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Gefälligkeitsdienst: Handwerker muss keinen Schadensersatz leisten

07.11.2014 - 08:00

Wer einem Nachbarn, Freund oder Bekannten freiwillig und unentgeltlich unter die Arme greift, leistet einen sogenannten Gefälligkeitsdienst. Erfreulicherweise gibt es sogar Menschen, die hilfsbedürftigen Personen eine Gefälligkeit erweisen, obwohl sie diese überhaupt nicht kennen. Eine solche Freundlichkeit kann jedoch zu Problemen führen. Was passiert, wenn der Helfer einen Schaden verursacht - muss er dann dafür haften und Schadensersatz leisten, wie es das Gesetz vorschreibt? Diese Frage beschäftigte vor einiger Zeit das Oberlandesgericht Celle.

In dem konkreten Fall bat der Eigentümer eines Hauses einen Handwerker, der auf dem Hausdach Solarmodule anbringen sollte, zwischendurch ein Waschbecken zu montieren. Als der Fachmann der Bitte nachkam, glitt ihm jedoch das Becken aus der Hand und zerbrach. Der freiwillige Helfer sollte nun die Kosten für den Schaden übernehmen. Als keine Einigung zustande kam, verklagte der Eigentümer den Handwerker auf Schadensersatz. Das Verdener Landgericht gab der Klage statt und verurteilte den Handwerker, den entstandenen Schaden zu ersetzen.

Das Oberlandesgericht (OLG) Celle kam jedoch zu folgendem Urteil: Da es sich in dem Fall um einen Gefälligkeitsschaden handelt, der weder vorsätzlich noch grob fahrlässig verursacht wurde, kann der Handwerker für den Sachschaden nicht haftbar gemacht werden. Auch wenn nicht explizit über die Haftung gesprochen wurde, ging das Gericht von dem sogenannten „stillschweigenden Haftungsausschluss“ aus. Was bedeutet das? Kann sich jeder Helfer auf diese Haftungsausnahme verlassen oder ist es nicht doch besser, Gefälligkeitsdienste über eine Privathaftpflicht abzusichern?

Haftpflicht: stillschweigender Haftungsausschluss

Auch wenn bei Gefälligkeitsdiensten Haftungsfragen im Vorfeld nicht explizit geklärt werden, ist davon auszugehen, dass eine Person nur dann freiwillig Hilfe leistet, wenn sie für eventuelle Schäden nicht haftbar gemacht wird. Ein solcher stillschweigender Haftungsausschluss wird von vielen Gerichten bei Gefälligkeitsschäden angenommen und soll dafür Sorge tragen, dass die Gutmütigkeit des Helfers nicht auch noch bestraft wird. Damit diese ungeschriebene Haftungsausnahme bei Gefälligkeitsschäden vor Gericht Anwendung findet, müssen in der Regel folgende Bedingungen erfüllt sein:
  • Der Gefälligkeitsdienst muss freiwillig und unentgeltlich erfolgt sein.
  • Der freiwillige Helfer verfügt über keine private Haftpflichtversicherung, die Gefälligkeitsschäden abdeckt.
  • Der Gefälligkeitsschaden muss durch leichte Fahrlässigkeit zustande gekommen sein.
Da der Kläger dem Handwerker nicht vorwarf, den Schaden grob fahrlässig verursacht zu haben, lag unbestritten eine leichte Fahrlässigkeit und somit keine Schadensersatzpflicht seitens des Handwerkers vor. Daher ließ das Gericht auch keine Revision zu. Wer sich als Helfer jedoch auf den stillschweigenden Haftungsausschluss verlässt, handelt grob fahrlässig.

Denn der geschilderte Fall zeigt: Haftungsfragen werden unterschiedlich bewertet und beantwortet. Und nicht jeder hat die finanziellen Mittel oder verfügt über eine leistungsstarke Rechtsschutzversicherung, um sein Recht über mehrere Instanzen hinweg zu erkämpfen. Zudem ist der Grat zwischen leichter und grober Fahrlässigkeit sehr schmal. Einen soliden Haftpflichtschutz bietet nur die private Haftpflichtversicherung.

Gefälligkeitsschäden und Privathaftpflichtversicherung

Eine private Haftpflichtversicherung hat viele Vorteile – die beiden wichtigsten sind:
  • Vermögens-, Sach- und Personenschäden sind in Millionenhöhe versichert.
  • Die Privathaftpflichtversicherung leistet sowohl bei einfacher als auch grober Fahrlässigkeit.
Da bei Geld bekanntlich die Freundschaft aufhört, sollten Sie sicherstellen, dass nicht nur Dritt- sondern auch Gefälligkeitsschäden über eine Privathaftpflicht abgesichert sind. Durch einen solchen Versicherungsschutz stellen Sie Ihre Freundschaften nicht unnötig auf die Probe. Denn im Schadensfall sind sowohl der Schädiger als auch der Geschädigte finanziell abgesichert und niemand kommt in Verlegenheit, die Haftungsfrage gerichtlich klären zu lassen.

Wer Gefälligkeitsschäden versichern möchte, muss jedoch auf die Tarifdetails achten. Das gleiche gilt für andere Spezialleistungen, wie zum Beispiel  eine Forderungsausfalldeckung oder eine Schlüsselverlustversicherung. Wenn Sie einfach und schnell Single- oder Familienhaftpflichtversicherungen miteinander vergleichen möchten, sollten Sie unseren Tarifrechner nutzen. Der Versicherungsvergleich ist für Sie absolut kostenlos und unverbindlich.

(mtr)

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