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Eltern haften für ihre Kinder - wirklich immer?

23.05.2014 - 16:00

„Eltern haften für ihre Kinder“ - das ist an den meisten Baustellenzäunen zu lesen. Doch stehen Eltern tatsächlich immer in der Verantwortung, wenn ihre Sprösslinge beim unerlaubten Spielen auf der Baustelle etwas kaputtmachen oder sich und andere in Gefahr bringen? Wir haben uns für Sie schlau gemacht.

Die Behauptung, dass Eltern pauschal immer für die Taten ihres Nachwuchses haften, ist so nicht ganz richtig. Vielmehr können sie für Schäden auf der Baustelle nur zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie die Aufsichtspflicht über ihre minderjährigen Kinder verletzt haben.

Ob dies der Fall ist, hängt immer von mehreren Faktoren ab: der konkreten Situation, dem Alter des Kindes sowie dessen Charakter. Dementsprechend unterschiedlich urteilen auch die Gerichte in entsprechenden Verfahren.

So muss beispielsweise laut einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs (BGH) ein Kind im Alter von fünfeinhalb Jahren, das normal entwickelt ist, beim Spielen im Freien nicht auf Schritt und Tritt beaufsichtigt werden. Es ist demnach ausreichend, alle 15 bis 30 Minuten nach dem Rechten zu sehen.

Auf das Alter kommt es an

Bei vielen Baustellen findet sich dieses Schild.
Anders sieht es hingegen aus, wenn der Sprössling erst vier Jahre alt ist: Hier müssen Eltern laut einem weiteren BGH-Urteil in kurzen Abständen nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Grundsätzlich gilt also, dass jüngere Kinder stärker beaufsichtigt werden müssen, weil ihr Verhalten weniger berechenbar ist und ihnen die Gefahren noch nicht so geläufig sind wie älteren Kindern.

Gerade wenn sich eine Baustelle in unmittelbarer Nähe befindet, sollte der Nachwuchs nach Ansicht von Rechtsexperten besser nicht unbeaufsichtigt gelassen werden. Zudem sollten schon die Kleinsten eindringlich auf die Gefahrenquelle Baustelle hingewiesen werden.

Größere Kinder können hingegen unter Umständen auch selbst in der Haftpflicht stehen, wenn sie über den Bauzaun klettern und beispielsweise eine Maschine mit schadensreichen Folgen in Gang setzen. Denn Kinder sind ab dem siebten Lebensjahr vor dem Gesetz grundsätzlich deliktfähig, sofern sie die entsprechende geistige Einsichtsfähigkeit haben.

Kinder haften unter Umständen selbst

So hat beispielsweise das Oberlandesgericht Koblenz drei Zehnjährige zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt. Sie hatten auf einer Baustelle mit einem Taschenmesser als Zündschlüsselersatz einen Bagger gestartet und in einen Teich gefahren. Nach Ansicht der Richter kann auch Kindern im Alter von zehn Jahren unterstellt werden, zu wissen, dass Bagger fahren gefährlich und für sie verboten ist.

Anders sieht es hingegen aus, wenn einem älteren Kind aufgrund seiner Entwicklung noch die nötige Einsichtsfähigkeit fehlt. Dann haften wiederum die Eltern, wenn sie ihren Nachwuchs nicht gut genug beaufsichtigt beziehungsweise nicht über die Risiken von Baustellen aufgeklärt haben.

Auch der Baustellenbetreiber trägt Verantwortung

Aber auch der Betreiber der Baustelle kann unter Umständen eine Mitschuld haben, wenn es auf dem Gelände zu Unfällen oder Schäden durch spielende Kinder kommt. Denn er ist verpflichtet, den Baustellenbereich so abzusichern, dass davon keine Gefahr für Dritte ausgehen kann.

Diese Pflicht hat ein Baustellenbetreiber in einem vor dem BGH verhandelten Fall vernachlässigt: Ein Kind war auf einer Baustelle in einen gerade fertiggestellten, aber nicht eingezäunten Löschwasserteich gefallen. Nach Ansicht der Richter reicht ein einfaches „Betreten verboten“-Schild um den äußeren Baustellenzaun nicht aus.

(kro)

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