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Zu hohe Dispozinsen: Der Zankapfel zwischen Banken und Verbraucherschützern

17.02.2011 - 11:17

Wenn Verbraucher ihr Girokonto überziehen, dann klingeln bei den Banken die Kassen. Nicht selten liegen die Dispozinsen im zweistelligen Bereich. Ein klarer Fall von Abzocke, finden Verbraucherschützer. Jetzt schaltet sich auch die Bundesregierung ein.

Es riecht nach Ärger für die Banken, denn Verbraucherschützern gehen die teilweise astronomisch hohen Überziehungszinsen gewaltig gegen den Strich. Sie erteilten kürzlich zehn Kreditinstituten eine Abmahnung und verlangten eine Zinssenkung. Auch juristische Konsequenzen sind nicht ausgeschlossen, denn obwohl sich die Marktzinsen momentan auf einem verhältnismäßig niedrigem Niveau befinden, erzielt der durchschnittliche Dispozins wahre Spitzenwerte – eine Kluft, für die es keine sachliche Rechtfertigung zu geben scheint.

Hohe Dispozinsen trotz Niedrigzinsphase

Das Bundesverbraucherministerium hat sich im Kampf gegen die hohen Überziehungszinsen auf die Seite der Verbraucherschützer geschlagen. Dort heißt es, dem Kunden stehe Transparenz in Zinsentscheidungen zu. Wenn es zu einer Änderung kommt, dann muss der Bankkunde genau Bescheid wissen, wie und warum die Zinsen geändert werden. Das Ministerium stellte eine Benachteiligung der Bankkunden fest, wenn es um die Kontoüberziehung geht. In einer Niedrigzinsphase wie sie gerade besteht, seien Überziehungszinsen von 15% und mehr absurd. Statt Zinssenkungen an die Verbraucher weiterzugeben, belasten Banken diese durch überzogene Zinsen und streichen lieber die Vorteile ein, die sich aus Zinssenkungen bei der Zentralbank ergeben.

Unverständnis bei den Finanzverbänden

Beim Bundesverbraucherministerium ist eine umfassende Untersuchung geplant, die bis zum Ende des Jahres beendet sein soll. Im Rahmen der Studie werden die Zinsanpassungsvorgänge und die Zinsanpassungsklauseln der Kreditinstitute auf Herz und Nieren geprüft. Bei den Spitzenverbänden in der Finanzbranche stoßen die schon vor Monaten aufgekommenen Vorwürfe auf Ablehnung und Unverständnis. So machte der Zentrale Kreditausschuss darauf aufmerksam, dass die Zinsen für den Dispo innerhalb der letzten zwei Jahre um ganze zwei Prozentpunkte gesunken seien – auf weniger als zehn Prozent. Dies ginge aus Bundesbank-Daten hervor. Außerdem würden Dispokredite im Normalfall auch nur übergangsweise in Anspruch genommen, heißt es bei den Verbänden. Für langfristige Finanzierungsprojekte stünden Ratenkredite zu wesentlich besseren Konditionen zur Verfügung.

Willkür und Zinshöhe angeprangert

Insbesondere die Anpassungsklauseln sind den Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Danach können die Kreditinstitute ihre Zinsen nach Gutdünken festlegen. Besonders sauer stößt dem Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) allerdings neben der eigentlichen Zinshöhe auch die willkürliche Zinsgestaltung der Kreditinstitute auf. Um dem entgegenzuwirken, wird eine gesetzliche Deckelung bei Refinanzierungs- und Überziehungszinsen gefordert. Doch vorerst soll es bei einer Abmahnung bleiben, ohne dass die Justiz auf den Plan gerufen wird. Letztes Jahr gab es bereits ähnliche Unstimmigkeiten. Damals ging es um überzogene Gebühren beim Geldabheben. Nachdem sich das Kartellamt eingeschaltet hatte, deckelten immerhin die Privatbanken die Entgelte auf 1,95 Euro pro Abhebung.

(sr)

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