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Schluss mit Gebühren am Geldautomat? Kartellamt macht Druck

21.04.2011 - 10:43

Zwar hat sich schon einiges getan im Streit um Gebühren am Geldautomaten, doch nach wie vor verlangen manche Banken saftige Gebühren, wenn bankfremde Kunden bei ihnen Geld abheben. In einem halben Jahr soll sich aber alles ändern, denn das Bundeskartellamt macht jetzt Druck auf die Kreditinstitute.

Über 500 Banken wurden vom Bundeskartellamt befragt, um herauszufinden, welche Auswirkungen das direkte Kundenentgelt seit seiner Einführung hatte. Nun wurde ein Ultimatum gestellt: sechs Monate Zeit für Änderungen haben Kreditinstitute, die von Kunden anderer Banken Gebühren von bis zu zehn Euro pro Abhebung verlangen. Die Fortschritte sollen monatlich überprüft werden, danach wird über weitere Schritte entschieden. Vor einem Vierteljahr erst hatte die Bankenbranche sich selbst neue Transparenz-Richtlinien auferlegt, doch das reicht nicht. Jetzt macht das Bundeskartellamt ernst.

Leidiges Thema: Gebühren am Geldautomaten

Wie hoch die Gebühren fürs Abheben am EC-Automaten sind, kann der Kunde seit dem 15. Januar direkt auf dem Bildschirm des Automaten sehen und erfährt nicht erst im Nachhinein auf dem Kontoauszug, wie teuer sein Bargeld war. Es bleibt damit dem Verbraucher selbst überlassen, ob er lieber woanders Geld abhebt, oder die Gebühren in Kauf nimmt. Eine Abbuchung der Gebühr erfolgt direkt vom Girokonto des Kunden. Früher hatten die Banken die Abhebegebühren zunächst untereinander verrechnet. Durch die Umstellung konnten einige Geldhäuser tatsächlich ihre Gebühren senken. Bei manchen Kreditinstituten wurde sofort nach der Neuerung eine Senkung von 15 Euro auf weniger als fünf Euro vorgenommen. Während der letzten Wochen sind auch andere Banken dem Trend gefolgt.

Immer noch hohe Gebühren

Allerdings verlangen zahlreiche Anbieter 10 Euro fürs Geldabheben. Auch eine prozentuale Gebühr oder eine Mindestgebühr in Höhe von 3,50 Euro können fällig werden, wenn man bei einer Fremdbank Geld abhebt. Einige private Kreditinstitute wie die Commerzbank und die Deutsche Bank haben sich schon Mitte Januar auf eine einheitliche Gebühr von 1,95 Euro fürs Abheben an anderen Automaten geeinigt. Jetzt will das Bundeskartellamt die Gebührenentwicklung ganz genau im Auge behalten. Bereits letztes Jahr hatte es ein Schreiben des Kartellamtes an die Dachorganisation für das Kreditgewerbe, den Zentralen Kreditausschuss (ZKA) gegeben. Darin hieß es, dass eine maximale Abhebegebühr in Höhe von fünf Euro, wie sie die Banken diskutierten, etwa fünf- bis fünfzehnmal über den Gebühren läge, die sich Genossenschaftsbanken und Sparkassen verbundsintern selbst berechneten: Laut dem Bundeskartellamt sei dies unzumutbar.

Abheben im Bankenverbund

In Deutschland gibt es rund 55.000 Geldautomaten. Daran haben die Sparkassen mit 26.000 Bankautomaten den Löwenanteil. Die Genossenschaftsbanken betreiben 19.000 Maschinen und der Rest wird von privaten Banken unterhalten. Dabei fallen 7.700 Automaten auf die Cash Group und immerhin noch 2.500 auf den Cashpool. Das Bankhaus August Lenz betreibt etwa 1.000 Automaten, besonders in Einkaufszentren und Kinos. Allerdings muss nur ein kleiner Teil der Verbraucher Gebühren beim Abheben bezahlen, denn die überwiegende Mehrheit – etwa 95% aller Kunden – hebt Bargeld nur beim eigenen Kreditinstitut ab oder bei einer Partnerbank aus demselben Netz. In den meisten Fällen übernimmt dann die Hausbank die anfallenden Gebühren.

Gelassenheit bei den Banken

Zwar hatte das Bundeskartellamt die Einführung des direkten Kundenentgelts seinerzeit begrüßt, doch war das Thema einer kartellrechtlichen Prüfung nie ganz vom Tisch. Um aber mehr Wettbewerb zu bewirken, sei das Kundenentgelt allein noch nicht ausreichend, obwohl die Verbraucher durch die Neuerung mehr Einfluss auf Gebühren hätten. Die Volks- und Raiffeisenbanken demonstrieren unterdessen Gelassenheit. Hier ist man davon überzeugt, dass beim Kartellamt kein Anlass gefunden wird, im Genossenschaftssektor entsprechende Reglementierungs-Maßnahmen einzuleiten. Dass dem tatsächlich so ist, können Sparkassen und Genossenschaftsbanken dann innerhalb der nächsten sechs Monate unter Beweis stellen.

(sr)

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