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Drei-Monats-Euribor erstmals negativ: Purzeln jetzt die Dispozinsen?

06.05.2015 - 10:41

Der Geldmarktzins, zu dem sich Banken in der Eurozone untereinander Geld leihen, fiel Ende April erstmals in den negativen Bereich. Das geht aus einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hervor. Seitdem lag der sogenannte Drei-Monats-Euribor durchgehend im Minus. Für Privatkunden ist dieser Zinssatz interessant, weil sich die Höhe der Dispozinsen auf dem Girokonto daran orientiert.

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) am 5. Juni 2014 den Leitzins senkte, passten einige Banken die Dispozinsen relativ zeitnah nach unten an. Der Großteil der Geldhäuser reduzierte die Dispozinsen allerdings nur um 0,1 Prozentpunkte. Seitdem hat sich nicht viel getan, die letzte Leitzinssenkung der EZB im September brachte nicht viel günstigere Konditionen für Girokonto-Kunden.

Könnte der negative Euribor Bewegung in den Markt bringen?

Bankengebäude im Finanzdistrikt
Der Drei-Monats-Euribor ist erstmals negativ. Das ist der Geldmarktzins zu dem sich Banken untereinander Geld leihen.
Zwar sind die Banken gesetzlich verpflichtet, ihre Dispozinsen an einen Referenzsatz zu koppeln – es muss jedoch nicht der EZB-Leitzins sein. Bei etwa zwei Drittel der Banken und Sparkassen dient der Drei-Monats-Euribor als Referenzzins. Dieser hatte sich lange Zeit kaum verändert und sank Ende April nun erstmals ins Minus. Wird das für Bewegung im Markt sorgen?

„Die Festlegung von Zinssätzen ist grundsätzlich eine individuelle geschäftspolitische Entscheidung des einzelnen Kreditinstituts“, sagt Tanja Beller vom Bundesverband der Banken gegenüber CHECK24. „Als Verband können wir keine Markteinschätzung abgeben, ob die Dispozinsen sinken werden. Die Banken informieren ihre Kunden aber detailliert über die Art und Weise der Zinsanpassung, etwa in Abhängigkeit von der Entwicklung eines Referenzzinssatzes“, so Beller weiter.

Da die Europäische Zentralbank eine faktische Untergrenze von minus 0,2 Prozent gezogen hat, kann der Euribor sich nicht immer weiter nach unten bewegen. „Für sich genommen haben die negativen Drei-Monats-Zinsen - wie auch der bereits seit Ende Februar kontinuierlich negative 1-Monats-Zins - keine direkte Auswirkung“, so die Einschätzung des Bundesverbands der Banken. Generell zeige die Entwicklung aber, dass von der EZB zu viel Liquidität bereitgestellt werde und die Banken in Deutschland zu wenig rentable Investitionsmöglichkeiten finden würden.
Verbraucherschützer halten Dispozinsen in einer Höhe von sieben Prozentpunkten über dem Drei-Monats-Euribor für gerechtfertigt. Würden die Banken diese Empfehlung ernst nehmen, lägen die Zinsen für Dispokredite aktuell bei einem Wert von knapp unter sieben Prozent.

Wo finden Kunden die günstigsten Dispozinsen?

Es bleibt abzuwarten, ob die Dispozinsen nun tatsächlich sinken werden. Klar ist aber, dass Direktbanken in der Regel die günstigsten Zinsen bieten. Im Schnitt lagen die Zinsen für Dispositionskredite bei deutschen Banken im Jahr 2014 bei 10,65 Prozent. Direktbanken schneiden da deutlich besser ab. Vergleicht man die Konditionen vom November 2013 mit den aktuellen Werten, waren die Zinsen nicht nur günstiger als der Bundesdurchschnitt, sondern fielen bei einigen Direktbanken sogar noch. Die DAB Bank und die DKB reichen mit dem Wert von 7,50 Prozent am nächsten an die Vorgabe der Verbraucherschützer heran, wie die Übersicht zeigt:
Bank Dispozins November 13 Dispozins Mai 15
DAB Bank 7,50% 7,50%
DKB 7,90% 7,50%
1822direkt 7,74% 7,74%
Targobank 8,99% 7,79%
netbank 8,00% 8,00%
Consorsbank 8,50% 8,03%
comdirect 9,40% 8,95%

Warum der Drei-Monats-Euribor erstmals negativ ist

Die Euro Interbank Offered Rate, kurz Euribor, ist ein Referenzzinssatz im Interbankengeschäft, der für Laufzeiten zwischen einer Woche und zwölf Monaten ermittelt wird. Am meisten Beachtung findet die dreimonatige Laufzeit. „Nach der EZB-Entscheidungen vom Januar dieses Jahres war zu erwarten, dass auch der Drei-Monats-Euribor sich in den negativen Bereich entwickeln wird. Aktuell (Stand 4. Mai 2015) liegt der 3-Monats-Zins bei -0,007 % und hat sich seit Jahresbeginn um 0,06 Prozentpunkte reduziert“, so der Bankenverband.
Grund für den erstmaligen Absturz dieses Zinses vor zwei Wochen ist der große Geldbestand: Die Europäische Zentralbank (EZB) startete Anfang März ein Anleihenkaufprogramm. Monatlich sollen bis mindestens September nächsten Jahres 60 Millionen Euro in den Markt gepumpt werden. Banken, die ihre Staatsanleihen an die EZB verkaufen, wollen ihre überschüssigen liquiden Mittel jedoch nicht bei der Notenbank liegen lassen. Denn dort zahlen sie einen Strafzins für Einlagen in Höhe von minus 0,2 Prozent. Für Geschäftsbanken ist es daher oftmals günstiger, überschüssiges Geld bei anderen Banken zu horten, auch wenn der Referenzzins hier negativ ist.

(bm)

 

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