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Dispokredit: Vorsicht bei falscher Zinsberechnung

18.06.2014 - 10:50

Die Banken kommen so günstig an Geld wie nie zuvor: Der Leitzins der EZB liegt auf einem Rekordtief von 0,15 Prozent. Doch viele Geldhäuser geben die günstigen Zinsen nicht an die Verbraucher weiter. Insbesondere bei Dispozinsen langen die Banken noch immer kräftig zu und kassieren hohe Gebühren für die Bereitstellung des Dispositionskredites. In manchen Fällen werden die Zinsen für die Kontoüberziehung sogar falsch berechnet. Was Verbraucher beachten müssen.

Im Schnitt lag der Dispozins im vergangenen Jahr nach Angaben der Stiftung Warentest bei deutschen Banken und Sparkassen bei elf Prozent. Viele Banken kassierten sogar 13 Prozent und mehr - nach Ansicht von Verbraucherschützern viel zu viel. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen etwa hält einen Dispozins von sieben Prozent über dem Dreimonats-EURIBOR für angemessen. Dieser Referenzzinssatz liegt aktuell bei 0,234 Prozent – ein Dispozins von etwa 7,3 Prozent wäre aus Verbraucherschutzsicht gerechtfertigt.

Das sind die Dispo-Tricks der Banken

Falsch berechnete Dispozinsen können sich auf Dauer summieren. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf den Kontoauszug zu werfen.
Eine Handhabe gegen zu hohe Dispozinsen haben Verbraucherschützer nicht: Die Forderung an die Politik, die Dispozinsen gesetzlich zu deckeln, verhallten bislang im Nichts. Zwar passten einige Banken nach der Leitzinssenkung am 5. Juni ihre Dispozinsen nach unten an – jedoch nur geringfügig. Generell stellen Verbraucherschützer fest, dass Banken bei Zinsanpassungen oftmals schneller sind, wenn dies zu ihrem eigenen Vorteil ist und die Zinsanpassung langsamer vornehmen, wenn sie dadurch finanzielle Einbußen hätten.

Banken haben wie andere Unternehmen auch eine Gewinnerzielungsabsicht. Die derzeit historisch niedrigen Zinsen haben den Wettbewerbsdruck auf die Kreditinstitute massiv verschärft. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb so manche Bank die Berechnung der variablen Zinssätze zur ihren Gunsten auslegt.

Markus Feck, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sagte gegenüber dem ZDF, dass sich bestimmte Vertragsarten anbieten würden, dem Kunden mehr zu berechnen. Dazu gehören beispielsweise auch die variablen - und damit bei der Überziehung des Girokontos.

Und tatsächlich: Eine Untersuchung der Firma Zinspruef im Jahr 2013 ergab, dass einige Banken Fehler bei der Zinsabrechnung machen. Insgesamt wurde Firmen und Privatleuten dadurch oftmals zu viel vom Konto abgezogen. Ein Grund für die fehlerhafte Abrechnung war beispielsweise, dass für die Berechnung der Dispozinsen mehr Tage herangezogen wurden, als der jeweilige Monat eigentlich hatte. Plötzlich gab es beispielsweise den 32. Juni.

Wenn Kunden sowohl das Girokonto als auch einen Ratenkredit bei der gleichen Bank haben, kann auch eine zu frühe Abbuchung der monatlichen Kreditrate zum finanziellen Nachteil des Kunden sein. Allgemein können verzögerte Gutschriften und frühere Wertstellungen - also Abbuchungen vom Konto - die Dispozinsen in die Höhe treiben.

Verbraucherschützer raten Kunden, darauf zu achten, ob die Bank Beträge früher als vertraglich vereinbart vom Konto abbucht. Beispielsweise hat das Geldinstitut - je nach Verinbarung - in der Regel erst zum Ersten oder Fünfzehnten des Monats ein Recht auf die monatliche Kreditrate. Wird diese bereits früher abgebucht, sollte sich der Kunde diesbezüglich an sein Geldinstitut wenden.

Was tun bei falsch berechneten Zinsen?

Markus Feck von der Verbraucherzentral Nordrhein-Westfalen empfiehlt Verbrauchern, den Dispokredit nur im äußersten Notfall in Anspruch zu nehmen. Müssen finanzielle Engpässe langfristig überprüft werden, sollten Kunden besser einen Ratenkredit beantragen und im Vorfeld zudem Kreditangebote vergleichen, so der Verbraucherschützer weiter.

Wird der Dispositionskredit dennoch in Anspruch genommen – statistisch gesehen tut das jeder fünfte Deutsche regelmäßig – sollten die Kontoauszüge regelmäßig kontrolliert werden. Um zu prüfen, ob die Zinsen ihres Dispokredites zu hoch sind, können Verbraucher beispielsweise kostenlos einen Zinsrechner im Internet zu Rate ziehen und diesen Wert mit dem ursprünglich vereinbarten Dispozins vergleichen.

Allerdings ist es für Bankkunden oftmals schwer zu prüfen, ob die Dispozinsen korrekt berechnet wurden. Wenn es um hohe Beträge geht, lohne es sich jedoch nach Ansicht des Verbraucherschützers Markus Feck, einen Zinsprüfer zu beauftragen und diesen nachrechnen zu lassen. Werden falsch berechnete Dispozinsen festgestellt, können bereits bezahlte Beträge erstattet werden.

Auch Forderungen, die länger als die zehnjährige Verjährungsfrist zurückliegen können noch geltend gemacht werden, erklärt Feck. Es lohne sich demnach, Kontoauszüge entsprechend lange aufzubewahren. Wird beispielsweise die monatliche Kreditrate zu früh vom Konto abgebucht, können sich Kunden das Geld zurückbuchen lassen oder sich den Zinsschaden erstatten lassen.

Vor dem Abschluss eines Girokontos lohnt es sich, die Konditionen verschiedener Konten zu vergleichen. Welche Konten aktuell die günstigsten Dispozinsen haben, erfahren Sie hier.

(bm)

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