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Schuldenmonat Januar: So entgehen Sie der Dispo-Falle

20.01.2014 - 16:00

Finanziell gesehen nimmt das neue Jahr für Verbraucher oft keinen guten Anfang. Der Grund: Zum einen ist der Monat Dezember in der Regel mit hohen Ausgaben verbunden. Geschenke müssen besorgt und jede Menge Lebensmittel für Weihnachten und Sylvester eingekauft werden. Auch die Feiertage werden gerne für einen Skiurlaub oder eine Reise in die Sonne genutzt. Dazu kommt, dass viele Versicherungen Anfang Januar ihre Jahresbeiträge abbuchen. Da kann es schnell passieren, dass vom Kontoauszug plötzlich rote Zahlen entgegenleuchten. Wie können Verbraucher der Dispo-Falle entkommen und hohe Kosten vermeiden?

Damit Bankkunden auch im Falle eines finanziellen Engpasses zahlungsfähig bleiben, bieten die Banken bei ausreichender Bonität einen Dispokredit an. Dabei handelt es sich um eine Überziehungsmöglichkeit, die betraglich in etwa auf das Dreifache des monatlichen Nettoeinkommens begrenzt ist. Der Dispokredit wird direkt bei der Kontoeröffnung oder nach einigen eingehenden Gehaltszahlungen eingeräumt. Ab diesem Zeitpunkt kann er jederzeit unbürokratisch in Anspruch genommen und nach Belieben zurückgezahlt werden.

Die ständige Kontoüberziehung kann finanziell enorm belasten

Für die Banken sind Dispozinsen eine lukrative Einnahmequelle.
Ein toller Service – den sich die meisten Banken allerdings teuer bezahlen lassen. Denn die Zinsen für den Dispokredit übersteigen die für einen gewöhnlichen Ratenkredit oft bei weitem. Wie jüngst eine Untersuchung der Stiftung Warentest für die Zeitschrift „Finanztest“ ergab, können bis zu 14,75 Prozent jährliche Zinsen auf den Dispokredit fällig werden. Nur wenige Institute halten sich an die Grenze von zehn Prozent, die von Politik und Verbraucherschutz empfohlen wird. Wird im Vorfeld kein Kreditrahmen vereinbart oder die festgelegte Grenze überschritten, fallen sogenannte Überziehungszinsen an, die oft noch deutlich höher liegen als der Dispozins.

Verbraucher, die ihr Konto dauerhaft überziehen, können auf diese Weise enorm in Bedrängnis geraten. Ein Beispiel: Rutscht der Bankkunde zum Jahresbeginn 600 Euro ins Minus, fallen bei einem Dispozins in Höhe von 13 Prozent monatlich 6,50 Zinsen an. Das klingt zunächst nicht sonderlich beeindruckend. Auf das Jahr gerechnet läppert sich dieser Betrag allerdings auf stolze 79,08 Euro zusammen. Geld, das anderweitig deutlich sinnvoller investiert werden könnte.

Wer nicht aufpasst, findet sich schnell in der Schuldenfalle wieder

Als Verbraucher könne man bei regelmäßiger Nutzung des Dispokredits schnell den Überblick verlieren, warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Denn wer bereits verschuldet ist, ist gegen weitere finanzielle Engpässe nicht gewappnet. Jobverlust oder ein kaputtes Auto können folglich ein großes Problem darstellen und dafür sorgen, dass der Verbraucher endgültig in die Schuldenfalle rutscht.

Bankkunden sollten deshalb Maßnahmen ergreifen, wenn ihr Konto ständig überzogen ist und es unmöglich scheint, den fälligen Betrag in absehbarer Zeit wieder auszugleichen. Ein erster Schritt zurück ins Plus sei es, Einkäufe bar zu bezahlen anstatt mit Karte, rät Nauhauser. Auf diese Weise habe man die Ausgaben besser im Blick – die im nächsten Schritt einmal genau unter die Lupe genommen werden sollten.

Zu hohe Dispozinsen? In einigen Fällen lohnt sich ein Girokontowechsel

Eine weitere Maßnahme ist der Wechsel zu einer Bank mit günstigeren Dispozinsen. Bietet ein Institut beispielsweise einen Dispokredit mit acht Prozent Zinsen an, werden im oben genannten Beispiel jährlich 48,67 Euro Zinsen fällig. Immer noch ein hoher Betrag. Im Vergleich zum teuren Anbieter spart der Kunde dennoch immerhin 30,41 Euro. Vorher sei es jedoch wichtig, den bisherigen Dispo abzulösen, und das alte Konto auszugleichen. Dies erwarteten viele Banken, um eine Doppelbelastung ihrer Kunden zu verhindern, so Nauhauser weiter.

In der Praxis ist das aber oft leichter gesagt als getan. Im Notfall bleibt Verbrauchern nichts anderes übrig, als einen Ratenkredit aufzunehmen. Bei längerfristig höherem Geldbedarf könne dieser eine Alternative sein, sagt Stephanie Pallasch von der Zeitschrift „Finanztest“. Die Vorteile seien niedrigere Zinsen plus eine feste Rate. Die Rückzahlung erfordere allerdings viel Disziplin. Zudem sei es sinnvoll, bei Aufnahme eines Ratenkredits den Dispo auf null zu setzen. Denn Umschulden in Raten bei gleichzeitiger Nutzung des Dispokredits führe langfristig wieder in die Schuldenfalle, so Pallasch weiter.

(fr)

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