0800 - 24 24 123
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

DAK-Gesundheit: Fusionierte Riesenkasse als Pleiteschutz?

09.11.2011 - 19:30

Wirklich rund läuft es für die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) schon seit längerem nicht mehr. Die drittgrößte Ersatzkasse Deutschlands war eine der ersten, die schon Anfang 2010 Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern erheben musste, weil die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds hinten und vorn nicht reichten. Seitdem hat die DAK kontinuierlich an Mitgliedern verloren. Jetzt versucht die Kasse offenbar einen neuen Ansatz, um sich frei zu schwimmen - durch Fusionen bläht sich die DAK zu einer neuen Riesenkasse auf.

Bereits im Oktober gaben die DAK und die BKK Gesundheit bekannt, dass sie ab dem 1. Januar 2012 als DAK-Gesundheit gemeinsam firmieren. Wie die DAK musste auch der Fusionspartner Zusatzbeiträge erheben, um die Ausgaben decken zu können. Anfang November schloss sich auch die kleine BKK Axel Springer dem neuen Schwergewicht unter den Krankenkassen an.

Und ein Schwergewicht ist sie in der Tat: Zwar bleibt sie auch weiterhin nur die drittgrößte Krankenkasse, aber durch die Zusammenlegung versichert sie 6,6 Millionen Menschen - die DAK betreut derzeit rund 5,8 Millionen Versicherte.

Fusion ermöglicht wirtschaftliche Vorteile

Die drei Unternehmen versprechen sich von der Fusion vor allem wirtschaftliche Vorteile. Durch die Zusammenlegung sollen Prozesse optimiert und Kosten gespart werden. Die DAK sprach in einer Pressemitteilung von der Zusammenlegung zweier Geschäftsmodelle: Einerseits die flächendeckend vertretene DAK und auf der anderen Seite die Verankerung der Betriebskrankenkassen in Großbetrieben.

 

Dazu kommt noch ein weiterer Vorteil: Je größer die Krankenkasse, desto besser  ihre Verhandlungsbasis  gegenüber Ärzten und der Pharmaindustrie. Aufgrund der vielen Mitglieder kann die neue DAK-Gesundheit in beiden Fällen bessere Konditionen aushandeln.

Wie das Handelsblatt berichtet, ruft das Vorgehen der DAK innerhalb der Krankenversicherungsbranche gespaltene Meinungen hervor. Es werden Stimmen laut, die der DAK eine weitere Intention zuschlagen: Sie versuche sich durch die Fusionen so weit zu vergrößern, dass ihr die Politik im Zweifelsfall zu Hilfe kommen muss, um die Kasse nicht schließen zu müssen. Kurz gesagt: Fusionen als Pleiteschutz. Denn dass der Staat eine Krankenkasse mit 6,6 Millionen Versicherten einfach dicht macht, ist schwer vorstellbar.

Aber wer sollte sich dieses Szenario auch vorstellen wollen? Die zum 1. Juli 2011 geschlossene City BKK hatte lediglich 168.000 Versicherte - trotzdem kam es zu einem Chaos, weil etliche Krankenkassen die Ex-Mitglieder der Pleitekasse abwiesen.

Keine Zusatzbeiträge ab April 2012? - Genehmigung steht noch aus

Anscheinend trägt der Zusammenschluss bereits erste Früchte: Wie die Fusionspartner bekanntgaben, wird die DAK Gesundheit ab dem 1. April 2012 keine Zusatzbeiträge mehr erheben. Laut Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK, sei der Zusatzbeitrag aufgrund der wirtschaftlichen Vorteile der Fusion nicht länger nötig. Damit könnte zumindest die Mitgliederflucht beendet werden.

 

Doch die Sache hat einen Haken: Das Bundesversicherungsamt (BVA) ist alles andere als einverstanden mit dem Vorstoß der DAK. Dies berichtet die Rheinische Post unter Berufung auf ein Schreiben des BVA an die Kasse - demnach sei die geplante "Abschaffung des Zusatzbeitrages als kritischer Punkt bewertet" worden. Es sei völlig offen, ob eine Genehmigung für einen Wegfall der Zusatzbeiträge erteilt werde oder nicht.

BVA-Präsident Maximilian Gaßner kritisierte in dem Brief auch die öffentliche Bekanntgabe des Plans: "Angesichts der ohnehin schwierigen Rahmenbedingungen der geplanten Vereinigung halte ich die an die Öffentlichkeit getragene Positionierung für sehr problematisch." Er habe lediglich darum keine öffentliche Richtigstellung verlangt, um der DAK eine eventuell schädliche mediale Diskussion zu ersparen.

Auch die Konkurrenz hatte das Vorhaben der DAK kritisiert. Fünf Ersatzkassen - angeführt von der Barmer/GEK und der Techniker Krankenkasse, den Hauptkonkurrenten der DAK - warnten in einem Brief an das BVA, dass die neue DAK-Gesundheit durch fehlende Zusatzbeiträge in finanzielle Schieflage geraten könnte. Ihre Sorge ist verständlich: Schließlich müssten die Ersatzkassen in diesem Fall gemeinschaftlich haften. Doch eventuell hat die DAK für diese Eventualität bereits vorgesorgt. Ganz nach dem Motto: Den Großen passiert letztlich nichts.

(tei)

Weitere Artikel: