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Girocard: Was ändert sich mit der neuen Gebührenregelung für Verbraucher?

08.10.2014 - 10:00

Anfang November tritt eine neue Gebührenregelung für die Zahlung per Girokarte in Kraft. Künftig sind die Gebühren nicht mehr fix, sondern werden von Händlern und Banken selbst ausgehandelt. Was ändert sich dadurch für Verbraucher?

Die Deutschen zahlen noch immer am liebsten mit Bargeld, doch der Anteil der Kartenzahlung nimmt stetig zu: Gemessen am Einzelhandelsumsatz machten Zahlungskarten im Jahr 2013 in Deutschland einen Anteil von 42,6 Prozent aus, das entspricht einer Steigerung von sieben Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kam das wissenschaftliche Institut des Handels, kurz EHI, in einer Studie. Die Zahlung per Girokarte ist aus dem Alltag also kaum mehr wegzudenken - doch wird sich durch die neue Gebührenregelung ab November auch für Kunden etwas ändern?

Deshalb fallen fixe Gebühren künftig weg

Ab November 2014 fallen die fixen Gebühren für die Zahlung per Girocard und PIN weg.
Bislang fiel bei der Zahlung per Girocard immer dann eine Gebühr an, wenn die Transaktion per PIN bestätigt wurde. Die Gebühr wurde vom Händler an die kartenausgebende Bank gezahlt. Das Bundeskartellamt hob diese Regelung jedoch auf. Als Begründung gab die Behörde an, dass die bisherige Gebühr in Höhe von 0,3 Prozent des Kaufpreises oder mindestens acht Cent eine Wettbewerbsbeschränkung darstelle.

Ein einheitliches Entgelt für die Kartenzahlung habe mit wettbewerblichen Marktverhältnissen nichts zu tun, sagte etwa der Präsident des Bundeskartellamtes Andreas Mundt. Das Ziel sei es vielmehr, differenzierte Entgelte zu ermöglichen, die das Ergebnis individueller Verhandlungen seien. Große Handelsketten oder Mineralölkonzerne hatten mit den Banken ohnehin bereits eigene Preise ausgehandelt – dies soll nun auch für kleinere Händler möglich sein.

Zu der Neuregelung gibt es auch kritische Stimmen: Ein Experte des Handelsverbands Deutschland (HDE), Ulrich Binnebößel, erwartet, dass durchschnittliche Händler durch die neue Regelung kaum Veränderungen der Gebühren spüren werden.

Wird es für Verbraucher bald günstiger?

Zahlen per PIN oder Unterschrift - Wo liegt der Unterschied?

Wenn man an der Kasse aufgefordert wird, den persönlichen PIN in das Terminal zu tippen, spricht man von dem sogenannten Girocard-Verfahren. Der Händler hat bei diesem Verfahren den Vorteil, dass geprüft wird, ob der Kunde über genügend Geld auf dem Konto verfügt. Für diesen Service zahlt der Händler eine Gebühr. Zahlt der Kunde hingegen per Unterschrift, fallen keine Kosten an. Das Risiko, dass der Händler am Ende auf der Rechnung sitzen bleibt ist bei diesem sogenannten ELV-Verfahren also höher.

Ein größerer Wettbewerb sorgt in der Regel für niedrigere Preise – das lehrt nicht nur die Basisliteratur der Ökonomie, sondern auch die Erfahrung. Nimmt man etwa die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes als Beispiel wird das deutlich: Kurz nach der Marktöffnung im Jahre 1989 begannen die Preise zu fallen und bereits etwa zwei Jahre später zahlten Verbraucher bis zu 90 Prozent weniger für´s Telefonieren. In der Regel versuchen Unternehmen in einem Wettbewerbsmarkt, ihre Waren und Dienstleistungen zu verbessern und möglichst günstig anzubieten – um sich so gegen die Konkurrenz durchsetzen zu können.

Auch im Falle der Girokartengebühren ist ein größerer Wettbewerb daher grundsätzlich zu befürworten. Darüber hinaus plant die EU eine europaweite Deckelung dieser Gebühren auf 0,2 Prozent und maximal sieben Cent – die endgültige Entscheidung darüber steht allerdings noch aus. Das EHI errechnete im Mai 2014, dass durch diese geplante Gebührendeckelung eine Kosteneinsparung in dreistelliger Millionenhöhe für den Handel möglich sei. Dies entspricht etwa 0,077 Prozent des gesamten Umsatzes - für den Handel ergäbe sich dann ein Preisspielraum in Höhe dieses Wertes. Der HDE-Experte Ulrich Binnebößel sagte gegenüber CHECK24, dass nach dem derzeitigen Stand der Verhandlungen mit Angeboten von 0,23 bis 0,28 Prozent sowie fünf bis sieben Cent zu rechnen ist. Die reale Kostenersparnis für den Handel läge damit dann bei etwa 65 Millionen Euro - etwa 0,019 Prozent des Umsatzes.

Bislang bezahlt der Händler diese Gebühr an die kartenausgebenden Bank und wälzt den Betrag am Ende auf die Verkaufspreise seiner Waren ab. Unter dem Strich trägt also der Kunde die Kosten. Teurer wird es für Verbraucher aller Voraussicht nach durch die neue Regelung also nicht. Fraglich bleibt aber, wie hoch die Kostenersparnis für die Händler am Ende tatsächlich ist und ob sie diese in Form von niedrigeren Verkaufspreisen an die Kunden weitergeben.

(bm)

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