0800 - 24 24 123
Telefonische Expertenberatung
Sie sind hier:

Fracking: Mehr Umweltsünde als Energiewunder

18.04.2016 - 16:57

Umweltschützer warnen schon lange vor der Öl- und Gasgewinnung mittels Fracking. Durch die eingesetzten Chemikalien befürchten sie Gefahren für Mensch und Natur. Der Energieexperte Werner Zittel beleuchtet das umweltbelastende Verfahren in seinem neuesten Buch aus verschiedenen Blickwinkeln. Wir haben seine Thesen rund um Fracking zusammengefasst.

In seinem Grundlagenwerk „Fracking – Energiewunder oder Umweltsünde?“ erklärt der Wissenschaftler Werner Zittel die Fördertechnik und stellt sie konventionellen Methoden gegenüber. Als anschauliche Bespiele für Chancen, Risiken und Folgen der Fracking-Methode dienen Vorfälle aus den USA.
 

Fracking vs. Energiewende

Fracking. Umweltsünde oder Energiewunder?
Gasförderung durch Fracking bremst die Energiewende aus.
Laut Zittel suggeriert Fracking, dass der Vorrat an Öl- und Gasvorkommen unerschöpflich sei. Durch neue Erschließungsmethoden wird so das Zeitalter fossiler Brennstoffe künstlich verlängert. Denn auch die Vorkommnisse in tiefen Gesteinsschichten sind endlich und somit keine zukunftsträchtigen Energielieferanten. In den USA ist die Förderung von Öl und Gas innerhalb kürzester Zeit gestiegen. Fracking bremst also die Energiewende und sorgt für einen weiteren Anstieg der Treibhausgase. Um CO2-Emissionen zu reduzieren, müssen ausschließlich erneuerbare Energien genutzt werden. Wenn die Bundesregierung auf Fracking setzt, verfehlt sie möglicherweise ihre Klimaziele.
 

Teuer und risikoreich

Der Autor belegt mit zahlreichen Studien und Analysen, dass die Fördermethode immer unrentabler wird und in den USA ihren Zenit bereits überschritten hat. Die Fördermengen wurden innerhalb kürzester Zeit immer geringer. Selbst Investoren ziehen sich immer mehr aus dem Fracking-Geschäft zurück. Für den Energieexperten ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die Blase platzt. Auch Deutschland sollte lieber in die Erneuerbaren investieren. Zumal die Vorkommnisse der tiefgelagerten Brennstoffe hierzulande laut Bundesumweltministerium überschaubar sind.
 

Gefahr für Umwelt und Gesundheit

Bei dem Förderverfahren werden verschiedene Chemikalien ins Erdreich gepumpt, die nicht nur als umweltbelastend gelten, sondern auch in dem Ruf stehen krebserregend zu sein. Der Wissenschaftler führt hierzu Umweltfolgen in Norddeutschland vor. Dort kam zu 60 Störfällen in den vergangenen Jahren. Unter anderem trat an einer undichten Leitung Benzol aus und gelangte ins Grundwasser. Auch die Quecksilberkonzentration im Boden ist seit Beginn der Bohrungen gestiegen. In den niedersächsischen Gemeinden Bothel und Rothenburg erhöhte sich die Anzahl der Leukämieerkrankungen rapide. Ein Zusammenhang zwischen verunreinigtem Grundwasser und den Krebsfällen sei denkbar. Beweisen könnte man das nur durch „systematische Erhebungen“, so Zittel.
 

Fracking-Gesetz in der Warteschleife

Bisher konnte sich die Bundesregierung auf keine Gesetzesreform für Fracking einigen. Der Verbotsantrag der Grünen wurde bereits abgelehnt. Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat Mitte April ein generelles Verbot von Fracking abgelehnt. Somit bleibt die umstrittene Öl- und Gasförderungsmethode in Deutschland zunächst erlaubt. Der derzeitige Gesetzesentwurf sieht vor, dass Konzerne testweise Probebohrungen durchführen dürfen, wenn es von einer Kommission erlaubt wurde. Behörden und Länder dürfen gegen die Bohrungen Ihr Veto einlegen. Ab 2019 soll dann auch kommerzielles Fracking möglich sein, sofern die Rohstoffgewinnung von einer unabhängigen Expertenkommission als unbedenklich eingestuft wurde.

(sst)

Weitere Artikel: