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Online-Bezahlverfahren deutscher Banken startet Ende 2015

30.03.2015 - 07:30

Zahlreiche deutsche Banken starten ein eigenes Online-Bezahlsystem, das Ende 2015 auf den Markt kommen wird. „Pay Direkt“ soll es heißen und schnelles, einfaches und sicheres Bezahlen über das Girokonto im Internet ermöglichen. Die Banken wollen damit PayPal Konkurrenz machen, knapp jeder zweite Online-Kauf wird derzeit über diesen Bezahldienst abgewickelt.

Rund zwölf Millionen Kunden hat der Bezahldienst PayPal in Deutschland - die deutschen Kreditinstitute haben sich damit einen großen Konkurrenten ausgesucht. So mancher Kenner des Marktes glaubt, dass die Banken den technischen Wandel bereits verschlafen haben und in den nächsten Jahren weiter massiv Marktanteile an „Online-Player“ verlieren werden. Klassische Banken hinken den Trends hinterher, vergleichbar etwa mit der Musikindustrie im vergangenen Jahrzehnt oder Reisebüros, sagt etwa Valentin Stalf, Gründer und Geschäftsführer des Smartphone-Girokontos NUMBER26. Die Banken selbst sehen das anders und haben dafür vielleicht auch ihre Gründe. Man könne sich mit dem neuen Bezahlservice potentiell einen neuen Kundenkreis erschließen, der über jenen von PayPal deutlich hinausginge, sagt etwa eine Sprecherin des Bankenverbandes gegenüber CHECK24.

So funktioniert das neue Bezahlsystem der deutschen Banken

Online-Bezahlverfahren
Werden sich die deutschen Banken bei der Bezahlung im Netz gegen Konkurrenten wie PayPal durchsetzen können?
Einer der Vorteile des neuen Service ist etwa die direkte Abrechnung über das Girokonto der Hausbank. Die Anbieter des neuen Bezahldienstes – die deutschen Banken – sind für viele Kunden zudem deutlich vertrauenswürdiger als der US-amerikanische Konkurrent PayPal. Immer wieder gibt es Bedenken, ob der Bezahldienst die Einkaufsdaten seiner Kunden auswertet und vielleicht sogar mit jenen des Mutterkonzerns Ebay verknüpft. Somit spreche auch die Umsetzung der deutschen Datenschutzbestimmungen für die neue deutsche Online-Bezahllösung, so eine Sprecherin des Bundesverbandes der Banken. Um das neue Bezahlverfahren branchenweit einheitlich zu gestalten, gründeten die Banken ein Gemeinschaftsunternehmen, das unter dem Namen Gesellschaft für Internet und mobile Bezahlung firmiert. Mit dabei sind beispielsweise die Commerzbank, die comdirect, die Deutsche Bank und die Postbank. Über eine Beteiligungsgesellschaft sind auch weitere Institute beteiligt, dazu gehören etwa die ING-DiBa, die Targobank, die Consorsbank und viele mehr. Man sei auch für weitere Interessenten offen, gibt die Sprecherin des Bankenverbandes im Gespräch mit CHECK24 zu verstehen.

Datenschutz, deutsche Anbieter - schön und gut. Viele Verbraucher fragen sich dennoch, wie das neue Bezahlsystem mit der etablierten PayPal-Bezahllösung mithalten will. Wird es einen Käuferschutz geben, so wie beim „Original“? Kann man sich ebenfalls bequem per E-Mail-Adresse anmelden? Wird der Service kostenlos sein? Der Bundesverband deutscher Banken veröffentlichte am Donnerstag vergangener Woche eine Meldung zum Thema, die kaum Details über das Produkt verriet und in den Formulierungen wage blieb.

Deutlich wurde nur, dass das neue Bezahlsystem institutsübergreifend einheitlich sein wird. Millionen von Kunden sollen damit schnell, einfach und sicher vom Girokonto bezahlen können. Auf Nachfrage von CHECK24 wurde klar: Mehr kann oder darf über die neue Bezahllösung derzeit noch nicht verraten werden. Nur so viel: Der neue Online-Bezahldienst wird für Kunden kostenlos sein. Die erstmalige Anmeldung erfolgt nicht per E-Mail, sondern über das Girokonto. Die teilnehmenden Banken stellen ihren Kunden hierfür ein benutzerfreundliches Formular zur Verfügung. Verbraucher sollen dann bei zahlreichen Onlinehändlern wie beispielsweise Amazon über eine einfache Button-Lösung sicher und schnell bezahlen können.

Banking im 21. Jahrhundert – können die klassischen Banken noch mithalten?

Valentin Stalf, der Gründer des Smartphone-Girokontos NUMBER26 ist der Ansicht, dass sich das Banking im 21. Jahrhundert vor allem auf dem Smartphone abspielen wird. „Die meisten Leute haben immer weniger Zeit, daher muss Banking intuitiv und weitgehend automatisiert sein – so wie heute schon manche E-Mail-Programme intelligente Mailboxen haben, wird Banking in Zukunft auch intelligenter werden,“ so Stalf. Dazu gehören seiner Meinung nach etwa individuelles Finanzmanagement, Mitteilung aufs Handy für jede Kontobewegung und individuelle Sicherheitseinstellungen. NUMBER26 arbeite deshalb heute schon an Systemen zur Verhinderung von Karten- oder Kontomissbrauch bevor dieser überhaupt entstehen, erklärte der Geschäftsführer weiter. NUMBER26 ist keine klassische Bank, sondern ein eigenständiges Unternehmen, das lediglich mit einem Geldhaus - der Wirecard Bank - zusammenarbeitet. Auch künftig würden viele Bankprodukte nicht mehr von Banken im klassischen Sinn angeboten werden, meint Stalf.

Auch Theodor Weimer, der Chef der Hypo-Vereinsbank glaubt, dass die wahre Schlacht in Zukunft nicht zwischen Banken geschlagen wird. Vielmehr werde es zwischen Banken und Nicht-Banken ablaufen – damit gemeint sind Unternehmen wie Apple, Google oder eben PayPal.
Die "klassischen Banken" haben jedoch zwei entscheidende Vorteile: Einen Vertrauensvorschuss ihrer Kunden und die Reichweite. Der Zusammenschluss der am Online-Bezahlverfahren beteiligten Banken möchte nun auch die Sparkassen noch ins Boot holen. Damit würde sich der potentielle Kundenstamm auf fast alle deutschen Bankkunden belaufen, rund 50 Millionen Kunden würde allein die Sparkasse mitbringen. Darauf angesprochen, gibt sich die Sprecherin des Bundesverbandes der Banken zuversichtlich. Die Sparkassen hätten ihre Bereitschaft bereits signalisiert, eine finale Entscheidung läge jedoch noch nicht vor. Läuft dann alles nach Plan, könnten bereits Ende dieses Jahres die ersten Kunden mit dem neuen System im Netz bezahlen. Ob die "klassischen" Banken mit diesem Angebot noch mit den Online-Playern mithalten oder diese sogar schlagen können, wird sich zeigen. Einfach wird es nicht, denn die Konkurrenz wird immer gößer: Immer mehr innovative Angebote wie etwa die Bezahlung per Facebook-Messenger strömen auf den Markt, die die Art und Weise wie wir in Zukunft bezahlen vielleicht revolutionieren werden.

(bm)

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