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Nabucco: Kosten für Gaspipeline steigen wegen teurer Rohstoffe

22.02.2011 - 12:36

Der Bau der Gaspipeline Nabucco wird von einer Kostenexplosion bedroht. Der Energiekonzern BP hat seine Kostenschätzung für das Projekt fast verdoppelt. Grund dafür sind steigende Rohstoffpreise unter anderem für Eisenerz. Nabucco soll Europa unabhängiger von russischem Gas machen. Unterdessen ist E.ON Ruhrgas bei Gazprom mit der Forderung abgeblitzt, die Gaslieferverträge von den Ölpreisen zu entkoppeln.

Die geplante Gaspipeline Nabucco vom kaspischen Meer nach Italien wird von einer gewaltigen Kostensteigerung bedroht. Der BP-Konzern, der später Gas für die Röhre fördern soll, geht laut der britischen Zeitung "The Guardian" inzwischen von Baukosten von bis zu 14 Milliarden Euro aus. Die Projektpartner hatten bislang mit 7,9 Milliarden Euro kalkuliert. Auf der Internetseite von Nabucco heißt es lapidar, die Summe werde derzeit überprüft.

Als Grund für die Kostenexplosion werden die steigenden Rohstoffpreise genannt. So ist Eisenerz im vergangenen halben Jahr etwa um rund die Hälfte teurer geworden. Für Nabucco werden rund zwei Millionen Tonnen Stahl gebraucht. Konkurrenz bekommt die Röhre außerdem durch andere Pipeline-Vorhaben. ITGI und TAP heißen zwei weitere Gasleitungen, die ebenfalls an Russland vorbei nach Italien führen sollen - und deutlich billiger realisiert werden könnten. Russland plant mit South Stream zudem eine eigene Pipeline durch das Schwarze Meer.

Konkurrenz der Pipeline-Projekte

Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche angeregt, die Kräfte der Europäer zu bündeln. Die Konsortien von Nabucco, ITGI und TAP sollten die Optionen für eine Kooperation prüfen, schlug Energiekommissar Günther Oettinger vor. Das würde Europa mehr Gewicht verleihen, wenn es darum geht, sich Gaslieferungen aus der Region zu sichern. Noch fehlen konkrete Lieferverträge für Nabucco, es gibt bislang lediglich eine Willenserklärung Aserbaidschans. Ende März wollen die Betreiber des aserbaidschanischen Gasfeldes Shah Deniz II, darunter BP, entscheiden, wie viel Gas direkt nach Europa gehen soll.

Der Bau von Nabucco soll nach derzeitigem Stand Ende 2012 starten, das erste Gas dann 2015 strömen. Die Leitung soll durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Italien führen. Zum Betreiberkonsortium gehören der deutsche RWE-Konzern, die ungarische MOL, Bulgariens Bulgargaz, Transgaz aus Rumänien, OMV aus Österreich und die türkische Botas an. Die EU will durch die geplanten Gaspipelines nach Südeuropa unabhängiger von russischen Gaslieferungen werden.

Gazprom bleibt hart gegenüber E.ON

Gleichzeitig zeigt sich die russische Gazprom in der Zusammenarbeit mit europäischen Partnern wenig konziliant. E.ON Ruhrgas erntete mit dem Vorschlag, die Gas-Lieferverträge mit den Russen von der Entwicklung des Ölpreises zu lösen, ein knappes "Njet" in Moskau. Weil derzeit die Ölpreise steigen, wird auch das Gas, das über solche Verträge beschafft wird, immer teurer - das betrifft neben den Energieriesen vor allem kleine Stadtwerke und Grundversorger. Experten erwarten eine Welle von Preiserhöhungen und massive Kundenverluste. Denn im kurzfristigen Handel am Spotmarkt sinken die Gaspreise - manche Gasanbieter können daher ihre Kunden deutlich günstiger versorgen.

(mb)

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