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Wieso senken Banken trotz Leitzinssenkung nicht die Dispozinsen?

24.05.2013 - 12:47

Es erscheint unfair: Während Banken kaum noch Zinsen für die Refinanzierung zahlen, müssen Kontobesitzer beim Dispokredit tief in die Tasche greifen. Verbraucherschützer und Politiker rügen die Banken wegen dieser Zinspolitik – was bislang kaum Erfolg gezeigt hat. Warum geben die Institute die günstigen Konditionen nicht weiter und senken die Dispozinsen?

Jüngst senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,5 Prozent und schürte damit die Hoffnung, dass Banken diese Ersparnis an die Kunden weitergeben könnten. Denn bei dem Leitzins handelt es sich um den Hauptrefinanzierungszins der Kreditinstitute – zu diesem Zinssatz leihen sie sich Geld bei den Notenbanken. Doch nach Medienberichten haben seither nur vier Kreditinstitute – die Deutsche Bank, die Norisbank, die Berliner Bank, die Comdirect Bank und die Santander Consumer Bank – eine Senkung des Dispozinses angekündigt oder bereits vorgenommen.

Banken sind aber seit Juni 2010 gesetzlich dazu verpflichtet, die Sollzinsen des Girokontos an einen Referenzzins zu koppeln. Sinkt dieser, müssen auch die Dispozinsen nach unten korrigiert werden und umgekehrt. Das Problem: Nicht alle Banken orientieren sich dabei an dem Leitzins. Darüber hinaus verfügen Sollzinsen über mehrere preisbestimmende Faktoren.

Wie die Dispozinsen berechnet werden

Die Höhe des Dispozinses setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen: Wie das Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in einer gemeinsamen Studie analysierten, sind neben den Refinanzierungskosten unter anderem auch die Eigenkapitalkosten relevant. Dabei handelt es sich um die Ausgaben, die die Branche für die Verzinsung des Eigenkapitals ansetzt. Die Höhe der Kosten ist vom übernommenen Risiko und der Eigenkapitalhöhe abhängig. Zudem setzen sich die Dispozinsen aus der Risikoprämie, den Kosten des operativen Geschäfts sowie der Gewinnmarge zusammen. Ein Referenzzins wie der Leitzins ist demnach nicht die einzige Größe, die Einfluss auf den Sollzins nimmt.

Zusätzlich spielt die Marktmacht eine entscheidende Rolle: Solange Bankkunden nicht selbst handeln, haben die Banken freies Spiel. Würden Verbraucher, die ein Girokonto mit einem hohen Dispozinssatz besitzen, zu einem Konkurrenten mit einem günstigeren Dispokredit wechseln, würde das den Wettbewerb anheizen. Banken wären gezwungen, ihre Konditionen von selbst nach unten zu korrigieren. Doch die Bereitschaft, das Konto zu wechseln, ist nicht bei allen Verbrauchern gegeben. Den in erster Linie wird das Girokonto für den Zahlungsverkehr genutzt – und nicht zur Kreditaufnahme. Eine räumliche Nähe zur Bank ist daher für viele Verbraucher ein wichtiges Kriterium – lokale Anbieter verfügen daher vor allem in ländlichen Regionen über eine Marktmacht. Wer zudem bereits in den Dispo gerutscht ist, wird es schwer haben, ein Girokonto bei einer anderen Bank zu eröffnen. Nicht zu vergessen ist auch der Aufwand, der mit einem Kontowechsel einhergeht, wie etwa die Änderung der Einzugsermächtigungen oder die Benachrichtigung des Arbeitgebers.

An welchen Referenzzinsen orientieren sich Banken?

Wie eingangs erwähnt, ist der Leitzins nicht der einzige Referenzzins der Banken. Viele Kreditinstitute orientieren sich bei der Höhe der Dispozinsen an der Euribor (Euro Interbank Offered Rate). Damit wird der Zinssatz bezeichnet, den europäische Banken vergeben, wenn Sie sich untereinander für beispielsweise drei Monate Geld in Euro leihen. Dass sich der Dispozins in den letzten Monaten kaum verändert hat, ist somit nicht verwunderlich: Bereits seit einem halben Jahr liegt die Euribor unverändert bei rund 0,2 Prozent. Demnach kann nicht pauschal gesagt werden, dass Banken nach einer Leitzinssenkung die Konditionen des Dispokredits günstiger gestalten müssen. Dennoch muss man hinterfragen, ob die aktuelle Höhe der Dispozinsen wirklich gerechtfertigt ist.

Teure Dispozinsen – ist das fair?

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, liegen die durchschnittlichen Dispozinsen derzeit bei 10,5 Prozent – manche Banken stellen ihren Kunden sogar bis zu 14,9 Prozent in Rechnung. Nach einem Bericht der Tageszeitung Die Welt verweisen Banken häufig auf einen hohen Bearbeitungs- und Verwaltungsaufwand, der mit einer Kontoüberziehung einhergeht. Dabei seien die Kosten der Branche, die anfallen, wenn sie sich wiederum das für den Dispokredit benötigte Geld leihen, nur ein Bruchteil der Gesamtkalkulation. Dennoch gibt es Banken, die zeigen, dass es auch anders geht. So zahlen Kunden bei der Skatbank nur 5,5 Prozent, bei der DAB Bank 6,9 Prozent und bei der DKB Bank 7,9 Prozent für den Dispokredit.

Aus Sicht von Verbraucherschützern und Politik ist die Zinspolitik der Bankenbranche jedenfalls nicht gerecht. Pünktlich zur Bundestagswahl haben die Parteien SPD, die Grünen und die Linke eine gesetzliche Deckelung von Dispozinsen in ihr Wahlprogramm verankert. Auch die Verbraucherzentralen verlangen seit langem eine entsprechende Regelung. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) fordert, dass der Sollzins für die Kontoüberziehung maximal sieben Prozentpunkte über dem Leitzins liegen sollte. Die Linke geht noch weiter: Sie will die Obergrenze für den Disposatz auf fünf Prozentpunkte über dem Hauptrefinanzierungszins der EZB deckeln – somit dürfte die Branche aktuell nicht mehr als 5,5 Prozent für einen Dispokredit verlangen.

Was Bankkunden tun können

Verbraucher müssen aber nicht darauf warten, dass von Seiten der Politik Änderungen eingeleitet werden. Sie können ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen und die Bank wechseln. Das ist das Gesetz der Marktwirtschaft: Bankkunden können sich selbst für das beste Angebot entscheiden und damit die übrigen Institute in die Knie zwingen. Obwohl es aktuell noch keine gesetzliche Deckelung der Dispozinsen gibt, gibt es Banken, die gute Konditionen für das Girokonto bieten. Über den CHECK24-Vergleich können sich Verbraucher kostenlos informieren!

(sb)

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