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Banking-Apps − Symbole des halbherzigen Modernisierungswillens deutscher Banken

22.05.2015 - 15:15

Statt großartiger Banking-Apps bieten viele namhafte Großbanken Apps, die von Verbraucherschützern vor kurzem lediglich als „befriedigend“ eingestuft wurden. Die verbesserungsbedürftige Leistungsfähigkeit der Programme spielt konkurrierenden Fintech-Start-ups in die Hände.

Mobiles Banking macht flexibel. Die Gebundenheit an den PC entfällt. Dass man Bankgeschäfte mit dem Smartphone oder Tablet erledigt werden kann, erscheint vielen als fortschrittlich. Für die Generation Smartphone, die mit mobilen Endgeräten aufgewachsen ist, ist das jedoch so normal wie die Butter am Brot. Unternehmen, die diese Kunden erreichen wollen, müssen daher Banking-Apps zur Verfügung stellen, die gleich sicher, funktionsfähig und nutzerfreundlich sind wie das Online-Banking. Der Praxistest zeigt jedoch, dass das nur auf die allerwenigsten zutrifft.
 

Banking-Apps fehlen wichtige Funktionen

Die Verbraucherschützer der Zeitschrift Finanztest haben 38 weitverbreitete Banking-Apps getestet – keine überzeugte restlos. Nur sieben schnitten mit „gut“ ab. Die große Masse, darunter auch die App der Deutschen Bank, Commerzbank, Comdirect, Targobank und Postbank, wurde lediglich mit „befriedigend“ bewertet. Ein Grund dafür ist, dass viele Apps nicht alle Funktionen des Online-Bankings bieten. Die App kann den PC letztlich nicht vollständig ersetzen. So ist es zum Beispiel bei elf der getesteten Programme nicht möglich, frühere Aufträge als Vorlagen zu speichern. Bei sieben kann kein Dauerauftrag eingerichtet werden. Überweisungen ins Ausland klappten bei dreizehn Apps nicht.

Dass die Leistungsfähigkeit so vieler Apps beschränkt ist, verwundert angesichts der Behauptungen von Vorstandsvorsitzenden großer Bankhäuser, sie wollen Modernisierungsmaßnahmen fördern und vorantreiben. Digitalisierung und die gute Erreichbarkeit über alle Online-Kanäle stünde für sie ganz oben auf der Prioritätenliste. Zumindest von Commerzbank und Deutscher Bank ist bekannt, dass tatsächlich Millionen in die Weiterentwicklung der Multikanal-Strategien geflossen sind. Die Hypo-Vereinsbank spart hingegen Geld, indem sie die Hälfte aller Filialen schließt. Das wird damit begründet, dass die Kunden ihre Geschäfte ohnehin über das Internet machen wollen. Die Verantwortlichen scheinen also genau über die Ansprüche und Wünsche ihrer Kunden Bescheid zu wissen. Dass sie dennoch keine besseren Produkte anbieten, spielt der Konkurrenz in die Hände.
 

Banken vs. Start-ups: Tradition oder Innovation?

Number26 Umsatzanzeige
So sieht die Umsatzanzeige beim NUMBER26-Girokonto aus.
Valentin Stalf, Gründer von NUMBER26, ist davon überzeugt, dass sich Banking im 21. Jahrhundert vor allem auf dem Smartphone abspielen wird. Deshalb bietet sein Unternehmen in Kooperation mit der Wirecard Bank das erste Girokonto fürs Smartphone an. Seiner Aussage nach bietet NUMBER26 das „Girokonto wie es heute sein soll, inklusive individueller Sicherheitseinstellungen, Finanzmanagement und Mitteilung aufs Handy für jede Kontobewegung.“

Was die Kritik an traditionellen Banken betrifft, nimmt sich Stalf kein Blatt vor den Mund. Des Öfteren hat er in Interviews bereits deren Untergang prophezeit. Gegenüber CHECK24 sagt er: „Zukünftig werden viele Bankprodukte nicht mehr von Banken im klassischen Sinn angeboten werden, das Angebot wird weiter wachsen und daher ist es umso wichtiger, den Überblick nicht zu verlieren. Wir sind davon überzeugt, dass klassische Banken in den nächsten Jahren massiv Marktanteile an „Online Player" verlieren werden, ähnlich wie die Musikindustrie im letzten Jahrzehnt oder Reisebüros. Alle diese Industrien haben den technischen Wandel verschlafen, die Banken sind die nächsten.“

Ob wir tatsächlich in zehn Jahren Banking nur noch via Smartphone und Tablet betreiben, ist schwer zu sagen. Der Trend scheint, dorthin zu gehen. Der Mensch schätzt die Flexibilität und Schnelligkeit mit der er im Internet agieren kann. Das gilt auch für den Girokontovergleich und die Eröffnung von Girokonten übers Internet. Letztere wurde im Herbst 2014 durch die Einführung der Video-Legitimation bei einigen Banken weiter vereinfacht. Die Video-Legitimation erlaubt die Prüfung der Identität der Bankkunden per Videochat. Sie erspart den Kunden die Durchführung des Postident-Verfahrens und den damit verbundenen Gang in die Postfiliale. Die Video-Legitimation wird sehr häufig genutzt – doch auch hier ist es noch nicht bei allen Banken möglich, sie auch über mobile Endgeräte durchzuführen.

(lsc)

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