakt hoch sensibel reagiere. Da dies zu unkontrolliertem aggressivem Verhalten führe, befand das Gericht die angeordnete Maulkorb- und Leinenpflicht als verhältnismäßig. Die angeordneten Maßnahmen sind zum Schutz der Allgemeinheit gerechtfertigt.

Auch wenn dies ein Einzelfall sein mag, gilt dennoch: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Es ist durchaus vernünftig, freiwillig an einer Sachkundeprüfung teilzunehmen und einen Hundeführerschein zu machen. Beides kann helfen, Schäden zu vermeiden. Zudem ist der Abschluss einer Tierhalterhaftpflicht sinnvoll – auch wenn keine Versicherungspflicht vorliegt. Denn selbst der gehorsamste Hund kann einen Schaden verursachen, für den der Halter aufkommen muss.

Keine generelle Leinen- und Maulkorbpflicht

In Deutschland ist für Hunde keine generelle Leinen- und Maulkorbpflicht vorgeschrieben. Wer jedoch einen von den Behörden als gefährlich eingestuften Hund halten möchte, muss diesen im öffentlichen Raum immer anleinen. In manchen Kommunen und Ländern gilt für diese Tiere auch eine Maulkorbpflicht. Als ungefährlich eingestufte Vierbeiner müssen dagegen in aller Regel an folgenden Orten angeleint werden: Fußgängerzonen, Park-, Garten- und Grünanlagen, in öffentlichen Gebäuden sowie auf großen Versammlungen und Veranstaltungen.

 

In den Hundeverordnungen wird auch die vorgesehene Beschaffenheit der Leine definiert. Zudem sind Halter dazu verpflichtet, einen Steuernachweis für Ihren Vierbeiner mitzuführen. Dieser muss gemäß vieler Hundeverordnungen in Form einer Steuermarke am Hundehalsband befestigt werden. Dort kann auch eine Identitätsmarke angebracht werden, auf der neben dem Namen des Hundes und des Besitzers weitere wichtige Informationen wie zum Beispiel Impfungen oder Allergien des Tieres festgehalten sind. Wer sich nicht an die Regeln hält, riskiert hohe Bußgelder. Bei Kampf- beziehungsweise Listenhunden droht sogar unter Umständen der Entzug der Haltungserlaubnis.

Tipp: Informieren Sie sich über die Hundehalterpflichten ihres Bundeslandes beziehungsweise ihrer Gemeinde. So vermeiden Sie unnötig Stress und laufen nicht Gefahr,  ein Bußgeld bezahlen zu müssen.

(mtr)

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