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Gaspreise: Die Ölpreisbindung setzt viele Stadtwerke unter Druck

18.02.2011 - 13:41

Die hohen Ölpreise machen vielen Gasversorgern zunehmend zu schaffen. Weil sie langfristige Lieferverträge mit einer Ölpreisbindung abgeschlossen haben, müssen sie mit steigenden Beschaffungskosten kämpfen. Energieexperten rechnen mit einer Welle von Preiserhöhungen. Andere Anbieter können dagegen ihre Gaspreise sogar senken. Ein Wechsel lohnt sich für Verbraucher damit immer mehr.

Der Bumerang-Effekt ist ein beliebter Gag in alten Zeichentrickfilmen: Ein ahnungsloses Opfer wirft den Bumerang weit weg - und sieht Sternchen, wenn er zurückkommt und ihm mit voller Wucht ins Gesicht klatscht. Ähnlich ergeht es zurzeit vielen Gasversorgern, die ölpreisgebundene Lieferverträge für Gas abgeschlossen haben. Doch während bei Disney nur ein paar Lacher auf Kosten von Goofy und Co zu verbuchen sind, geht es auf dem Gasmarkt um eine Menge Geld - und um verlorene Kunden.

Lieferverträge mit Ölpreisbindung erweisen sich als Bumerang

Für Privatkunden gibt es keine Verträge mit Ölpreisbindung mehr. Viele Versorger beschaffen ihr Gas aber nach wie vor über Lieferverträge, die sich - mit einer Verzögerung von sechs Monaten - an den Notierungen für leichtes Heizöl orientieren. Die sanken während der Wirtschaftskrise deutlich, deswegen verlängerten viele Gasanbieter derartige Beschaffungsverträge oder schlossen sogar neue ab. Doch die Rechnung ging nicht auf: Die Wirtschaft erholte sich im Rekordtempo, seit Monaten sind die Ölpreise auf einem neuen Höhenflug - Landung nicht abzusehen. Die Erdgaspreise an den Spotmärkten sind dagegen aktuell relativ niedrig.

Dieser Ölpreis-Bumerang wird spätestens am 1. April voll bei vielen Gasanbietern einschlagen, zitiert Dow Jones Energy Weekly mehrere Energieexperten. Dann werden die ans Öl gebunden Lieferverträge angepasst und damit teurer, während die Konkurrenz sehr günstig an den Energiebörsen einkaufen kann - die Schere zwischen den Beschaffungskosten der einzelnen Gasversorger öffnet sich damit noch weiter. Schon jetzt liegt der Unterschied bei bis zu 40 Prozent. Viele Anbieter werden gar nicht anders können als ihre Gaspreise zu erhöhen.

Es trifft vor allem die Grundversorger

Betroffen sind nach Schätzung der Experten vor allem kleinere Stadtwerke und damit viele Grundversorger, aber auch die Ferngasgesellschaften geraten unter Druck. Doch während die Branchenriesen das noch vergleichsweise gut wegstecken können, wird es für die Kleinen schnell eng. Ihnen drohen die Kunden wegzulaufen, denn die Verbraucher zeigen sich zunehmend wechselwillig - Tendenz steigend. Erste Anbieter, darunter Regionalversorger wie die EWE, aber auch der EnBW-Konzern, mussten bereits Einbußen hinnehmen.

Einziger Hoffnungsschimmer für die betroffenen Unternehmen: Der russische Riesenkonzern Gazprom erwägt Medienberichten zufolge, sein Gas zukünftig auch ohne Ölpreisbindung anzubieten. Sicher ist das aber nicht. Kostenbewusste Gasverbraucher haben dagegen gut lachen: Denn dank der wachsenden Preisunterschiede sind durch einen Wechsel zu einem günstigeren Gasanbieter derzeit hohe Einsparungen drin. Etliche Unternehmen, die geschickt einkaufen, konnten ihre Gastarife zuletzt sogar senken.

(mb)

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