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Schneeballschlacht bei eisigen Temperaturen: Wer haftet bei Verletzungen?

18.12.2012 - 16:00

Schneeballschlachten gehören für Kinder - aber auch für so manchen Erwachsenen - oft zu den vergnüglichsten Beschäftigungen in der kalten Jahreszeit. Doch die Wurfgeschosse können leicht zur Gefahr für andere werden - egal, ob sie direkt an der Schneeballschlacht beteiligt sind oder nur zufällig in die „Schusslinie“ geraten. Wer in solchen Situationen für Verletzungen haften muss, kann von Fall zu Fall variieren.

Grundsätzlich gilt: Wer bei einer Schneeballschlacht eine andere Person verletzt, muss für den Schaden aufkommen. Voraussetzung dafür ist nach Angaben des Versicherungsunternehmens ARAG, dass dem Verursacher Vorsatz oder Fahrlässigkeit zur Last gelegt werden kann. Ein vorsätzliches Verhalten kann beispielsweise unterstellt werden, wenn der „Übeltäter“ sein „Opfer“ offenbar absichtlich verletzen will und daher mit einem gefrorenen Schneeball beispielsweise bewusst auf dessen Augen zielt.

Von Fahrlässigkeit ist zum Beispiel auszugehen, wenn sich der Schadensverursacher zwar über das Risikopotenzial des Schneeballs im Klaren ist, aber ihn dennoch wirft ─ auch auf die Gefahr hin, dass sich der andere verletzt. Bei Kindern entscheidet das Alter über die Haftungsfrage.

Deliktunfähige Kinder müssen für verursachte Schäden nicht selbst haften

Kinder unter sieben Jahren sind generell deliktunfähig. Das bedeutet, sie selbst können für Schäden, die sie verursachen, nicht haftbar gemacht werden ─  unter Umständen aber ihre Eltern. Vernachlässigen Erziehungsberechtigte ihre gesetzlich vorgeschriebene Aufsichtspflicht gegenüber ihrem minderjährigen Nachwuchs, müssen sie für Schäden, die ihre Kinder verschulden, aufkommen.

Ob die Aufsichtspflicht verletzt wurde, kommt auch auf die jeweilige Situation, das Alter und den Charakter des Kindes an. Dementsprechend wird die Sachlage vor Gericht von Fall zu Fall unterschiedlich bewertet. So dürfen Kinder bereits ab vier Jahren unbeaufsichtigt spielen, wenn Eltern in kurzen Abständen nach ihnen sehen. Dies geht aus verschiedenen Urteilen hervor, unter anderem aus einem Beschluss des Bundesgerichtshofes (BGH).

Eltern sollten Nachwuchs über Risiko von Schneeballschlachten aufklären

Den Verweis auf den kurzen Kontrollabstand präzisierte ebenfalls der BGH in einem weiteren Urteil im Jahr 2009. Danach reicht es bei einem fünfeinhalbjährigen Kind aus, wenn die Eltern das Treiben des Sprösslings alle 30 Minuten kontrollieren.  Für Eltern empfiehlt es sich, ihren Nachwuchs in jedem Fall auf die möglichen Risiken hinzuweisen, die mit Schneeballschlachten verbunden sind.

Für Kinder ab sieben Jahren gilt: Sie werden grundsätzlich als deliktfähig eingestuft und müssen selbst für von ihnen verursachte Schäden haften, sofern sie über die notwendige Einsichtsfähigkeit verfügen. Wenn ihnen jedoch aufgrund ihres Entwicklungsstandes eine solche Einsichtsfähigkeit noch fehlt, haften wiederum die Eltern, wenn sie ihren Nachwuchs nicht entsprechend beaufsichtigt und über das Gefahrenpotenzial von Schneeballschlachten aufgeklärt haben.

Mit einer Privathaftpflicht finanziell auf der sicheren Seite

Eltern, die im Ernstfall nicht auf den Kosten für von ihrem Nachwuchs verursachte Schäden sitzen bleiben wollen, tun gut daran, über einen Tarif der Privathaftpflichtversicherung zu verfügen, bei dem Schäden durch deliktunfähige Kinder im Versicherungsumfang enthalten sind. Welche Tarife diese Leistung enthalten, können Sie schnell und unkompliziert mit dem Privathaftpflicht Vergleich von CHECK24 in Erfahrung bringen. Hinweis: Manche Versicherer können jedoch die Kostenübernahme verweigern, wenn ein Schaden aufgrund der Vernachlässigung der elterlichen Aufsichtspflicht entsteht.

Eine Besonderheit hinsichtlich der Haftungspflicht stellen im Übrigen Schneeballschlachten auf dem Schulhof dar. Hierbei kommt die gesetzliche Unfallversicherung üblicherweise für Schäden durch Verletzungen auf. Das kindliche Schneegerangel gilt noch als „schulbezogen“, sofern  dem Schadensverursacher kein Vorsatz zu unterstellen ist. Selbst Schneeballschlachten an einer 100 Meter vom Schulgelände entfernten Bushaltestelle fallen noch unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, wie ein Urteil des BGH aus dem Jahr 2008 zeigt.

(kro)

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