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Klebrige Falle: Cash Trapping am Geldautomat

22.02.2011 - 18:45

Betrüger haben eine neue fiese Masche, um am Geldautomat Bares zu erbeuten - das sogenannte Cash Trapping. Mit einer einfachen Klebevorrichtung und einer falschen Blende schnappen sie sich die Scheine – während der Kunde einen harmlosen Automatendefekt vermutet.

Es scheint nichts weiter als eine technische Störung zu sein: Man gibt am Bankautomat seine PIN und die gewünschte Abhebesumme ein, das Gerät rattert ein wenig, und dann – nichts. Der Schlitz bleibt geschlossen. Irgendwann erscheint auf dem Display der Satz „Das Geld wird wieder eingezogen“. Wer sich jetzt vom Automaten entfernt, um beim Bankberater auf die Störung aufmerksam zu machen, der hat verloren. Denn die Täter lauern bereits ganz in der Nähe. Sobald die Luft rein ist, entfernen sie die falsche Blende am Ausgabeschlitz, die man im Baumarkt für ein paar Euro erhält. Normalerweise benutzt man diese Aluminium-Leisten, um die Enden von Teppichen zusammenzuhalten.

Auf den Leim gegangen

An der Innenseite der Fake-Blende wird ein Klebeband angebracht. Dann montieren die Betrüger die Konstruktion am Geldautomaten. In den letzten Wochen wurden in Deutschland immer mehr Betrugsfälle dieser Art bekannt. Wenn die Scheine ausgegeben werden, bleiben sie ganz einfach am Klebstreifen hängen – so wird verhindert, dass sie wieder eingezogen werden. Wenn der verwirrte Kunde sich vom Ort des Geschehens entfernt hat, brauchen die Täter nur noch das Bargeld abzuholen. Experten nennen diese Methode „Cash Trapping“. Im Oktober letzten Jahres wurde dieses Vorgehen erstmals hierzulande beobachtet. In Stuttgart und Umgebung kam es besonders vor Weihnachten vermehrt zu Fällen von Cash Trapping. Aber auch aus Bremen, Mainz und Nürnberg werden Vorfälle gemeldet. In der Regel sind es 50 bis 200 Euro, die abgehoben werden. Doch manche Bankkunden wurden um 500 Euro in bar betrogen. Manchmal werden einige der Scheine auch wieder eingezogen, wenn ein Teil des Geldes nicht kleben bleibt. Dennoch lohnt sich der Betrug mit dem Kleber für die Täter: Sie können die Methode beliebig oft anwenden, wodurch sich die Beute summiert.

Erste Fahndungserfolge

Ende Januar schnappte dann zur Abwechslung die Falle der Polizei zu und diesmal gingen die Betrüger ins Netz. Bei einer Zufallskontrolle in der Nähe von Nürnberg griffen Beamte auf der Autobahn zwei Ungarn auf, in deren Kofferraum sich alle Zutaten für die Klebefallen befanden: Aluminiumblenden, Klebebänder und daneben ein Geldbetrag in vierstelliger Höhe. Dabei wiesen die Geldscheine teilweise noch Reste vom Kleber auf. Durch Kameraaufnahmen konnten mehrere Betrugsfälle in Baden-Württemberg dem Duo zugeordnet werden. Es muss aber mindestens noch eine weitere Tätergruppe geben, denn auch nach der Festnahme der beiden Ungarn rissen die Automatenmanipulationen nicht ab.

Wie Sie sich vor Cash Trapping schützen

Wenn das Ausgabefach nicht ohne weiteres zugänglich ist oder sich ungewöhnliche Vorbauten oder Blenden am Ausgabeschlitz befinden, dann ist Vorsicht geboten. Da die Konstruktion nur provisorisch angeklebt ist, lässt sie sich durch Rütteln leicht enttarnen. In diesem Fall sollten umgehend die Bank sowie die Polizei verständigt werden, denn der oder die Täter sind höchstwahrscheinlich nicht weit weg. Man sollte deshalb besonders vorsichtig vorgehen.

(sr)

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