0800 - 24 24 123 Hilfe und Kontakt
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Kartenzahlung und Datenschutz: Was Verbraucher wissen sollten

19.02.2014 - 14:00

An der Supermarktkasse kurz die EC-Karte gezückt und fertig - die Kartenzahlung erfreut sich großer Beliebtheit. Allerdings geben Verbraucher dabei im Vergleich zur Bargeldzahlung mehr Informationen von sich preis. Doch welche Daten werden im Zuge einer Kartenzahlung eigentlich erfasst? Wie lange werden diese gespeichert? Und was sollten Verbraucher bei diesem Bezahlverfahren beachten? Diese und weitere Fragen beantwortet Manfred Ilgenfritz vom Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht im Gespräch mit CHECK24. Ilgenfritz ist Leiter des Referats, das für Banken, Auskunfteien, Werbung und Kundenbindung zuständig ist.

Das Bezahlen mit der EC-Karte ist inzwischen weit verbreitet. Im Jahr 2012 wurde nach Angaben der Deutschen Bundesbank mehr als 2,5 Milliarden Mal auf das bargeldlose Verfahren zurückgegriffen. Was viele Verbraucher jedoch nicht wissen: Sie geben dabei eine Reihe von Informationen von sich weiter.

Welche das sind, welche Unternehmen dabei eine Rolle spielen und inwiefern bei der Kartenzahlung Risiken bestehen, erklärt Manfred Ilgenfritz vom Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht im Gespräch mit CHECK24. Die Behörde ist dafür zuständig, die Einhaltung des Datenschutzrechts im nicht-öffentlichen Bereich in Bayern zu überwachen. Darunter fallen unter anderem Privatpersonen, private Wirtschaftsunternehmen sowie Vereine und Parteien.

CHECK24: Herr Ilgenfritz, wer mit seiner EC-Karte an der Kasse bezahlt, gerät dabei fast unweigerlich mit einem der drei größten Betreiber von EC-Kartenterminals in Kontakt: Easycash, Telecash, Intercard. Welche Funktion kommt diesen Unternehmen bei einer Kartenzahlung zu?

Manfred Ilgenfritz: Diese Zahlungsdienstleister schaffen für Kartenzahlungen die Verbindung zwischen der Kasse des Händlers, an der ein Kunde zahlt, und dem Bankkonto des Kunden, um das Geld dem Händler zukommen zu lassen.

Diese Dienstleister haben aber auch meist eine Prüfungsfunktion wahrzunehmen, insbesondere um missbräuchliche Zahlungen mit als gestohlen oder verloren gemeldeten Karten zu verhindern oder bei fehlender Kontodeckung dem Händler eine andere Zahlungsart zu empfehlen.

CHECK24: Welche Informationen speichern diese Unternehmen in Zusammenhang mit einer Kartenzahlung? Nach welcher Zeit werden die Daten gelöscht?

Die Bezahlung mit EC-Karte ist beliebt, doch welche Daten geben Verbraucher dabei von sich preis?
Ilgenfritz: Es werden zum einen die Daten zum aktuellen Zahlungsvorgang gespeichert, wie Betrag, Datum und Uhrzeit, Nummer des Kartenterminals und damit Terminalstandort sowie zum anderen Daten aus der Karte zur Abwicklung der Zahlung auf Kundenseite, wie insbesondere Bankkontonummer und Bankleitzahl beziehungsweise IBAN und BIC. Nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz und dem Handelsgesetzbuch bestehen fünf- oder zehnjährige Aufbewahrungspflichten für die Daten zu Zahlungsvorgängen. Hierzu sieht das Datenschutzrecht eine Sperrung der nur zu Erfüllung von gesetzlichen Aufbewahrungspflichten noch gespeicherten Daten vor.

Weitere Zahlungsdaten zur Missbrauchsverhinderung von Kartenzahlungen, wie auffällig häufige Kartenzahlungen innerhalb kurzer Zeit, werden maximal einige Tage aktiv vorgehalten. Daten über von Banken wegen fehlender Kontodeckung nicht eingelöste und zurückgegebene Lastschriften werden bis zum Zahlungsausgleich aktiv vorgehalten. Insoweit ist dann eine Kartenzahlung regelmäßig nicht mehr möglich und der Händler wird Barzahlung verlangen.

CHECK24: Bei einer Kartenzahlung können zwei Verfahren zum Einsatz kommen: Entweder gibt der Verbraucher die PIN ein oder er unterschreibt auf dem Kassenzettel. Wovon hängt ab, welches System bei einer Kartenzahlung zum Einsatz kommt?

Ilgenfritz: Nach unserer Kenntnis sind die von den Händlern zu tragenden Gebühren für EC-PIN-Zahlungen und EC-Lastschriftzahlungen unterschiedlich, sodass dieser Aspekt die Händlerentscheidung für das Angebot eines bestimmten Kartenzahlungsverfahrens beeinflusst.

CHECK24: Welche Unterschiede gibt es zwischen den beiden Systemen im Hinblick auf Fragen des Datenschutzes?

Ilgenfritz: Bei der Zahlung mit EC-Karte und PIN-Eingabe, dem Zahlungssystem der Banken, hat der Händler durch direkte Rückkoppelung mit dem Girokonto grundsätzlich eine Zahlungsgarantie der Bank des Kunden zu dem Forderungsbetrag.

Bei Zahlung mit EC-Karte ohne PIN-Eingabe, aber mit Kundenunterschrift auf dem Kassenzettel, stimmt der Kunde einem Lastschrifteinzug des Forderungsbetrags von seinem Girokonto zu. Dem Händler verbleibt dabei aber das Risiko, dass in manchen Fällen die Girokonten nicht den notwendigen Kontostand für den Lastschrifteinzug aufweisen und die Bank deshalb die Einlösung der Lastschrift zurückweist. Der Händler muss dann auf andere Weise versuchen, an sein Geld zu kommen. Deshalb unterschreibt der Kunde auf dem Zahlungsbeleg auch für eine Bekanntgabe seiner Adressdaten durch die Bank bei Nichteinlösung der Lastschrift.

Aus unserer Sicht ist die Zahlung mit EC-Karte und PIN das datensparsamere Verfahren.

CHECK24: Welche Risiken bestehen bei einer Kartenzahlung? Gibt es Punkte, die Verbraucher beachten sollten?

Ilgenfritz: Bei einer Kartenzahlung mit PIN besteht ein Risiko, dass die PIN durch Beobachten oder manipulierte Terminals ausgespäht wird. Gestohlene und gefälschte EC-Karten können dann missbräuchlich zu Lasten eines Verbrauchers eingesetzt werden.

Kontoverbindungsdaten können für illegale Lastschrifteinzüge genutzt werden, sodass Verbraucher ihre Kontodaten nur vertrauenswürdigen Institutionen anvertrauen sollten.

Insgesamt sollten Verbraucher ihre Kontobewegungen sorgfältig im Auge behalten und Unregelmäßigkeiten zeitnah bei ihrer Bank reklamieren, um finanzielle Schäden zu vermeiden.

CHECK24: Herr Ilgenfritz, herzlichen Dank für das Gespräch.

Weitere Artikel: