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Prozess: Hund wird verdächtigt, ein Auto schwer beschädigt haben

20.11.2014 - 18:00

Es ist zwar nur ein Vorurteil, dass sich Hund und Katze von Natur aus nicht leiden können, aber in manchen Fällen trifft es durchaus zu - wie zum Beispiel in Halberstadt (Sachsen-Anhalt), wo ein ungarischer Vorstehhund Jagd auf eine Mieze machte. Als Kampfplatz diente ein Audi Avant. Die Fahrzeughalterin beschuldigt den 22 Kilogramm schweren Hund, an ihrem Auto einen Schaden in Höhe von rund 10.000 Euro verursacht zu haben.

Da der Hundehalter und dessen Haftpflichtversicherer die Vorwürfe als unberechtigt ansahen, landete der Fall schließlich vor dem Landgericht Magdeburg. Der Prozess hat bereits eine längere Vorgeschichte. Bei einem ersten Gerichtstermin im Februar 2013 wurde die Klage der Fahrzeughalterin zunächst abgewiesen, da sie ohne Anwalt erschien. Nach einem erfolgreichen Widerspruch wurde der Fall im April wieder aufgenommen und Zeugen geladen.

Ein Zeuge berichtete, dass der Hund, der an einem Liegestuhl angebunden war, plötzlich aufsprang und wie wild einer Katze hinterherjagte. Diese suchte auf dem Autodach der Klägerin Zuflucht. Angeblich habe der Hund habe immer wieder erfolglos versucht, an dem Auto hochzuspringen. Nach Ansicht der Autobesitzerin war dadurch der teure Schaden zustande gekommen. Nach der bisherigen Beweisaufnahme geht das Landgericht davon aus, dass die Anschuldigungen und Schadensersatzforderungen der Klägerin berechtigt sind – die Versicherung der Hundehalterin ist da anderer Meinung.

Haftpflichtversicherung fungiert als Rechtsschutz

Da die Versicherung der Hundehalterin daran zweifelt, dass sämtliche Schäden, die im vorliegenden Gutachten aufgeführt sind, von dem verdächtigten Hund stammen, gab das Landgericht ein weiteres Gutachten in Auftrag. Ein unabhängiger Sachverständiger soll nun klären, ob die Schäden tatsächlich zusammenpassen und welche Kratzer tatsächlich vom Tatverdächtigen stammen. Dabei gibt es nur ein kleines Problem: Der Vorfall liegt mehr als zwei Jahre zurück. Der beschädigte Pkw ist inzwischen längst repariert und neu lackiert.

Der Sachverständige kann sich bei seinem Gutachten daher nur noch auf Fotos stützen, die damals zur Dokumentation der Schäden angefertigt wurden. Solange die Schuldfrage nicht endgültig geklärt ist, muss der Versicherer das vom Gericht angeforderte Gutachten bezahlen. Eine solche Kostenübernahme gehört zum Leistungsumfang jeder Haftpflichtversicherung – ganz gleich ob nun Privat- oder Tierhalterhaftpflicht. Liegen nämlich berechtigte Zweifel vor, dass weder der Versicherungsnehmer noch dessen versichertes Tier einen Schaden verursacht haben, fungieren Haftpflichtversicherungen als Rechtsschutzversicherung.

Tipp:  Eine Hundehaftpflichtversicherung lohnt sich auch für Hundehalter, die in einem Bundesland wohnen, in der noch keine Versicherungspflicht besteht. Zudem zeigt der Fall, dass eine Rechtsschutzversicherung sowohl für den vermeintlichen Schadensverursacher als auch den Geschädigten äußerst nützlich ist.

(mtr)

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