0800 - 24 24 123
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Girokonto: Konsequenzen aus teurem Dispo ziehen und Bank wechseln

11.02.2011 - 15:38

Deutschland ist europaweit Spitzenreiter, was teure Dispokredite angeht. Eine Festlegung von Obergrenzen ist aber nicht geplant, auch wenn Verbraucherschützer dringend dazu raten. Da hilft nur eins: Im Zweifelsfall die Bank wechseln.

Unsere österreichischen Nachbarn haben mehr Glück als Bankkunden hierzulande. Dort liegen die Zinsen etwa bei der Hälfte des deutschen Niveaus. Rund 2,5 bis 3,8 Prozent Zinsen werden im europäischen Ausland fällig, wenn man sein Girokonto überzieht. Deutschland hängt den Durchschnitt des restlichen Euroraums um satte 25 Prozent ab. Mangelnde Kontrollmechanismen sind der Grund für die breite Kluft. Seit der Wirtschaftskrise hat sich der Dispo als wahre Goldgrube für die Banken erwiesen, denn die Zinsen liegen nicht selten im zweistelligen Bereich. Der Abstand zwischen Dispo- und anderen Referenzzinssätzen ist in den letzten zehn Jahren um zwei bis vier Prozentpunkte gestiegen. Mittlerweile ist auch schon die Politik aufmerksam geworden. Doch die Bundesregierung reagierte ablehnend auf einen Antrag der SPD-Fraktion. Banken und Kunden könnten ihre Zinsvereinbarungen frei treffen, hieß es. Sittenwidrigkeit sei erst gegeben, wenn die Zinssätze einer Bank den Marktdurchschnitt um 100 Prozent, bzw. zwölf Prozentpunkte überträfen. Gemessen am derzeitigen Dispozinssatz läge die Grenze bei 22 Prozent.

Bei den Nachbarn abschauen

Die Bundesregierung hat eine Marktstudie geplant, um die Anpassung der Dispositionszinsen an diverse Referenzzinsen nachzuprüfen. Damit eilt es aber offenbar nicht, denn eine Ausschreibung soll erst in den nächsten Wochen erfolgen. Es kann also noch gut und gerne ein paar Monate und Jahre dauern, bis verwertbare Daten vorhanden sind und eine Gesetzesänderung in die Wege geleitet werden kann. Unsere europäischen Nachbarn wie Frankreich, die Niederlande und Portugal sind uns da bereits einen Schritt voraus und haben entsprechende Zinslimits für Kredite bereits eingeführt. Nur das von der Wirtschaftskrise gebeutelte Irland hat aus Verbrauchersicht noch schlechtere Konditionen als die Bundesrepublik. Eine funktionierende Überwachung der Privatkredit-Märkte können wir uns bei zahlreichen europäischen Ländern abschauen – Österreich, Finnland, Belgien und andere. Die Regulierung hat zur Folge, dass die Dispozinsen dort weit unter dem deutschen Niveau liegen.

Konsequenzen ziehen

Neuregelungen werden hierzulande von vielen Stellen gefordert. Stimmen werden laut, den Referenzzins durch die Politik festzulegen und sämtliche Kontoüberziehungen erst nach Zustimmung des Bankkunden zu ermöglichen. Statt teurer Überziehungszinsen soll es nur noch einheitliche Vollzugszinsen von sieben Prozent geben. Da dies aber eine recht unwahrscheinliche Zukunftsoption ist, bleibt dem Kunden in der Realität nur ein Ausweg, um den teuren Dispozinsen zu entfliehen: die Bank wechseln. Denn bei zahlreichen Instituten gibt es Zinsen von unter zehn Prozent. Sowohl die  SKG Bank, wie auch die DKB bieten sogar einen Zinssatz von 7,9 Prozent. Die Bedingungen einer Kontoüberziehung sollten aber nicht allein ausschlaggebend sein für den Bankenwechsel. Sind die Zinsen nämlich so niedrig wie bei der Skatbank, die nur sechs Prozent für eine Überziehung verlangt, dann wird das Geld an anderer Stelle wieder reingeholt. In diesem Fall durch eine Gebühr von zwei Euro pro Buchungsvorgang und kostenlosen Kreditkarten erst ab einem Geldeingang von mehr als 1.000 Euro pro Monat, bzw. einer Geldeinlage von 5.000 Euro.

Den goldenen Mittelweg finden

Ein knappes Dutzend Kreditinstitute bietet in Deutschland bei kostenloser Kontoführung und Überweisungen akzeptable Dispozinsen. Die Überziehungszinsen bilden also nicht den einzigen Bereich, in dem Geld eingespart werden kann. Kreditkarten sind ein weiterer Knackpunkt: Sie kosten zwischen 0 und 30 Euro. Auch weltweit kostenlose Geldabhebungen sind möglich. Institute mit fairen Konditionen bei Dispokrediten bieten häufig auch gute Tagesgeldverzinsungen an, z.B. die ING DiBa (2,0 Prozent für Neukunden). Auch, wenn es sich zunächst nur um vermeintlich kleine Beträge handelt, gilt hier: haben oder nicht haben.

(sr)

Weitere Artikel: