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5 Tipps gegen Flugangst: Endlich entspannt abheben!

20.04.2016 - 16:36

Schweißausbrüche, Schnappatmung, Heulkrämpfe: Wenn Sie so wie ich, bereits Wochen vor Urlaubsbeginn kein Auge mehr zumachen, weil Sie Angst haben, es könnte genau auf Ihrem Flug etwas ganz Schreckliches passieren – dann wird es Zeit für diesen Blogbeitrag.

Mein Flug startet erst kommenden Donnerstag, aber in Gedanken sitze ich bereits panisch im Flieger, zerquetsche meinem Sitznachbarn die Hand und durchlebe geistig die eine oder andere Absturzsituation. Doch nicht nur mir geht es so: Umfragen zufolge leiden etwa 15 Prozent aller Deutschen unter Flugangst (Aviophobie) und weitere 20 Prozent fühlen sich nicht wohl an Bord. Das heißt, dass jeder dritte Passagier lieber woanders wäre und nicht auf Platz B in Reihe 4 oder Platz A in Reihe 18.

1. Fakten, Fakten, Fakten

Ja, statistisch gesehen, ist das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel. Foto: Oneworld/S7
Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört: „Das Flugzeug ist das sicherste Verkehrsmittel“! Doch stimmt diese Aussage auch? Laut einer Auswertung des Statistischen Bundesamts im Jahr 2011 wurden die wenigsten Unfälle und Verunglückten in der Luftfahrt gezählt. Pkw, Bus, Bahn und Straßenbahn verbuchten demnach mehr Tote und Verletzte als das Flugzeug.

Beim Verunglückungs- und Todesrisiko gilt dem Statistischen Bundesamt zufolge dasselbe: Die geringste Gefahr geht vom Fliegen aus. Danach folgen Eisenbahn-, Straßenbahn- und Busfahrten. Das risikoreichste Verkehrsmittel ist der Pkw: Das Risiko im Auto tödlich zu verunglücken, ist 839 Mal höher als im Flugzeug.

Last but noch least: Laut International Air Transport Association (IATA) gab es bis zum 30. November 2012 pro einer Million Starts – bezogen auf alle weltweiten Flüge – nur 0,19 Unfälle. Das heißt, dass ein Mensch 14.000 Jahre lang fliegen oder 5,3 Millionen Starts miterleben kann, bis statistisch etwas passiert. Das hört sich doch gut an!

2. „Das klingt aber komisch!“

Von Brummen über Knattern bis hin zum Furcht einflößenden Dröhnen: Urlauber, die wie ich Angst vor dem Fliegen haben, sollten sich vorab mit den technischen Abläufen vertraut machen. Sowohl die Sicherheitschecks der Maschine durch den Piloten vor dem Abflug als auch das Einfahren des Fahrwerks kurz nach dem Abheben erzeugen seltsame Geräusche. Wer versteht woher die vielen unterschiedlichen Laute vor, während und nach dem Flug kommen, kann sich garantiert viel entspannter in den Sitz fallen lassen.

3. Das oberste Gebot eines Passagiers

Trotzdem, solche theoretischen Erklärungen helfen nur wenig, wenn die Maschine plötzlich anfängt zu ruckeln. Doch wie gefährlich sind Turbulenzen eigentlich?
Wer sich anschnallt, fliegt deutlich sicherer.
Besonders unangenehm sind die sogenannten Clear Air Turbulences (Turbulenzen in wolkenfreier Luft), die in einer Höhe von 7.000 bis 12.000 Metern auftreten und wir unter Luftlöcher kennen. „Das Unberechenbare an dieser Art Turbulenzen ist, dass sie unangekündigt auftreten“, sagte Cornelia Cramer vom Luftfahrt-Bundesamt. Allerdings können wir aufatmen: „Man braucht keine Angst zu haben, dass ein Flugzeug durch Turbulenzen auseinanderbricht, auch wenn die Flügelspitzen und Triebwerke unter Umständen ziemlich stark wackeln. Dafür sind sie gebaut. Zudem ist das Durchbiegen der Flügel eine Art Federung, die dem Komfort dient“, sagte der Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt.

Gefährlich wird es nur dann, wenn wir nicht angeschnallt sind. Durch das plötzliche Absacken der Maschine hängen all diejenigen an der Decke, die sich nicht an die Sicherheitsanweisungen gehalten haben. Die Wucht des Aufpralls in den Sitz oder an die Flugzeugdecke kann zu schweren Verletzungen führen – also Anschnallen nicht vergessen!

Mein Tipp: Wen das Wackeln während des Fluges besonders stört, sollte sich einen Sitzplatz über den Tragflächen aussuchen, da es dort am wenigsten ruckelt. Zudem befinden sich auch die Notausgänge über den Tragflächen.

4. Es geht los – die wichtigsten Tipps im Überblick!

Wenn sich das Flugzeug in Richtung Startbahn bewegt, kralle ich spätestens jetzt meine Fingerspitzen in die Lehne oder zerdrücke meinem Sitznachbarn die Hand. Beides ist nicht sonderlich förderlich, doch was hilft wirklich?
Verzichten Sie auf den Genuss von Kaffee und Alkohol während des Fluges. Foto: airberlin
  • Lesen Sie ein Buch, hören Sie Musik, lösen Sie Kreuzworträtsel, lenken Sie sich ab! Wer jedoch zu nervös ist zum Lesen, sollte es besser nicht versuchen, rät Antonia Arboleda-Hahnemann, Psychologin aus Hamburg. „Dann ist es besser, sich bewusst der Angst zu stellen. Sonst springt sie einen von hinten an.“
  • Unterhalten Sie sich mit ihren Nachbarn, der freut sich garantiert über ein paar freundliche Worte!
  • Machen Sie Atemübungen, um zur Ruhe zu kommen! Angst-Passagiere sollten beim Abheben der Maschine besonders lange ausatmen. Mein Tipp: Autogenes Training!
  • Trinken Sie auf keinen Fall Alkohol! Wer unter Flugangst leidet, lässt die Finger von alkoholischen Getränken sowie Kaffee. „Der Adrenalinspiegel ist in diesen Momenten ohnehin hoch, und wenn man dann etwas trinkt, pusht das den noch einmal“, sagte Arboleda-Hahnemann.
  • Essen nicht vergessen! Fluggäste, die vor Angst das Bordmenü nicht herunter bekommen, packen sich Obst oder Schokolade ein, um den Blutzuckerspiegel aufrechtzuerhalten!
  • Für wen es keinen anderen Ausweg gibt, sollte sich an seinen Hausarzt oder einen Psychologen wenden. Auch homöopathische Mittel wie etwa Baldriantropfen können zur Beruhigung beitragen.

5. Hilfreiche Serviceangebote

Am Flughafen Dresden finden regelmäßige Seminare gegen Flugangst statt. Foto: Michael Weimer
Immer mehr Airlines und Airports bieten Seminare gegen Flugangst an. Hierbei lernen Teilnehmer unterschiedliche Entspannungsübungen und erfahren Details über den technischen sowie physikalischen Hintergrund des Fliegens.

Beispielsweise plant der Flughafen Dresden am 5. Juni, 28. August, 9. Oktober und 27. November dieses Jahres jeweils von 10 bis 18 Uhr ein Seminar gegen Flugangst am mitteldeutschen Airport. Die Texter-Millott GmbH, welche eng mit der Deutschen Lufthansa und Air Dolomiti zusammenarbeitet, bietet ebenfalls Seminare gegen Flugangst an, welche in unterschiedlichen deutschen Städten stattfinden. Auch Kinderseminare stehen im Plan.

Auch wenn ein wenig Restangst bleibt, fühle ich mich trotz allem für die nächsten Flüge gut gerüstet. Wie es gelaufen ist, erfahren Sie in einem der nächsten Blogbeiträge.

(mja)

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