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Gefährliches Spiel: Auch Kinder können zur Verantwortung gezogen werden

03.09.2013 - 14:00

Spielen zwei Kinder mit Stöcken miteinander und eines davon verletzt sich, so muss der Spielkamerad unter gewissen Umständen für die Folgen des Vorfalls haften. Das geht aus einem unlängst veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichts München hervor.

Im konkreten Fall verabredeten sich zwei befreundete Jugendliche (12 und 13 Jahre alt) zu einem spielerischen Stockkampf. Vorab vereinbarten sie als einzige Spielregel, nicht auf den Kopf des „Gegners“ zu schlagen. Versehentlich schlug jedoch der Zwölfjährige seinem Spielpartner einen Schneidezahn aus.

Aus Spaß wird Ernst

Die Eltern des verletzten Jungen forderten daraufhin Schmerzensgeld für ihren Sohn. Zudem wollten sie dessen Spielkameraden dazu verpflichten, auch für potenzielle künftige Folgeschäden im Zusammenhang mit dem ausgeschlagenen Zahn aufzukommen.

Die Eltern des beschuldigten Jungen lehnten jedoch jegliche Kostenübernahme ab. Sie waren der Ansicht, dass in diesem Fall von einem bei Wettkämpfen und Kampfspielen üblichen Haftungsverzicht auszugehen sei. Das Münchener Landgericht gab ihnen recht und wies die Forderungen als unbegründet ab.

Teilerfolg in zweiter Instanz

Diese Niederlage ließ die Familie des Geschädigten nicht auf sich sitzen und legte Berufung ein – und das teilweise mit Erfolg. Das Oberlandesgericht München gab der Klage auf Schmerzensgeld zumindest zum Teil statt.

Nach Ansicht der Richter hatte der Spielkamerad des Verletzten fahrlässig gehandelt. Denn von einem Zwölfjährigen sei durchaus zu erwarten, dass er das Verletzungsrisiko beim Spiel mit Holzstöcken erkenne und sich dementsprechend vorsichtig verhalte.

Verletzter trägt Mitschuld

Ferner kann auch nicht von einem stillschweigenden Haftungsverzicht ausgegangen werden, heißt es in der Urteilsbegründung weiter. Grundlage dafür sei, dass bei einem Spiel im Vorhinein für alle Teilnehmer bestimmte verbindliche Regeln gelten. Ein solches geschlossenes Regelwerk sei für den verhandelten Stockkampf nicht festgesetzt worden.

Der Schmerzensgeldforderung wurde trotzdem nur teilweise stattgegeben. Die Begründung des Gerichts: Der Verletzte sei gleichermaßen an dem Spiel beteiligt gewesen und somit zur Hälfte mitschuldig an dem ausgeschlagenen Zahn.

Da der beklagte Junge – wenig überraschend – selbst nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügte, um seinen Freund zu entschädigen, sprangen seine Eltern beziehungsweise deren Privathaftpflichtversicherung ein.

Private Haftpflichtversicherung auch als Familientarif abschließbar

Tipp: Beim Abschluss einer Privathaftpflicht besteht die Möglichkeit, den Tarif als Familienhaftpflicht abzuschließen. Dadurch sind auch Schäden versichert, die der Nachwuchs verursacht. Die Ausnahme: Kinder bis zu sieben Jahren – beziehungsweise im Straßenverkehr bis zum Alter von zehn Jahren – gelten generell als deliktunfähig.

Für Schäden, die Kinder unterhalb dieser Altersgrenzen verursachen, muss eine private Haftpflichtversicherung grundsätzlich nicht haften. Optional kann jedoch auch die Haftungsübernahme für solche Schäden in den Leistungsumfang der Privathaftpflicht aufgenommen werden.

(kro)

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