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Phishing: Bank haftet auch bei Unachtsamkeit

27.09.2011 - 16:35

Hat ein Bankkunde einen Phishing-Angriff von Betrügern als solchen nicht erkannt und unvorsichtig seine TAN-Nummern auf einer gefälschten Homepage eingegeben, dann ist die Bank dadurch nicht automatisch aus ihrer Haftung entlassen, wenn Betrüger das Konto des Opfers plündern. Zu diesem Schluss kam jetzt das Landgericht Landshut (Az. 24 O 1129/11).

Im aktuellen Fall wollte sich der Bankkunde beim Online Banking seines Kreditinstituts anmelden. Zwar hatte er seinen Computer durch die Einrichtung eines Antivirenschutzes und einer Firewall geschützt. Dennoch hatte sich ein Trojaner (Spionageprogramm) heimlich auf dem PC eingenistet. Die Konsequenz: Der Mann gelangte statt zur Homepage seines Geldinstituts zu einer gefälschten, nachgebauten Phishing-Seite. Hier sollte er 100 TAN-Nummern eingeben, denn angeblich müssten sämtliche aktuellen TAN-Listen aus dem Verkehr gezogen werden. Aus Sicherheitsgründen, wie es hieß. Der Mann kam der Aufforderung der Betrüger nach, wodurch ein Schaden von 6.000 Euro entstand.

Bank lehnt Haftung ab

Die Bank, bei der das Phishing-Opfer seinen Online Banking Account und das Girokonto hat, lehnte jegliche Haftbarkeit ab. Als Begründung hieß es, der Geschädigte habe seine Sorgfaltspflicht in grober Weise vernachlässigt. Vom Landgericht Landshut wurde der Sachverhalt allerdings anders bewertet. Zwar habe der Bankkunde fahrlässig, nicht jedoch grob fahrlässig gehandelt, wie die Richter in ihrem Urteilsspruch befanden.

Entscheidung zugunsten des Bankkunden

Das Gericht entschied letztlich zugunsten des Klägers, da die nachgebaute Bankseite dem Original täuschend ähnlich gesehen habe. Zudem befanden die Richter, dass die Aufforderung zur Eingabe der TAN-Nummern schlüssig begründet gewesen sei. Außerdem wurden die mangelhaften Deutsch- und Computerkenntnisse des Phishing-Opfers in den Urteilsschluss mit einbezogen.

(sr)

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