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Erdgas: EU will Umweltauflagen für neue Bohrungen überprüfen

21.12.2010 - 13:48

So genanntes unkonventionelles Erdgas aus heimischer Förderung soll die Energieversorgung sichern helfen. Auch in Deutschland planen die Energieversorger Bohrungen. Doch Kritiker befürchten massive Umweltschäden und Gesundheitsgefahren für Anwohner. Die EU-Kommission will deshalb prüfen, ob die Umweltauflagen ausreichen.

Erdgas ist der Saubermann unter den fossilen Energieträgern. Es verbrennt sauberer als Kohle und Öl und verursacht geringere CO2-Emmissionen. Auch in Europa sollen gewaltige Mengen in so genannten unkonventionellen Vorkommen im Boden stecken - in Schiefer, Kohle oder festem Gestein. Sie könnten die nachlassende Förderung ausgleichen und das Land unabhängiger von Importgas machen. Doch gegen die Ausbeutung regt sich Widerstand. In betroffenen Gemeinden ist die Gründung von Bürgerinitiativen angekündigt. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" will zudem die EU-Kommission im kommenden Jahr Gutachter in vier europäische Länder schicken, darunter Deutschland. Sie sollen prüfen, ob die Umweltauflagen angemessen sind.

Die Kritik entzündet sich an der Fördermethode: Gas aus unkonventionellen Vorkommen strömt nicht von selbst aus dem Lagergestein, wenn es angebohrt wird. Um es aus dem Boden zu bekommen, müssen im Untergrund künstliche Risse geschaffen werden. Fracking oder Hydraulic Fracturing wird das Vorgehen von Fachleuten genannt. Durch Bohrungen werden unter hohem Druck Wasser, Sand und Chemikalien in die Tiefe gepumpt. Das Wasser sprengt das Gestein auf, der Sand hält die Risse offen, die Chemikalien sollen das Gas lösen und Bakterien abtöten, die den Prozess behindern könnten. Moniert werden unter anderem der Lärm der Kompressoren und Bohranlagen, der gewaltige Wasserverbrauch, die mögliche Verunreinigung des Grundwassers sowie Gesundheitsgefahren durch die teils giftigen Chemikalien.

Dennoch soll jetzt auch in Europa die Förderung forciert werden. Denn allein in Nordrhein-Westfalen sollen 2.200 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Boden stecken, wie die "Welt" unter Berufung auf den Geologischen Dienst des Landes schreibt. Unternehmen wie Exxon Mobil, GDF Suez oder Bayerngas haben sich im Forschungsverbund GASH (Gas Shales in Europa) zusammengeschlossen. Erkundungen der Gasanbieter sind laut "Welt" unter anderem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen geplant oder bereits durchgeführt.

In den USA, wo bereits in großem Stil Gas nach dieser Methode gefördert wird, spüren die Energiekonzerne zwar Gegenwind. In einem Dokumentarfilm ist zu sehen, wie in einem Privathaushalt so viel Gas aus der Wasserleitung strömt, dass es angezündet werden kann. Das US-Umweltamt hat eine Untersuchung gestartet, in einigen Bundesstaaten sind strengere Auflagen in Kraft getreten. Trotzdem dürfte die Gasförderung aus den Schiefervorkommen eher ausgebaut werden. Es lockt die Unabhängigkeit von Gasimporten. 2030 könnte es in den Vereinigten Staaten soweit sein, schätzt die US-Energiestatistikbehörde.

(mb)

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