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Was Paare über das Gemeinschaftskonto wissen sollten

22.10.2013 - 16:00

Die Liebe und das liebe Geld: Finanzfragen sind in vielen Partnerschaften ein unangenehmes Thema, das gerne auf die lange Bank geschoben wird. Einer Studie der Uni Augsburg zufolge organisieren knapp 80 Prozent der Paare ihre Finanzen ganz oder zum Teil kollektivistisch. Am einfachsten lassen sich Geldangelegenheiten und die gemeinsame Haushaltsführung mit Hilfe eines Gemeinschaftskontos organisieren. Dabei gibt es jedoch einige Punkte zu beachten.

In vielen Beziehungen werden die Finanzen gemeinsam geregelt.
Das Partnerkonto kann als Und- Konto oder als Oder-Konto geführt werden. In der Praxis hat sich jedoch das Oder-Konto durchgesetzt, da diese Variante deutlich flexibler ist. Hier können alle Kontoinhaber unabhängig voneinander über das Konto verfügen. Das bedeutet beispielsweise, dass Überweisungen oder Rückbuchungen ohne das Einverständnis des anderen Kontoinhabers vorgenommen werden dürfen. Einschränkungen gibt es lediglich bei der Kreditaufnahme, der Kündigung des Kontos oder der Erteilung von Kontovollmachten an Dritte: In diesen Fällen müssen selbstverständlich beide Verfügungsberechtigten ihr Einverständnis abgeben.

Das Und-Konto wird viel seltener genutzt und kommt meist nur noch im Falle einer Erbengemeinschaft zum Einsatz. Bei dieser Kontoform können ohne die Bestätigung aller Verfügungsberechtigten keine Bankgeschäfte getätigt werden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass alle Kontoinhaber jederzeit die volle Kontrolle über das Gemeinschaftskonto behalten. Die Kontoform bietet sich deshalb besonders für Zweckgemeinschaften an, die nicht zwangsläufig in einem Vertrauensverhältnis zueinander stehen.

Was passiert mit dem Gemeinschaftskonto, wenn einer der Kontoinhaber stirbt?

Das Und- Konto und das Oder-Konto unterscheiden sich im Erbfall. Beim Oder-Konto ist der zweite Kontoinhaber im Todesfall des Partners allein verfügungsberechtigt. Er ist allerdings verpflichtet, möglichen (weiteren) Erben ihren gesetzlich oder testamentarisch festgelegten Erbteil auszuzahlen. Kann der Guthabenanteil des Erblassers nicht mehr eindeutig festgestellt werden, wird die Summe in gleiche Teile gesplittet. Beim Und-Konto treten der oder die Erben an Stelle des Erblassers. Der noch lebende Kontoinhaber kann folglich nur gemeinsam mit den neuen Verfügungsberechtigten finanzielle Entscheidungen treffen.

Darf das Finanzamt ein Gemeinschaftskonto pfänden?

Wie ein klassisches Girokonto kann das Gemeinschaftskonto mit einem gültigen Gerichtsbeschluss gepfändet werden. Auch hier gibt es allerdings Unterschiede zwischen den beiden Kontoformen: Im Falle des Oder-Kontos haften alle Kontoinhaber gesamtschuldnerisch. Das bedeutet, dass das gesamte Sparguthaben gepfändet werden darf. Folglich birgt diese Kontoform die Gefahr, dass ein Kontoinhaber gemeinsam mit dem anderen haften muss, obwohl er die Verschuldung gar nicht zu verantworten hat. Das Oder-Konto erfordert somit eine gehörige Portion Vertrauen gegenüber dem Partner.

Ein Und-Konto zu pfänden, gestaltet sich für das Finanzamt deutlich schwieriger, da hier gegen jeden Kontoinhaber ein Pfändungsbeschluss vorliegen muss. In der Praxis besteht jedoch meist nur gegen einen Verfügungsberechtigten ein vollstreckbarer Titel. Dieser darf folglich keine Bankgeschäfte mehr tätigen – was jedoch automatisch auch für den zweiten Inhaber gilt, da die Verfügung nur gemeinsam möglich ist. Letztendlich richtet sich die Kontopfändung nach dem in der Kontengemeinschaft bestehenden Rechtsverhältnis. Damit das Finanzamt nur denjenigen Teil des Guthabens pfänden kann, gegen dessen Besitzer der Pfändungsbeschluss vorliegt, muss eine Bruchteilsgemeinschaft nachgewiesen werden. Ist dies nicht möglich, dürfen die Gläubiger das gesamte Kapital pfänden.

(fr)

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