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Bombenexplosion in Schwabing: Versicherungen zahlen nur im Ausnahmefall

29.08.2012 - 16:57

Die Bewohner des Münchner Stadtteils Schwabing haben nervenaufreibende Tage hinter sich. Der Tumult um eine am Montagmittag auf einem Baustellen-Areal der ehemaligen Kult-Kneipe „Schwabinger 7“ entdeckten 250-Kilo-Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg endete am Dienstagabend mit einer gewaltigen Explosion.

Die Schäden sind noch einen Tag danach sichtbar: zerstörte Fensterscheiben, vom Feuer versehrte Dachstühle, ein feiner Staub liegt noch einige Straßen weiter auf den parkenden Autos. Die meisten evakuierten Anwohner sind zurück. Geschädigte beginnen mit den Aufräumarbeiten. Nach dem ersten Schreck kommt schnell die Frage auf "Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?". Normalerweise regulieren Hausrat- und Wohngebäudeversicherung Explosionsschäden. Ausgenommen sind jedoch in der Regel Bombenschäden. Deshalb lautet die ernüchternde Antwort für die Meisten: Die Geschädigten selbst.

Versicherungen haften bei Bombenschäden meistens nicht

Was war geschehen? Das angerückte Spreng-Kommando konnte die Bombe nicht entschärfen – zu hoch war das Risiko, der Koloss könne unkontrolliert detonieren. Daher entschieden sich die Experten zu einer kontrollierten Sprengung. Heuballen, die die Wucht der Explosion mildern sollten, wurden brennend in die Luft geschleudert und landeten auf angrenzenden Hausdächern, die teilweise Feuer fingen. Durch die Druckwelle und freigesetzte Splitter gingen viele Fenster von Wohnungen und Geschäften zu Bruch.

An ihre  Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung werden die meisten Geschädigten wohl zuerst denken, wenn es um die Schadensregulierung geht. Doch die meisten Versicherungsunternehmen können sich in diesem Fall auf die standardisierten Ausschluss-Klauseln in den Verträgen berufen. Dort heißt es beispielhaft: "Die Versicherung erstreckt sich ohne Rücksicht auf mitwirkende Ursachen nicht auf Schäden durch Krieg, kriegsähnliche Ereignisse, Bürgerkrieg, Revolution, Rebellion oder Aufstand." Im Klartext heißt das, die Assekuranzen werten die Sprengung einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg in aller Regel als kriegsähnliches Ereignis.

Trübe Aussichten also für die geschädigten Bewohner, Gewerbetreibenden und Immobilienbesitzer in Schwabing. Auch Touristen oder Geschäftsleute, die etwa innerhalb des evakuierten Bereichs in einem Hotel übernachten wollten und spontan umbuchen mussten, können keine Entschädigung für ihre Mühen und eventuelle Mehrkosten erwarten. Bei einigen Versicherern wie der Allianz besteht diese Klausel jedoch nicht. Hier besteht Hoffnung auf Schadensersatz. Andere Versicherungsgesellschaften könnten sich eventuell ebenfalls kulant zeigen. Die Möglichkeit, die Kosten für die entstandenen Schäden auf dem Rechtsweg etwa von der Stadt München einzufordern, steht natürlich jedem Geschädigten offen. Hier ist im Vorteil, wer eine starke Rechtschutzversicherung an seiner Seite weiß.

Der Rechtsweg steht jedem Geschädigten offen

Das Einklagen der Übernahme der Schadenskosten hat jedoch nur Aussicht auf Erfolg, wenn den Verantwortlichen für die Sprengung der Fliegerbombe Fehler nachgewiesen werden. Dann greift die Haftpflichtversicherung des Schuldigen. Ansonsten gilt: „keine Haftung ohne Verschulden“, wie ein Rechtsanwalt auf Anfrage von CHECK24 erklärt. Die Aussichten auf Erfolg im Schwabinger Bomben-Fall wird von Fachleuten jedoch als gering eingestuft.

Es bleibt den Geschädigten der Bombensprengung im Münchner Szene-Viertel nur die Hoffnung auf eine kulante Regulierung seitens der Stadt München oder dem Land. Die Bundesregierung jedenfalls sieht sich auf Nachfrage beim Presseamt nicht in der Verantwortung. Über spezielle Fonds für „Bombenopfer“ auch gut 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs habe man keine Kenntnis, so eine Sprecherin gegenüber CHECK24.

(srh)

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