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Privatbanken reduzieren Gebühren am Geldautomat deutlich

14.01.2011 - 17:41

Ab dem 15. Januar 2011 gibt es in Deutschland ein transparenteres System über die Gebühren an Geldautomaten. Die Privatbanken deckeln ihre Gebühren gegenüber Fremdkunden sogar auf 1,95 Euro. Eine einheitliche Obergrenze konnte jedoch nicht festgelegt werden. Das Kartellamt und das Verbraucherschutzministerium sind skeptisch, ob die Neuregelung tatsächlich für niedrigere Preise sorgt.

Bereits im Sommer war die Höhe der Gebühren, die Banken für das Geldabheben von Kunden anderer Bankinstitute verlangen, heiß diskutiert worden. Das Bundeskartellamt bemängelte die hohen Gebühren und drohte gar mit kartellrechtlichen Sanktionen. Nun gibt es zumindest einen kleinen Fortschritt: Zwar haben sich die drei Bankenverbände noch immer nicht auf eine einheitliche Obergrenze für die Gebühren einigen können, doch der Verband der Privatbanken (Bundesverband deutscher Banken - BdB) legte mit einer deutlichen Senkung der Gebühren bereits vor: Ab dem 15. Januar 2011 verlangen die privaten Bankinstitute von Fremdkunden maximal 1,95 Euro für das Geldabheben an ihren Automaten. Jedoch wird nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung auch keine der Privatbanken weniger als den festgelegten Höchstbetrag verlangen. Das Geldabheben innerhalb der Automatenverbünde bleibt nach wie vor kostenlos.

Berechnungen der Frankfurter Finanzberatung FMH zufolge, liegen die Gebühren im Durchschnitt aller Sparkassen und Banken bei 5,64 Euro, in der Spitze müssen Verbraucher sogar bis zu 10 Euro zahlen. Somit steht die neue Gebührenobergrenze im BdB für eine deutliche Preissenkung, doch nach Informationen der FMH kostet der Abhebevorgang von Kunden anderer Unternehmen die Geldinstitute letztlich nur 0,63 Euro. Andreas Schmitz, Präsident des BdB, forderte in der Bild-Zeitung die Sparkassen und Volksbanken dazu auf, sich dem Vorgehen der Privatbanken anzuschließen. Diese ziehen zwar nach, aber erreichen nicht das niedrige Gebührenniveau der BdB-Banken.

Sparkassen gegen eine Obergrenze für Gebühren am Geldautomat

Sparkassen und Genossenschaftsbanken stemmen sich weiter gegen eine Begrenzung der Gebühren an Geldautomaten – kaum verwunderlich, verfügen sie doch über ein stark ausgebautes Netz von über 40.000 Automaten und sind gerade in ländlichen Gegenden oftmals der einzige Anbieter. Hauptsächlich missfällt den beiden Verbänden, dass gerade die Kunden der Direktbanken – die ohnehin nicht für die Wartungs- und Instandhaltungskosten der Geldautomaten zahlen müssen – am meisten von einer Gebührendeckelung profitieren würden.

Darum einigte sich der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) auf ein transparentes System, nach welchem Kunden darüber informiert werden müssen, wie hoch die anfallenden Gebühren sind. So kann der Kunde entscheiden, ob er die Transaktion tätigen will oder nicht. Bislang waren Auskünfte über die Gebührenhöhe freiwillig und nicht in jedem Fall am Automaten vermerkt. Die Information soll zukünftig im Display angezeigt werden, bis Ende Juni 2011 genügt jedoch ein entsprechender Aufkleber am Automaten. Diese Möglichkeit will von den großen Banken jedoch nur die Commerzbank nutzen. Des Weiteren soll die neue Regelung „diskriminierungsfrei“ sein, das heißt, dass beispielsweise eine Genossenschaftsbank einem Kunden der Postbank keine höheren Gebühren berechnen darf, als einem Sparkassen-Kunden.

Hinter diesem System steckt jedoch auch eine andere Änderung: Die Banken erhoben bisher die Gebühr direkt bei dem Geldinstitut des Fremdkunden, dieses gab sie dann (zumindest teilweise) an seine Kunden weiter. Untereinander werden die Banken nun keine Gebühren mehr erheben, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die nun fällige Summe fürs Geldabheben an fremden Automaten direkt vom Guthaben des Kunden abgezogen wird.

ZKA rechnet mit raschem Preisnachlass – Kartellamt ist skeptisch

Der ZKA, der sich aus dem BdB, dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) und dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zusammensetzt, rechnet mit einer raschen Preissenkung aufgrund des Kompromisses. Ein Sprecher des ZKA sagt gegenüber Welt Online: „Wir gehen davon aus, dass die gefundene Regelung schnell zu sinkenden Preisen führt.“

Sowohl das Bundeskartellamt als auch das Verbraucherschutzministerium sehen die Kompromisslösung eher skeptisch. Transparenz würde laut einem Sprecher des Kartellamtes nicht automatisch zu sinkenden Preisen führen, da es in weiten Teilen Deutschlands keinen ausreichenden Wettbewerb um Fremdkunden gebe. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) ließ über einen Sprecher mitteilen, dass die Neuregelung zwar ein Schritt in die richtige Richtung sei, jedoch neben der Transparenz auch für ein angemessenes Preismodell gesorgt werden müsse.

(tei)

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